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Zuschläge und Prämien: Darauf sollten Sie bei der Entgeltpolitik achten

Zuschläge Und Prämien: Darauf Sollten Sie Bei Der Entgeltpolitik Achten
Beitragsserien: Kolumne Eckhard Eyer: Leistungsvergütung in der Industrie

Bei der Regelungen von Entgelten in der Produktion gibt es für Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten, die umfassende Konsequenzen mit sich führen. Eckhard Eyer erklärt in seinem heutigen Teil seiner Artikelreihe rund um das Leistungsentgelt, worauf es ankommt und wie sich dadurch erhebliches Einsparpotenzial erreichen lässt.

Eckhard Eyer ist Inhaber der Perspektive Eyer Consulting, Ockenfels, mit dem Arbeitsschwerpunkt: Beratung bei der Gestaltung und Umsetzung von Führungs- und Entgeltsystemen, insbesondere von Leistungsentgeltsystemen. Er begleitet Unternehmen von der Problemstellung über die gemeinsame Projektgruppenarbeit von Management und Betriebsrat bis hin zum Abschluss der Betriebsvereinbarung und der Schulung von Führungskräften und Mitarbeitern.

Leistung und Leistungskennzahlen

Statistik, DatenZiel der Produktion ist es die Kunden hinsichtlich der Liefertermine und Qualität zu akzeptablen Preisen zu beliefern. Hierzu ist einerseits eine optimal gestaltete Fertigung und andererseits ein optimales Personal- und Leistungsmanagement notwendig. Die Produktivität in der Fertigung ist deshalb ein wichtiges Ziel, das mit den entsprechenden Leistungskennzahlen, den Key Performance Indicators (KPI), gemessen und als Steuerungskennzahl für das Handeln der Führungskräfte und Mitarbeiter zeitnah zur Verfügung gestellt wird. Dabei kann die Produktivität als die Arbeitsproduktivität der Mitarbeiter und/oder als die Produktivität der Anlagen – zum Beispiel auf Basis der Overall Equipment Effectiveness (OEE) – ermittelt werden.

Leistungskenzahlen und Entgeltzuschläge

Nicht selten werden bereits bei der Gestaltung der Arbeit und der Arbeitsprozesse Systeme zur Arbeitsgestaltung eingesetzt, wie das „Human Work Design“ von MTM, das es ermöglicht, bereits beim Aufbau der Fertigung optimale Prozesse und ergonomische Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter zu gestalten. Dieses Vorgehen bietet auch die Möglichkeit, Vorgabezeiten für die neu gestalteten Arbeitsprozesse aus dem „System vorbestimmter Zeiten“ zu ermitteln. Die Deutsche MTM-Vereinigung (Methods-Time Measurement, MTM) bietet neben der Arbeitsgestaltung auch die Möglichkeit der Vorgabezeitermittlung und damit der Personalbemessung bereits während der Gestaltungsphase der Fertigungsprozesse an. Auf diese Weise lassen sich bereits zu einem frühen Zeitpunkt die Kosten der Fertigung und damit die Herstellkosten ermitteln.

Normleistung und tarifliche Bezugsleistung

In den Systemen vorbestimmter Zeiten wurden bereits vor Jahrzehnten internationale Arbeitszeitstudien durchgeführt, die – aus nachvollziehbaren Gründen – nicht auf das deutsche Tarifrecht und das deutsche Arbeitsrecht abgestimmt waren.

DatensucheDie Arbeitswissenschaft in Deutschland – insbesondere verkörpert durch REFA – definierte die REFA Normalleistung in der 1950er Jahren, die die Basis für die Personalbemessung und die Leistungsmessung beim Leistungsentgelt waren und sind. So entsprach beispielsweise das tarifliche Grundentgelt beim Akkordlohn der Normalleistung und die Durchschnittsleistung war höher als die Normalleistung. Textanalysen zeigen, dass bei dem Entgelt-Rahmen-Abkommen für Arbeiter und Angestellte (ERA) im Jahr 2003 in der Metall- und Elektroindustrie die Definition der REFA-Normalleistung die Basis für die Definition der tariflichen Bezugsleistung (auch tarifliche Bezugsbasis und tarifliche Leistungsbasis genannt), wurde. Die REFA-Normalleistung und damit auch die tarifliche Bezugsleistung liegen unterhalb der REFA-Durchschnittsleistung. Mitarbeiter erzielen deshalb in der Regel ein Leistungsentgelt, das – je nach Tarifgebiet – durchschnittlich 10 Prozent, 14 Prozent oder 15 Prozent des tariflichen Grundentgelts beträgt.

Die Normleistung der Systeme vorbestimmter Zeiten liegt, bedingt durch ihre Erhebung und die Auswertung der Basisdaten, oberhalb der tariflichen Bezugsleistung. In den Unternehmen, die Systeme vorbestimmter Zeiten anwenden, wird deshalb mit den Betriebsräten bei der Festlegung von Prämien auch vereinbart welchem Leistungsniveau – bezogen auf die die tarifliche Bezugsleistung die Normleistung der Systeme vorbestimmter Zeiten entspricht. Dieser Prozess ist erfahrungsgemäß nicht unpolitisch und hängt auch von der Wettbewerbssituation des Unternehmens und der Situation am Arbeitsmarkt ab.

Entgeltpolitik mit der Vorgabezeit

Maschine, Produktion, Production SystemsEs ist grundsätzlich nicht kritikwürdig, wenn sich die Personalabteilung und das Industrial Engineering mit dem Betriebsrat auf angemessene Kalibrierung von Leistung und Entgelt für die Erbringung der Normleistung einigen, die über der tariflichen Bezugsleistung liegt. In einigen Unternehmen wird hierbei mit Zuschlägen gearbeitet. Entscheidend ist, ob diese Zuschläge als Zeitzuschläge dazu dienen die Vorgabezeiten zu verlängern oder ob sie als Entgeltzuschläge die Höhe des Leistungsentgelts, die Prämie, erhöhen. Die Erfahrung zeigt, dass die angemessene Kalibrierung und die Generierung eines Entgeltzuschlags der richtige Weg sind. Das gilt insbesondere dann, wenn die Zuschläge als „entgeltpolitische Zuschläge“ oberhalb der Differenz von Normleistung und tariflicher Bezugsleistung liegen. Entgeltpolitische Zuschläge auf die Vorgabezeit unterminieren eine korrekte Datenbasis, die zur Steuerung der Fertigung und der Führung des Unternehmens unerlässlich sind. Darüber hinaus sind Korrekturen von Zeitzuschlägen in der betrieblichen Praxis besonders schwierig zu realisieren, weil es in der betrieblichen Auseinandersetzung nicht nur um Korrekturen der Entgelthöhe geht, sondern zusätzlich um das Thema Arbeits- und Leistungsverdichtung.

Fazit: Leistungskennzahlen sind unverzichtbar

Leistungskennzahlen und eine korrekte Datenbasis sind zum Steuern der Fertigung und zum Führen eines Unternehmens unerlässlich. Beim Verknüpfen von Leistung und Entgelt, auf der Basis der tariflichen Bezugsleistung, ist einerseits darauf zu achten, dass zum einen „nur“ die echte Differenz zwischen tariflicher Bezugsleistung und der Normleistung von Systemen vorbestimmter Zeiten durch Zuschläge ausgeglichen wird. Andererseits kommt es insbesondere bei entgeltpolitischen Zuschlägen darauf an, die Entgelthöhe und nicht die Vorgebezeiten mit Zuschlägen zu versehen.

Gerade in der sich jetzt abschwächenden Konjunktur und der Notwendigkeit Fertigungsprozesse zu überdenken und Kosten zu sparen ist hier ein nicht selten erhebliches Einsparungspotential zu identifizieren.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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