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5 wichtige Tipps für erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat

5 Wichtige Tipps Für Erfolgreiche Zusammenarbeit Mit Dem Betriebsrat

Die Lufthansa ist eines der Unternehmen, die in den vergangenen Jahren ein echtes Lied von der Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat singen kann. Lesen Sie heute im Interview mit Ulf Rentsch, welche Grundregeln man beachten sollte, damit das Miteinander gelingt und welche Fragen Sie sich selbst auf jeden Fall vor dem Gegenübertreten beantworten sollten.

Ulf Rentsch ist Manager Labor Relations bei der Lufthansa Global Business Services GmbH und war zuvor Teamleiter Personalmanagement Cockpit Crews und Referent Betriebsverfassung bei der Deutsche Lufthansa AG in Frankfurt am Main. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind die Verhandlung und der Abschluss von Betriebsvereinbarungen mit Betriebsräten zu IT-Systemen. Ulf Rentsch ist studierter Jurist mit dem Schwerpunkt Kollektives Arbeitsrecht, Wirtschaftsjurist und zugelassener Rechtsanwalt.

Ulf Rentsch

Ulf Rentsch

Herr Rentsch, welche Erfahrungen haben Sie in der Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat gemacht. Worauf kommt es an, damit Konflikte umgangen werden?

Betriebsratsverhandlungen sind ein komplexes Gebilde, bei dem es verschiedene Faktoren gibt, die über Erfolg und Nicht-Erfolg entscheiden. Zu einem großen Teil erfolgskritisch sind sicherlich das Gesprächsklima und die zwischenmenschlichen Beziehungen der Beteiligten auf Arbeitgeber- und Betriebsratsseite. Aber selbst wenn sich die Beteiligten gut verstehen, können externe Faktoren, wie zum Beispiel die Arbeitgeberentscheidung Arbeitsplätze abzubauen und/oder zu verlagern, dazu führen, dass die Verhandlungen schwieriger werden und Konflikte nicht umgangen werden können. Man darf nicht vergessen, dass sowohl Betriebsräte als auch Arbeitgebervertreter immer auch ihre Rolle spielen und die jeweiligen Interessen vertreten müssen. Insofern gibt es nicht das einfache Patentrezept mit der jede Verhandlung zu einem Erfolg wird.

Grundregeln für gute Zusammenarbeit

Zusammenarbeit mit dem BetriebsratGenerell und insbesondere in konfliktträchtigen Situationen gibt es ein paar grundlegende Verhaltensweisen, die die Verhandlungen zumindest etwas erleichtern können.

  • Wichtig ist es, den Betriebsrat als gleichwertigen Verhandlungspartner zu behandeln und mit ihm auf Augenhöhe zu verhandeln. Dazu gehört auch ein offener und ehrlicher Umgang miteinander.
  • Legen Sie dem Betriebsrat die Fakten offen auf den Verhandlungstisch und sprechen Sie über die Gründe, die zu Ihrer Entscheidung geführt haben.
  • Verheimlichen bringt nichts, sondern zerstört im worst case nur Ihre Glaubwürdigkeit.
  • Machen Sie im Laufe der Verhandlungen genauso deutlich, wo Sie verhandlungsbereit sind und wo Ihre roten Linien sind.
  • Und ganz wichtig: Stehen Sie zu dem, was Sie dem Betriebsrat zusagen beziehungsweise ankündigen. Das gilt übrigens auch für die Betriebsratsseite.

IT geht neue Wege: Betriebsvereinbarungen hinken hinterher

Welche Besonderheiten gibt es beim Einsatz von neuen Technologien? Haben Sie das ein oder andere Beispiel?

Wir erleben seit einiger Zeit einen großen Wandel in der IT: Weg von den „on premise“-Systemen hin zu Cloud-basierten Software-as-a-Service-Systemen. Das ist nicht nur für die IT Bereiche eine Umstellung, sondern umso mehr noch für die betriebliche Mitbestimmung. Man hatte sich innerbetrieblich mit den Mitbestimmungsgremien zusammengesetzt und über die Jahre herausgearbeitet, was in IT Betriebsvereinbarungen geregelt werden soll und was nicht. Diese Vorgehensweisen passen jetzt immer weniger. Während man zum Beispiel früher noch – in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat – entscheiden konnte, ob man in der Software bestimmte Funktionalitäten haben möchte und wie die aussehen sollen, wird einem heute vielfach die Entscheidungsmöglichkeit (ab-)genommen. Jetzt entscheidet der Softwareanbieter, ob und welche Funktionalitäten in der Software vorhanden sind.

Hier müssen Arbeitgeber und Betriebsräte sich zusammensetzen und gemeinsam neue Spielregeln für den Umgang mit der neuen Technik erarbeiten.

Das Betriebsverfassungsgesetz ist hier keine Hilfe, denn gerade die Vorschriften zur Mitbestimmung bei IT Systemen basieren leider immer noch auf einer Vorstellung von IT Systemen, wie sie in den 70er Jahren ausgesehen haben. Es ist leider auch nicht absehbar, dass das BetrVG hier zeitnah an die neue Zeit angepasst werden würde.

3 Fragen sollten Sie sich stellen

Welche konkreten Tipps würden Sie unseren Lesern mit an die Hand geben, um sich auf Diskussionspunkte vorzubereiten? Gibt es eine Checkliste?

Eine allgemeingültige Checkliste gibt es nicht, aber es hilft, wenn man sich gut vorbereitet. In den 12 Jahren, in denen ich mich mit IT Mitbestimmung beschäftige, habe ich die Erfahrung gemacht, dass es drei Grundfragen gibt, an denen man sich in der Vorbereitung für die IT Verhandlungen gut orientieren kann:

  1. Was will ich?
  2. Was brauche ich konkret dafür?
  3. Warum?

Mit diesen Fragen werden viele der Themen abgedeckt, die normalerweise in Betriebsratsverhandlungen zur Sprache kommen. Ein Beispiel: Bei der Frage „Was brauche ich dafür?“ geht es unter anderem um die konkreten personenbezogenen Daten, die genutzt werden sollen. Hier hat der Betriebsrat erfahrungsgemäß ein besonderes Auge darauf, dass hier nicht zu viele Daten genutzt werden. In Kombination mit der Frage „Warum?“ können Sie beispielsweise dann in der Betriebsratsverhandlung direkt erklären, warum Sie das Datenfeld konkret brauchen und warum es nicht ohne geht. Als angenehmen Nebeneffekt haben Sie damit auch gleich die datenschutzrechtliche Zweckbestimmung definiert.

Alle müssen an einem Strang ziehen

In Ihrer Firmengeschichte wurden selbst schwierige Verhandlungen mit dem Betriebsrat schließlich zum Erfolg. Was ist das Geheimnis, damit man schnell zu einer Lösung kommt?

ZusammenarbeitWie bereits beschrieben, kommt es immer auf das Miteinander in den Verhandlungen an. Man kann in der Sache durchaus auch mal heftiger miteinander streiten. Es sollte aber immer möglich sein, danach trotzdem gemeinsam „ein Glas Wein oder Bier trinken“ zu gehen.

Ich würde aber gerne das „schnell“ in Ihrer Frage etwas relativieren. Es ist durchaus normal, dass auf Seiten der Projektleiter oder Fachabteilungen ein nicht unerheblicher Zeitdruck vorhanden und damit das Interesse an einer möglichst schnellen Lösung sehr hoch ist. In dem Zusammenhang wächst natürlich auch die Bereitschaft für den kurzfristigen Erfolg Zugeständnisse zu machen, die man unter normalen Umständen nicht gemacht hätte. Zum erfolgreichen Abschluss einer Verhandlung gehört für mich aber auch, dass das Ergebnis nachhaltig ist und man bestimmte Grundsätze gerade nicht dem schnellen Erfolg opfert. Daher kann es durchaus passieren, dass die Verhandlungen nicht so schnell abgeschlossen werden, wie sich der eine oder andere Beteiligte das wünscht.

Wichtige Rechtsfragen bei der digitalen Transformation

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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