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Zinsänderungsrisiken aktuell – welche Folgen sind denkbar?

Zinsänderungsrisiken Aktuell – Welche Folgen Sind Denkbar?

Wie wirkt sich die europäische Notenbankpolitik auf die Märkte aus? Welche Folgen wären mit einem Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik verbunden? Und welche regulatorischen Treiber sind denkbar? Experte Michael Schulz hat uns im exklusiven Interview Rede und Antwort gestanden.

Michael Schulz ist Leiter des Fixed Income Researches der Norddeutschen Landesbank mit Sitz in Hannover.

Die Aufgabenschwerpunkte seines Teams erstrecken sich über die Analyse von ungedeckten und gedeckten Anleihen inländischer und ausländischer Staaten und staatsnahen Emittenten, Finanzinstituten sowie Unternehmen.

Er absolvierte seinen MBA an der Fernuniversität Hagen und ist zertifizierter Investmentanalyst (DVFA).

Michael Schulz

Michael Schulz

Welche Auswirkungen hat die europäische Notenbankpolitik auf die Märkte?

Neubau der Europäischen ZentralbankDie sehr expansiv ausgerichtete Geldpolitik der Europäischen Zentralbank führte in den vergangenen Jahren zu einem Niedrigzinsumfeld, das die Finanzierungsbedingungen von Staaten, Unternehmen und Haushalten auf der einen Seite verbesserte. Auf der anderen Seite kämpfen Investoren und private Anleger mit einem nicht mehr risikoadäquaten Renditeniveau. Bei einer Investition in zehnjährige Bundesanleihen erhalten Sie heute zwar wieder eine positive Rendite von 0,32 Prozent, die ersten fünf Laufzeitjahre entlang der Strukturkurve ist aber weiterhin im negativen Terrain.

Zu den großen Profiteuren zählen unter anderem die Staaten der Eurozone, die mit dem Ankaufprogramm der EZB und damit verbundenen niedrigen Zinsniveau die Zinsausgaben stark verringern und folglich den eigenen Haushalt entlasten konnten. Unternehmen und Banken konnten mittelbare sowie unmittelbare Vorteile aus dem Erweiterten Ankaufprogramm der europäischen Notenbank ziehen. Die Refinanzierungskosten haben sich deutlich verringert und damit die Ertragskraft gesteigert.

Bei Investoren hat diese Entwicklung jedoch zu einem Umdenken geführt. Vor allem risikoarme Anlageformen wurden zu einem Großteil den nationalen Notenbanken überlassen. An den Aktienmärkten führte die insgesamt verbesserte wirtschaftliche Lage, gepaart mit der verbesserten Ertragslage bei den Unternehmen zu steigenden Kursen.

Als Folge wird die Europäische Zentralbank zunächst nichts an ihrer Politik ändern und damit sehr behutsam eine Abkehr des Quantitative Easings einleiten.

Wann ist mit einem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik zu rechnen und welche Folgen und Risiken sehen Sie für die verschiedenen Zielgruppen?

Das von der EZB ausgegebene Inflationsziel von zwei Prozent wurde im Juli zwar überschritten. Dies liegt aber ausschließlich an den gestiegenen Energiekosten. Die Entwicklung ist zum einen nicht als nachhaltig anzusehen und bezieht sich zum anderen nicht auf die stärker im Fokus stehende Kernrate. Als Folge wird die Europäische Zentralbank zunächst nichts an ihrer Politik ändern und damit sehr behutsam eine Abkehr des Quantitative Easings einleiten. Diese ist in mehreren Stufen wahrscheinlich. Nachdem im Januar 2019 zunächst die Nettoankäufe im Rahmen des EAPP enden, folgt in 2020 die Beendigung der Wideranlage fällig werdender Anleihen aus dem Ankaufprogramm.

Zu den nächsten Schritten zählt die Anhebung des Einlagezinses, bevor anschließend steigende Leitzinsen auf die Agenda kommen. Für die Anleger bedeutet dies, dass die Renditen vorerst auf niedrigem Niveau bleiben und nur langsam ansteigen werden.

Aus Bankensicht – welche regulatorischen Treiber gibt es? Und was bedeuten strengere Regularien für die Umsetzung der Banken?

ErfolgZu den größten Herausforderungen für die Bankenbranche zählen neben dem Einhalten von Liquiditätskennzahlen wie der LCR und der NSFR vor allem die deutlich verschärften Kapitalanforderungen. Zu nennen ist hierbei unter anderem die individuelle MREL oder TLAC Quote, die unterschiedliche Anforderungen an die Institute stellt. In diesem Zusammenhang ist unter anderem auf die heute veränderte Haftungskaskade bei unbesicherten Bankanleihen (Senior Unsecured) hinzuweisen. Gab es bis vor wenigen Jahren nur eine Gattung an Senior Unsecured Bank Bonds, unterscheidet man nun zwischen Preferred und Non-Preferred Anleihen.

Während Erstere eine bevorrechtigte Stellung in der Haftungsreihenfolge im Insolvenzfall besitzen, werden Zweitere im Verwertungsfall unmittelbar herangezogen. Die stark fragmentierte Vorgehensweise in Europa führt zu unterschiedlichen Emissionsbedarfen. Während deutsche Banken weitestgehend über ausreichende Non-Preferred Anleihen verfügen, sind französische Banken beispielsweise auf eine verstärkte Emissionstätigkeit dieser Gattung angewiesen.

Mit Blick auf die hohe Regelungsdichte steht die Bankenbranche zwar schon jetzt vor großen Herausforderungen. Die Weiterentwicklung der in Umsetzung befindlichen Vorgaben wird in den kommenden Jahren jedoch zusätzliche Anstrengungen erfordern.

Regulatorik und Steuerung des IRRBB

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