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Still in or out? Warum das Wasserfallmodell (k)eine Zukunft hat – und ob Scrum schuld ist!

Still In Or Out? Warum Das Wasserfallmodell (k)eine Zukunft Hat – Und Ob Scrum Schuld Ist!

Die Meinungen über die beste Projektmanagement-Methode gehen auseinander. Die einen setzen nach wie vor auf traditionelle Herangehensweisen, wie mit dem bewährten Wasserfallmodell. Andere greifen auf agile Methoden wie Scrum zurück. Wir haben darüber berichtet. Aber welche Vorgehensweise verspricht das beste Ergebnis? Was ist überhaupt der Unterschied zwischen traditionellem und agilem Projektmanagement? Und wann macht welche Methode wirklich Sinn?

Wir stellen in diesem Beitrag das Wasserfallmodell und Scrum gegenüber. Informieren Sie sich über die wichtigsten Merkmale beider Methoden, vergleichen Sie die jeweiligen Vor- und Nachteile und finden Sie für sich heraus, welches Modell für Ihr Projektmanagement hilfreich ist.

Wasserfallmodell – klassisch und verlässlich

Was ist das?

Das altbewährte Wasserfallmodell steht wie kaum ein anderes für traditionelles Projektmanagement. Es zeichnet sich durch eine lineare Vorgehensweise aus, bei dem eine Projektphase nach der anderen in einer festgelegten Reihenfolge abgearbeitet wird. Dabei dienen die Ergebnisse einer Phase immer als Vorgabe für die darauffolgende. Dieser Ablauf gibt der Methode ihren Namen, es gibt einen fließenden Übergang, aber kein Zurück.

Wo kommt es her?

Ursprünglich diente das Wasserfallmodell dem Bau- und Produktionsprozess, sehr komplexe und hochstrukturierte Prozesse einzuhalten. Denn spätere Änderungen können in diesem Bereich schnell sehr teuer werden. Der Fokus der Baubranche liegt daher auf dem korrekten Endprodukt, weshalb genauestens Step by Step gearbeitet wird, um unnötige Änderungen möglichst zu vermeiden.

Was sind die besonderen Merkmale?

Die Anforderungen an das Endprodukt werden zu Beginn des Projekts definiert

Das Projektteam arbeitet nach einem klar festgelegten Ablaufplan

Die Bearbeitung der Projektphasen erfolgt schrittweise und niemals parallel

Die vordefinierten Phasen werden konsequent durchgeführt und nicht in Frage gestellt

Die jeweilige Phase wird ordentlich beendet, bevor neue Aufgaben gestartet werden

Welche Phasen gibt es?

Anforderungsphase – Definition von nichtfunktionalen Anforderungen (wie Preis, Verfügbarkeit, Dokumentation oder Sicherheitsaspekte) und funktionalen Anforderungen (wie die genauen Eigenschaften des zu entwickelnden Produkts), Prüfung der Machbarkeit und Wichtigkeit der Anforderungen, Erstellung des Pflichtenhefts

Entwurfphase – Entwicklung der Produktarchitektur (also des Grundgerüsts und Designs), Festlegung der benötigten Informationsarchitektur, Technologien, Tools und Prozesse

Implementierungsphase – Produktentwicklung, Realisierung der definierten Strukturen und Abläufe, Umsetzung eines funktionsfähigen Produkts in der Beta-Version

Überprüfungsphase – Testen des Produkts, Prüfung aller Komponenten, Fehlerbeseitigung

Inbetriebnahme – Produktabnahme durch den Auftraggeber, Durchführung notwendiger Updates oder Wartungsarbeiten, Auslieferung an den Kunden oder Einführung in den Handel

Wartungsphase – Gewährleistung der Funktionen und Lösung von Kundenproblemen

Wer setzt auf das Wasserfallmodell?

Besonders Unternehmen mit hierarchisch geprägten Strukturen setzen ihr Vertrauen in das Wasserfallmodell. Oftmals betrifft das große Konzerne oder Traditionsunternehmen, die es mit vielen großen Projekten zu tun haben. Hier bietet das Wasserfallmodell die Möglichkeit, ein komplexes Projekt in übersichtliche Phasen einzuteilen und strukturiert abzuarbeiten, sodass nichts in Vergessenheit gerät. Eine Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz dieses Modells sind jedoch konstante Anforderungen ohne kurzfristige Änderungen. Ist bereits absehbar, dass es zu unvorhersehbaren Korrekturen kommen könnte, ist dieses Modell weniger gut geeignet.

Was sind die Vor- und Nachteile?

Vorteile:

  • Sichere Planung
  • Geoordnete Strukturen
  • Keine konzeptionellen Fehler
  • Zuverlässige Durchführung
  • Sichtbarer Projektfortschritt
  • Realistische Schätzung der Gesamtkosten
  • Gute Kalkulation von Budget, Zeit- und Arbeitsaufwand
  • Nachvollziehbare Dokumentation

Nachteile:

  • Detaillierte Vorausplanung
  • Hoher Konzeptionsaufwand
  • Abstrakte Spezifikationen
  • Starre Reihenfolge der Projektphasen
  • Mangelnde Flexibilität
  • Fehlendes Feedback durch Kunden
  • Späte Sichtbarkeit von Umsetzungsfehlern
  • Erschwerte und teure Fehlerkorrekturen
  • Ungewisser Return on Investment zu Beginn des Projekts

Scrum – dynamisch und flexibel

Was ist das?

In dynamischen Märkten bewegen sich viele Unternehmen weg vom starren, planungsorientierten Projektmanagement-Ansatz a la Wasserfallmodell. Agilität und Flexibilität sind gefragt, um weniger Planungsaufwand, schnellere Produktzyklen und eine bessere Reaktion auf Veränderungen und Kundenwünsche zu gewährleisten. Eine Methode, die sich im agilen Projektmanagement als eine Art Standard etabliert hat, ist Scrum. Mit dem Fokus auf selbstorganisierten Teams, viel Interaktion und kurzen Feedback-Schleifen positioniert sich Scrum als Gegenstück zum klassischen Wasserfallmodell.

Wo kommt es her?

Der Begriff Scrum wurde durch den amerikanischen Teamsport Rugby geprägt – und ist auf das Projektmanagement durchaus übertragbar. Das wörtlich übersetzte „geordnete Gedränge“ findet nicht nur zu Beginn auf dem Rugby-Spielfeld statt, sondern ist auch im Projektteam von zentraler Bedeutung, um den Einzelkämpfer-Modus gezielt abzulegen. Werte wie Offenheit, Respekt und Vertrauen stehen bei der Scrum-Methode im Fokus. Und wurde Scrum in seinen Anfängen insbesondere zur Software-Entwicklung eingesetzt, so ist es heute bei Projekten jeglicher Art gefragt.

Was sind die besonderen Merkmale?

Die Anforderungen an das Endprodukt werden im Laufe des Projekts gemeinsam erarbeitet

Das Projektteam organisiert sich selbst und arbeitet eng mit allen Stakeholdern zusammen

Die Bearbeitung des Projekts erfolgt in sogenannten Sprints von ein bis vier Wochen, in denen einzelne Aufgaben bearbeitet, getestet und abgeschlossen werden

Die Aufgaben ergeben sich aus den Nutzeranforderungen – die Kundenzufriedenheit steht zu jedem Zeitpunkt im Fokus

Die Erfolge und nächsten Schritte werden in Daily Meetings (Scrums) im Team besprochen

Welche Aktivitäten gibt es?

Rollenbesetzung – Product Owner (übernimmt die Definition und Priorisierung der fachlichen Anforderungen), Scrum Master (managt die Prozesse und beseitigt Hindernisse), Entwicklungsteam (verantwortet die Produktentwicklung und Lieferung der definierten Produkteigenschaften)

Artefakterstellung – Product Backlog (enthält die Liste der Produktanforderungen), Sprint Backlog (beschreibt die Aufgaben eines Arbeitspakets und den zuständigen Bearbeiter), Product Increment (erklärt das einsatzfähige Produkt, das am Ende eines jeden Sprints freigegeben werden muss)

Sprints – Zyklus der Produktentwicklung mit festgelegter Länge von ein bis vier Wochen, Umsetzung der Aufgaben aus dem Sprint Backlog, Erweiterung des Produkts um neue Funktionen, Verbesserung von bestehenden Funktionen

Sprint Planning – Planung vor jedem Sprint, woraus der Sprint Backlog entsteht

Daily Scrum – Tägliches, auf 15 Minuten begrenztes Meeting, das dem Status-Update dient

Sprint Review – Präsentation der Ergebnisse eines Sprints durch das Entwicklerteam, Feedback durch Product Owner und Stakeholder dient als Basis für den nächsten Sprint

Sprint Retrospective – Analyse der Zusammenarbeit im Projektteam, um eine ständige Verbesserung zu ermöglichen

Wer setzt auf Scrum?

Besonders kleine und junge Unternehmen mit flachen Hierarchien nutzen gerne Scrum. Aber auch immer mehr große Unternehmen, die auf neue Herangehensweisen setzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, haben die Vorteile von Scrum schon für sich erkannt.

Was sind die Vor- und Nachteile?

Vorteile:

  • Kurze Bearbeitungszyklen in Form von Sprints
  • Ständige Interaktion innerhalb des Projektteams
  • Enge Zusammenarbeit von Entwicklern mit allen Stakeholdern
  • Direkte Feedback-Schleifen
  • Maximale Anpassungsfähigkeit
  • Konzentrierte Ausrichtung der Arbeit auf die technische Leistung und ein einfaches Design
  • Dauerhafte Orientierung an den Kundenbedürfnissen
  • Konstantes Entwicklungstempo
  • Keine Stillstände aufgrund von starren Reihenfolgen
  • Schnelle Entwicklung neuer Funktionen
  • Kontinuierliche Prozessoptimierung
  • Hohe Eigenmotivation aller Teammitglieder
  • Schnelle Auslieferung des Produkts

Nachteile:

  • Eingeschränkte Planungssicherheit
  • Erschwerte Abschätzung der Ergebnistermine
  • Komplizierte Erfolgsmessung
  • Viel Zeit für Fehlerbehebung

Die Prüfung – Wasserfallmodell oder Scrum?

Was heißt das nun für Sie? Worauf sollten Sie im Projektmanagement setzen? Das klassische Wasserfallmodell oder doch eher das agile Scrum? Wie Sie sich sicherlich denken können, gibt es nicht das eine ultimative Vorgehensmodell, welches als Non-Plus-Ultra-Lösung für alle Unternehmen dient. Je nach Anforderungen, Prozessstrukturen und Arbeitsweisen müssen Sie entscheiden, welche Methode Ihre Projekte zum Erfolg führt.

Wenn Sie sich jetzt noch nicht sicher sind, welches Modell Sie einsetzen sollten, dann empfehlen wir Ihnen, sich die folgenden Fragen zu stellen:

Haben Sie genügend Ressourcen für zeitintensive Feedback-Schleifen a la Scrum?

Haben Sie ausreichend Methoden-Kompetenzen in Ihrem Projektteam, um Scrum auch erfolgreich betreiben zu können?

Haben Sie soziale Kompetenzen in Ihrem Team, die eine selbstorganisierte und interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglichen?

Haben Sie genügend Akzeptanz für weniger Transparenz für den gesamten Projektverlauf, sodass Sie sich auf die Teilprojekte (Sprints) konzentrieren können?

Haben Sie entsprechendes Vertrauen in Ihre Mitarbeiter, sodass Sie das Projektteam arbeiten lassen können, ohne dass das Management einschreiten und damit die agile Arbeitsweise von Scrum gefährden würde?

Wenn Sie diese Fragen nicht mit einem eindeutigen „Ja!“ beantworten können, sollten Sie sich überlegen, ob Sie wirklich auf die Scrum-Methode setzen wollen. Aber keine Angst, auch für Sie gibt es Möglichkeiten, agileres Projektmanagement zu betreiben – die Rede ist von einer Hybrid-Methode, die wir im Folgenden genauer vorstellen.

Die Hybrid-Methode – eine Kombination aus Wasserfallmodell und Scrum?!

Um zu zeigen, wie eine Mischung aus Wasserfallmodell und Scrum in einer Hybrid-Methode aussehen kann und Sie so zu mehr Agilität und Flexibilität in Ihrem Projektmanagement gelangen, kann es nicht schaden, die beiden Projektmanagement-Methoden noch einmal kurz und übersichtlich gegenüber zu stellen – die wichtigsten Merkmale auf einen Blick:

Wasserfallmodell:

  • Starre Prozesse
  • Abarbeitung einer festgelegten Reihenfolge
  • Dokumentation aller Schritte
  • Genaue Vertragsverhandlung
  • Verfolgung eines strikten Plans
  • Nutzung der Entwicklungsressourcen
  • Detaillierte Vorgaben

Scrum:

  • Agile ArbeitsweiseInteraktion während der Projektarbeit
  • Funktionsfähigkeit des Produkts
  • Erfüllte Kundenbedürfnisse
  • Anpassungsfähigkeit je nach Gegebenheiten
  • Fokus auf Expertenwissen
  • Kreative Ideen

Da das Wasserfallmodell heute zu starr und in Zeiten dynamischer Veränderungen in den meisten Märkten nicht mehr zeitgemäß wirkt, gleichzeitig Scrum aber noch zu „fancy“ erscheint und vielleicht in den Unternehmensstrukturen gar nicht abbildbar ist, setzen Unternehmen vermehrt auf die Hybrid-Methode. Die Kombination aus Wasserfallmodell und Scrum hilft dabei, zwar ein gut durchgeplantes Projekt zum Erfolg zu bringen, dabei aber agiler vorzugehen, um flexibel reagieren zu können. Das Hybridmodell kann dabei zum Beispiel so definiert werden:

Sie setzen einen langfristigen Projektplan a la Wasserfallmodell auf

Sie trennen die Projektphasen a la Scrum aber nicht strikt voneinander ab

Sie führen bereits während des Projekts regelmäßige Reviews der Projektphasen durch

Sie verfolgen während der Projektphasen zusätzlich separate Sprints für Teilaufgaben

Dadurch erhalten Sie eine gesunde Mischung aus Planungssicherheit und Flexibilität. Wäre das vielleicht auch etwas für Sie?

Martina Große Bley

Ich bin bei Management Circle Teamleiterin für das Content Marketing und unter anderem für die Themen-Blogs Soft Skills, Projektmanagement und Handel verantwortlich. Mit abwechslungsreichen Artikeln, Interviews und Gastbeiträgen unserer Referenten informiere ich Sie über die neusten Entwicklungen und gebe Ihnen Tipps, um die eigenen Kompetenzen verbessern zu können. Ich freue mich auf den Wissensaustausch mit Ihnen!

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