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Was die Zukunft der Instandhaltung mit sich bringt

Was Die Zukunft Der Instandhaltung Mit Sich Bringt

Lassen Sie sich einen spannenden Einblick in die Zukunft der Instandhaltung aus Sicht des Experten Dr. Bernhard Leidinger geben und erfahren Sie unter anderem, welche Vorteile Mittelständler bei der Sammlung der Daten für eine zukunftsbasierte Maintenance haben. Erhalten Sie zudem einen Überblick, was die nächsten Jahre in der Instandhaltung mit sich bringen und welche Rollen jüngere und ältere Mitarbeiter in der Zukunft der Instandhaltung spielen werden.

Dr. Bernhard Leidinger studierte Maschinenbau an der RWTH Aachen und wurde als externer Kandidat 1985 an der Universität Karlsruhe zum Dr.-Ing. promoviert. Dr. Leidinger ist vereidigter technischer Sachverständiger und wurde 1992 zum Honorarprofessor der Hochschule Bremen ernannt. Er ist durch zahlreiche Vorträge, Fachaufsätze und Fachbücher als Experte – insbesondere für operative Excellence mit dem Schwerpunkt der Instandhaltung – ausgewiesen und berät Unternehmen im Bereich von Bau, Betrieb und Instandhaltung von Produktionsanlagen sowie Infrastrukturen.

Dr. Bernhard Leidinger

Dr. Bernhard Leidinger

Wissen aus der Vergangenheit ist Instandhaltung der Zukunft

Herr Dr. Leidinger, wie hat sich die Rolle der Instandhaltung in den letzten Jahren im Zuge der Digitalisierung und großer Datenmengen verändert?

InstandhaltungDie Instandhaltung hat sich in den letzten Jahren weniger durch die Digitalisierung, sondern durch den kontinuierlich gestiegenen Kostendruck verändert. Einerseits ist die Technik fortgeschritten und man kann Bauteile heute langlebiger gestalten, andererseits kann man auch das Wissen um das Bauteilverhalten nutzen, um die Lebensdauer zu verkürzen und damit an den tatsächlichen Bedarf anpassen: Wenn ein Ersatzteil 20.000 Betriebsstunden hält und dreimal so viel kostet, wie eins, was nur 10.000 Betriebsstunden hält, dann entscheiden die Ein- und Ausbaukosten inklusive der verlorenen Produktionszeit, welches Bauteil am Ende wirtschaftlicher ist. Die Optimierung der Vergangenheit hat sich mit diesen Themen befasst und der Techniker hat dabei stets einen Kampf mit dem Einkauf und dem Controlling durchgeführt.

Der Mensch muss die Probleme der Anlagen begreifen

Was wird sich in naher Zukunft tun?

Die immer komfortable Art und Weise, Massendaten auszuwerten und für Entscheidungen zu nutzen, führt zur Idee, mit einer Vielzahl von Sensoren die Intelligenz der Instandhaltung an Maschinen zu übertragen. Das ist aber einerseits unrealistisch, weil die Sensoren den aktuellen Zustand nicht genau erkennen können, und andererseits viel zu kurz gesprungen, weil die Intelligenz sich noch in den Köpfen der Instandhalter befindet und eine Abbildung in Software erst noch erfolgen muss.

Lean und DigitalisierungTatsächlich müssen wir ab sofort überlegen, welche Daten wir sammeln und auswerten. Dazu gehören überwiegend ohnehin verfügbare Informationen – beispielsweise aus vorhandener Feldtechnik und aus der Leittechnik sowie aus gesetzlich vorgeschriebenen Überwachungen – als auch in geringerer Anzahl gezielt neu installierte Messsysteme.

Der wichtigste Input aber kommt von den Menschen, die die Probleme der Anlagen begreifen. Das sind die Monteure, die die Wartungen und Inspektionen durchführen und ihre Erkenntnisse bislang nicht in maschinenlesbare Systeme einpflegen.

Gelingt die Strukturierung der Eingaben, so kann die Digitalisierung unterstützen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, die Umsetzung zu steuern und eine beweissichernde Dokumentation durchzuführen.

Dr. Bernhard Leidinger | Managing Partner| plenum AG

 

Datenerfassung kann besonders gut in kleinen Betrieben gelingen

Woher bekommen gerade mittelständische Unternehmen die nötige Menge an Daten und was muss man zur Aufbereitung wissen?

Das Geheimnis des Erfolgs der Datenbereitstellung liegt in der gewählten Strukturierung. Das gilt gleichermaßen für den Mittelstand als auch für Konzerne. Der Mittelstand hat aufgrund der kürzeren Entscheidungswege aber Vorteile, die die Konzerne nicht haben: Hier entscheidet eine Führungskraft im Alleingang, ob es eine Umstellung der Datenerfassung für die neue digitale Zeit geben soll. Im Konzern bedauert man einerseits, dass die Datenhistorie aufgrund unsystematischer Sammlung für eine Auswertung nur sehr bedingt brauchbar ist, aber gleichzeitig ist man nicht bereit, einen Schnitt zu machen und die nutzlose Vergangenheit abzuschneiden um in neuen Strukturen wertvolle Informationen für zukünftige Entscheidungen zu sichern.

Zukunft braucht Herkunft

Wie sieht es mit dem Menschen in der Instandhaltung aus? Braucht es neue Qualifikationen?

Lean und Industrie 4.0Die Digitalisierung ist eine Chance für alle Altersgruppen. Während die jüngeren Kollegen versierter im Umgang mit den digitalen Werkzeugen sind, haben die älteren Kollegen das Wissen und das Gefühl für das Machbare. Im Spannungsfeld zwischen beiden Gruppen entstehen zukunftsweisende Lösungen, die auf einem belastbaren Fundament aufgebaut sind. Der vielzitierte Satz „Zukunft braucht Herkunft“ passt genau hier! Für den gemeinsamen Erfolg ist es allerdings wichtig, dass die Jüngeren die Systematik der Instandhaltung „von der Pike auf“ lernen und dass sich die Älteren mit den IT-Tools befassen.

Was können Prognosemodelle im Zuge der modernen Instandhaltung leisten?

Mit dem Schlagwort „Preventive Maintenance“ wird einmal wieder „eine neue Sau durchs Dorf getrieben“. Ansatz ist die Vorkenntnis zu eintretenden Schäden. Das ist ein hohes Versprechen. Die Streukurve der Bauteilbelastbarkeiten und noch viel mehr die unterschiedlichen Belastungen und durchgeführten Instandhaltungsmaßnahmen während des Betriebs führen dazu, dass man stets Äpfel mit Birnen vergleicht.

Dazu ein Beispiel: Wie viele VW-Golf im Alter von 12 Jahren gibt es heute und bei wie vielen davon hat das Getriebe den gleichen Abnutzungsgrad und was sagt das über das Getriebe meines VW-Golf aus? Wir können also nicht hellsehen. Wir können aber eins tun: Aus den Daten der Vergangenheit zu erfolgreichen Nutzungszeiten von ähnlichen Bauteilen unter ähnlichem Einsatz können wir eine Extrapolation in den Bereich längerer Wartungs- und Inspektionsintervalle durchführen. Das dient dann einer groben Orientierung zu dem, was sein könnte. Am Ende hilft es, wenn wir uns in Richtung gestreckter Intervalle bewegen wollen.

Wagen Sie mit uns einen realistischen Blick in die Zukunft der Instandhaltung: Wie, denken Sie, sieht diese in 20-30 Jahren aus?

MontageAuch in 20 oder 30 Jahren werden sich Bauteile abnutzen. Das ist einerseits beabsichtigt: Autoreifen haften beispielsweise durch Reibung auf der Straße. Gäbe es keine Reibung so wäre weder eine Beschleunigung noch ein Bremsen sowie auch keine Kurvenfahrt möglich. Andererseits ist die Abnutzung ein unerwünschtes Übel, wie zum Beispiel die Alterung elektronischer Bauteile durch Temperatureinflüsse. Dies wird bei der Konstruktion zukünftiger Geräte und Anlagen immer besser berücksichtigt werden. Aufgrund der immer schneller werdenden Innovationszyklen werden die Geräte in 20 bis 30 Jahren nicht mehr so lange im Einsatz sein wie heute. Da die Lohnkosten der Instandhalter steigen, wird man versuchen, Geräte für ihre gesamte – zukünftig kürzere – Nutzungszeit wartungsfrei zu konstruieren und danach einem 100 Prozent Recycling zuzuführen, um wertvolle Ressourcen weiter verwenden zu können. Die Instandhaltung wird sich daher eher mit überwachungspflichtigen Anlagen sowie mit langlebigen Infrastrukturen befassen.

Da ein immer größeres Expertenwissen erforderlich ist – und da meine ich nicht die Digitalisierung, sondern das Wissen um die primären Instandhaltungsprozesse und die Bauteile selber – wird der Monteur bei seinen Einsätzen in der Zukunft durch eine digitale Begleitung unterstützt werden. Es werden ihm Informationen zugespielt, die er für seine Aufgabe benötigt. Das kann im Anfang ein erfahrener Kollege über eine Videoverbindung und eine Datenbrille tun und am Ende ein vollautomatisiertes System. Dieses könnte in dem Moment, wo der Instandhalter ein Bauteil im Rahmen einer ungeplanten Entstörung aufschraubt, ohne besondere Anforderung die für die Remontage erforderlichen Dichtungen bereitstellen und die Prozedur für den nach dem Abschluss der Arbeiten durchzuführenden Funktionstest vorlesen.

Strategien für die Instandhaltung der Zukunft

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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