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Zur Diskriminierung von Migranten am Arbeitsmarkt

Zur Diskriminierung Von Migranten Am Arbeitsmarkt

Werden Menschen mit Migrationshintergrund am Arbeitsmarkt diskriminiert? Als Einwanderungsland muss sich Deutschland diese Frage stellen, denn sowohl die Nachfahren der Gastarbeiter, als auch die vielen jungen Geflüchteten, die im Land bleiben möchten, sollen sich über Arbeit in die Gesellschaft integrieren. Daher muss umgekehrt gelten, dass sich die Gesellschaft dem nicht verschließen darf. Also: wieviel Diskriminierung gibt es am deutschen Arbeitsmarkt?

Erwerbslosenzahlen: Bei Einwanderern fast doppelt so hoch

Nach Daten des Mikrozensus waren unter allen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland im Jahr 2013 acht Prozent erwerbslos. Damit war der Anteil doppelt so hoch, wie bei den Menschen ohne Migrationshintergrund. Die Gruppe der Migranten ist allerdings ziemlich heterogen. Die größte Untergruppe bilden die fast drei Millionen türkeistämmigen Deutschen, dazu sind auch ungefähr zwei Millionen Zugewanderte aus Drittstaaten im Land.

Die hohe Erwerbslosigkeit kann darauf basieren, dass es unter den Migranten durch die ehemaligen Gastarbeiter viele Geringqualifizierte gibt. Außerdem sehen viele Unternehmen Sprachbarriere und kulturelle Unterschiede als Hindernisse für eine Einstellung. Und da wäre noch die Vergleichbarkeit der Berufsabschlüsse, die im Ausland erworben wurden. Allerdings wären diese Gründe für Nichteinstellungen keine Diskriminierung, sondern echte Hindernisse.

Ungleicher Erfolg bei gleichen Ausgangschancen

Interessant wird es aber, wenn man sich anschaut, wie gleich qualifizierte am Arbeitsmarkt abschneiden. In einer Analyse der Hans-Böckler-Stiftung wird beobachtet, dass bei gleichem Alter und Familienstand sowie gleicher Qualifikation der Migrationshintergrund ein entscheidender Faktor ist.

Migranten - Diskriminierung

Bildnachweis: Irochka – de.fotolia.com

Der Migrationshintergrund wirkt sich bei gleichen Eigenschaften negativ auf den Erwerbsstatus aus.

Heißt: Zum Beispiel haben Zuwanderer ohne Bildungsabschluss nochmal schlechtere Chancen als Deutsche ohne Bildungsabschluss. Dazu sind auch qualifizierte Zuwanderer häufig in Positionen beschäftigt, für die sie deutlich überqualifiziert sind. Zudem sind sie häufiger unfreiwillig in atypischen Beschäftigungsverhältnissen wie Teilzeit oder Leiharbeit angestellt, als deutschstämmige Menschen.

Laut OECD seien damit die Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland deutlich größer, als in anderen EU-Ländern.

Ausnahme dabei sind Nord- und Westeuropäer beider Geschlechter, die sogar im Durchschnitt einen besseren beruflichen Status als gleich qualifizierte Deutsche erreichen.

 

Diskriminierung vor allem bei Behörden und am Arbeitsmarkt

Auffallend an den Statistiken: alle Migranten, selbst die aus den EU-Staaten, berichten zu einem großen Teil von Diskriminierungserfahrungen. Aus der IAB-SOEP-Migrationsstichprobe geht hervor, dass in keiner Gruppe nicht mindestens 43 Prozent der Befragten von solchen berichten. Dabei sind besonders Türken und Menschen aus arabischen Herkunftsländern betroffen. Diskriminierung wird dabei am häufigsten in Behörden oder am Arbeitsmarkt erfahren und stellt für Bleibewillige Migranten ein echtes Integrationshindernis dar. Aber auch die Unternehmen, die aufgrund der Herkunft über Einstellungen entscheiden, tun sich nicht zwingend einen Gefallen damit.

Junge Menschen mit Migrationshintergrund: Motiviert und mit hoher Übernahmequote

Aus einer OECD-Studie geht hervor, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund am Arbeitsmarkt größere Probleme haben, als Nachkommen deutscher Eltern. Selbst unter den Hochschulabsolventen liegt die Beschäftigungsquote der Menschen mit Migrationshintergrund sieben Prozentpunkte unter der von Menschen ohne Migrationshintergrund. Außerdem sind 28 Prozent aller Hochqualifizierten aus der Gruppe der 15- bis 34-Jährigen für ihre Jobs überqualifiziert. Für Migranten mit Schulabschluss ist es zudem eine große Schwierigkeit, nach der Schule überhaupt einen Ausbildungsplatz zu finden.

Dabei sind Jugendliche mit Migrationshintergrund beispielsweise in der dualen Berufsausbildung genauso erfolgreich wie Deutsche. Zwar sind die Startbedingungen oft ungünstiger, was sich im Durchschnitt auf die Noten auswirkt, aber unter gleichen Bedingungen ist kein Unterschied erkennbar. Das geht aus der Forschung des BIBB hervor. Nach einer Berufsausbildung werden junge Migranten zudem sogar etwas häufiger übernommen als deutsche. (Das kann aber auch andere Gründe haben, als die Qualifikation.)

Auch aus der kürzlich besprochenen McDonalds Ausbildungsstudie geht hervor, das der Migrationshintergrund sind nicht auf die Einstellung zur Arbeit auswirkt. Junge Menschen mit Migrationshintergrund sagen nämlich genauso häufig wie Menschen ohne, dass es sich lohne, Leistung zu zeigen und dass man seine soziale Stellung mit Anstrengung verbessern kann. Und es wäre doch schade, den jungen Leuten durch Vorurteile und Einstellung „nach Nase“ diese Überzeugung zu nehmen.

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. leider kann ich das nur bestätigen, was die Studie wiedergibt.

    ich selber habe einen arabischen Vor-und Nachnamen und habe immense Probleme gehabt bei der Suche nach einer Ausbildung. das war 2006 und das obwohl ich Abitur hatte.

    Später habe ich studiert und mein Studium mit einer sehr guten Note abgeschlossen. Schon während des Studiums musste ich 10 Mal so viele Bewerbungen schreiben wie meine Kommilitonen. Und interessant auch, dass ich Thomas, Eva und Torben bei den Bewerbungen half und diese Unterlagen optimiert. Die drei sind in meinem Alter und haben bei der Suche nach einem praktikumsplatz keine Probleme gehabt.

    Wir haben uns zeitgleich beworben und ich hielt diskriminierung für hirnrissig und absurd. Doch schnell stellte ich fest, dass ich nicht mal eine Antwort erhielt.

    Die meisten Bewerbungen wurden bei den anderen am ersten Tag nach Eingang beantwortet. Eine Einladung wurde in der Regel verschickt und fehlende Unterlagen(die ich beigefügt hatte) wie das Abizeugnis sollten sie dann bei der Bewerbung und im Gespräch nachreichen.

    Perfide und das obwohl das große Unternehmen waren, wo sich die Unternehmen mit DIVERSITY und anderen schönen Wörtern schmücken.
    Und nun nach dem Studium stelle ich bei den wenigen Bewerbungsgesprächen immer wieder fest, dass ich vor 3-7 Personalverantwortlichen auftreten muss, die in der Regel alle deutsche Namen haben und auch so aussehen
    Das ist perfide und traurig und das im Jahre 2017.
    Egal wie gut ich bin und egal wie sehr ich mich präsentiere, am ende kriegt der andere den Job

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