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Die Zukunft des Handels in der digitalen Welt

Die Zukunft Des Handels In Der Digitalen Welt

E-Commerce, Digitalisierung, Smart Payment… Wir sprachen mit dem Handelsexperten Prof. Dr. Thomas Vogler über die wichtigsten Zukunftsthemen der Branche. Wo hat der Handel noch Nachholbedarf, wo ist er gut aufgestellt?

Prof. Dr. Thomas Vogler ist geschäftsführender Gesellschafter der Mercator-Consulting GmbH, Professor für Handelsmanagement, -marketing und -controlling an der TH Ingolstadt sowie Vorstandsvorsitzender des GermanRetailLab e.V. Das GermanRetailLab ist eine Initiative, in der sich erfahrene Handelsexperten mit den Zukunftsthemen der Branche auseinandersetzen. Prof. Vogler verfügt über 22 Jahre Handelserfahrung – u.a. war er Inhaber mehrerer EDEKA-Märkte und Aufsichtsrat der EDEKA Chiemgau eG sowie Regionsleiter bei Dehner Gartencenter GmbH und Geschäftsführer Dehner Österreich.

Thomas-Vogler-Portrait

Prof. Dr. Thomas Vogler

Liegt die Zukunft des Handels im E-Commerce?

Herr Vogler, es heißt, die Zukunft des Handels liege im E-Commerce. Auch im Lebensmitteleinzelhandel geht mit Amazon Fresh das erste, wirklich große Technologieunternehmen an den Start. Wie gefährlich ist das Online-Shopping im LEH für den stationären Handel?

Da muss man nach den jeweiligen Kaufanlässen unterscheiden: Ein spontaner Einkauf von frischen Lebensmitteln, ein Bummel über einen Markt etc… Solche Dinge lassen sich momentan online nur sehr schwer abbilden. Geplante Einkäufe dagegen – wie Rezeptboxen und ähnliches – schon. Ich persönlich glaube auch, dass regelmäßige Versorgungskäufe von Getränken, H-Milch, Haushaltsbedarf oder Vorräten sich sehr gut für Abodienste eignen. Hier wird eine starke Differenzierung stattfinden. Der klassische Lebensmitteleinzelhandel (LEH) wird zwar nicht ersetzt werden, aber Umsätze werden sich Richtung Online verlagern. Auch im LEH wird der Trend zu Seamless Commerce gehen. Das heißt, die Kunden werden ihre Einkäufe beim selben Händler aber in unterschiedlichen Kanälen tätigen.

Der klassische Lebensmitteleinzelhandel (LEH) wird zwar nicht ersetzt werden, aber Umsätze werden sich Richtung Online verlagern.

In welchen Punkten ist der deutsche LEH bereits gut für die Digitalisierung aufgestellt?

Einzelne Unternehmen testen schon Konzepte. Der Roll-Out ist aber noch nicht in Sichtweite. Es wird sich hier auch zeigen – wie im Bereich Consumer Electronic (Beispiel Media Markt), dass individuelle eigentümergetriebene Konzepte (wie EDEKA und REWE) zwar im stationären Handel vor Ort sehr große Vorteile haben, aber gerade diese Individualität eine Digitalisierung erschwert. Ich glaube, dass beispielsweise Discountkonzepte sehr viel schneller und effektiver agieren können.

Aponeo führte den Same-Day-Lieferservice bereits vor Amazon ein.

Die Chancen von Amazon Fresh in Deutschland

Wo gibt es noch Nachholbedarf? Ist man für eine etwaige Konkurrenz gegen Amazon gerüstet

Da momentan viele Dinge (im Verborgenen) getestet werden, ist der Status-quo der deutschen Händler nur schwer abzuschätzen. Auch die Leistungsfähigkeit von Amazon Fresh ist in Deutschland noch nicht bewiesen. In der Vergangenheit konnten sich ausländische LEH-Giganten noch nie in Deutschland durchsetzen. Online ist es sicher einfacher. Aber ich glaube, dass es für nationale deutsche Händler – die ja schon über die gesamte Infrastruktur (Logistik) verfügen – leichter sein wird, Geschäftsmodelle zu digitalisieren, als für Onlinehändler sein wird, Lager zu errichten. Inwieweit sich Kooperationen beider Welten anbieten, werden wir in zwölf Monaten wissen.

Da momentan viele Dinge (im Verborgenen) getestet werden, ist der Status-quo der deutschen Händler nur schwer abzuschätzen.

Die Filiale von Morgen

Gesetzt der Fall, Leute gehen doch weiterhin in den Supermarkt: Wie sieht die „smarte“ Filiale von morgen aus? Welche Konzepte sind denkbar oder werden gar bereits aktiv vorangetrieben?

Vor allem in Ballungsgebieten wird der Trend zu wohnortnahen Convenience-Konzepten gehen. Diese Läden werden gerade schon mit großem Erfolg ausgerollt, wie zum Beispiel REWE to go. In Kombination mit mehr Service (Click&Collect für ausgedehnte Sortimente, Postservice, Lotto etc.) können hier wieder „echte Nachbarschaftsläden“ entstehen.

Im Herbst werden wir bei Management Circle eine Konferenz zum Thema Smart Payment veranstalten. Ein Thema, bei dem andere Länder schon viel weiter sind als Deutschland. Warum, denken Sie, hat das Thema hierzulande Anlaufschwierigkeiten? Und wird es in Zukunft eine größere Rolle spielen?

Bei diesem Thema ist traditionell eine große Skepsis bei deutschen Verbrauchern vorhanden. Durch die Nutzung von Diensten wie PayPal lernen aber auch wir Deutschen, dass das kein Hexenwerk ist und diese Dinge funktionieren. Da gleichzeitig auch die traditionellen Banken ihre Filialnetze immer weiter ausdünnen und somit mehr Dienste online genutzt werden, erziehen sie die Verbraucher zunehmend auch zur Abkehr vom klassischen Bankgeschäft. Dadurch werden bei den Verbrauchern die Bedenken immer weniger und sie werden zugleich immer aufgeschlossener für neue Ansätze. Die Blockchain-Technologie wird auch bei uns zu einem Quantensprung in diesem Bereich führen.

 

Vielen Dank für das Interview!

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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