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Wohnungsmarkt Berlin: Das Wohl der Allgemeinheit nicht aus dem Blick verlieren

Wohnungsmarkt Berlin: Das Wohl Der Allgemeinheit Nicht Aus Dem Blick Verlieren

Die Preisdynamik Berlins hält ungebrochen an. Viele Mieten sind so stark angestiegen, dass sie sich ein Durchschnittsverdiener mittlerweile kaum noch leisten kann. Wie es dazu gekommen ist und was der Berliner Senat dagegen unternehmen möchte, schildert in diesem Gastbeitrag Staatssekretär Sebastian Scheel.

Sebastian Scheel ist seit Februar 2017 Staatssekretär Wohnen in der Senatsverwaltung Berlin für Stadtentwicklung und Wohnen. Nach seinem Studium der Politischen Wissenschaften, Volkswirtschaft und Philosophie an der Universität Leipzig war er von 2004 bis 2017 Mitglied im Sächsischen Landtag, bis er auf Vorschlag der Berliner Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher, nach Berlin berufen wurde.

Sebastian Scheel

Sebastian Scheel

Wohnen in Berlin wird immer teurer

Die Geldumsätze auf dem Berliner Immobilienmarkt erreichten 2018 mit rund 19 Milliarden Euro ein neues Rekordniveau. Die Berlin Hyp konstatiert in ihrem Wohnungsmarktreport für 2018 einen Median aller Neuvermietungsangebote von 10,34 Euro/m². Dies entspricht einer Steigerung von 5,6 Prozent gegenüber 2017. Nettokaltmieten im Gebäudebestand, die 15 Euro/m² übersteigen sind mittlerweile auch außerhalb des S-Bahnrings keine Seltenheit mehr. Hingegen beträgt das durchschnittliche verfügbare Einkommen in Berlin für eine Person rund 1.600 Euro im Monat. Für einen Durchschnittsverdiener sind mittlerweile viele Mieten nicht mehr leistbar.

Wohnungsmarkt Berlin – die besonderen Herausforderungen

Mit ambitionierten Neubauzielen hat sich der Senat von Berlin auf die Ausweitung des Angebots an Wohnraum verpflichtet. Im Gegensatz zu Hamburg oder München, die keinem jahrelangen Schrumpfungsprozess ausgesetzt waren, besteht in Berlin die besondere Herausforderung darin, parallel die Voraussetzungen für eine wachsende Stadt zu schaffen. Dazu gehört der erfolgte deutliche Personalaufwuchs bei den Bau- und Planungsbehörden. Zur Sicherstellung des Wohnungsbaus in den regionalen Entwicklungsschwerpunkten werden die infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen. Mit der Clearingstelle „Wohnungsbau“ wurde ein Ansprechpartner benannt, der gezielt Vorhabenträger durch den abstimmungsintensiven Planungs- und Genehmigungsprozess leitet.

Ebenfalls im Gegensatz zu Hamburg oder München ist Berlin in einem System der zweistufigen Verwaltung organisiert. Mit Ausnahme von Vorhaben gesamtstädtischer oder besonderer stadtpolitischer Bedeutung, obliegt den Bezirken die Plan- und Baurechtsschaffung. In individuellen Vereinbarungen zwischen Bezirken und Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen wurden Meilensteine des Wohnungsbaus festgelegt. Die Höhe der Prämienzahlung für die Bezirke hängt direkt davon ab, in welchem Maße sie die vereinbarten Ziele erreichen.

Nur ein sozial durchmischtes Berlin wird langfristig attraktiv bleiben

Aber die Errichtung von Infrastruktur braucht Zeit. Zu spät wurde in Berlin, von einer schrumpfenden zu einer wachsenden Stadt, umgesteuert. Die knappen Kapazitäten der Planungsbüros und in der Bauwirtschaft sowie die überhöhten Baupreise tun ihr Übriges. Eigentümer nutzen derweil den Nachfrageboom und gehen mit ihren Mietforderungen bis an die Grenze des rechtlich Möglichen und teilweise darüber hinaus. Artikel 14 Grundgesetz verpflichtet die Eigentümer, ihren Besitz auch zum Wohle der Allgemeinheit einzusetzen. Dieser Verpflichtung kommen einzelne Eigentümer derzeit nur unzureichend nach. Die maximale Verwertung des Eigentums steht bei ihnen im Vordergrund. Eine solche Geschäftspolitik mag kurzfristige Renditen sichern, sie spaltet aber die Stadt und wird langfristig nicht erfolgreich sein.

Nur eine sozial durchmischte Stadt, in der sich alle Einkommensgruppen in allen Quartieren wiederfinden, wird langfristig attraktiv bleiben und den sozialen Frieden bewahren. Eine Wohnung ist nicht nur ein Produkt, welches frei am Markt gehandelt werden kann. Vielmehr ist das Recht auf angemessenen Wohnraum ein Staatsziel unserer Berliner Verfassung. Dieses Recht ist nicht nur Verpflichtung für die Politik, sondern auch Auftrag für die Immobilienwirtschaft.

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Silke Ritter

Wie werden wir künftig leben und arbeiten? Dieser Frage gehe ich hier im Blog nach. Seit 2012 gehöre ich zum Management Circle-Team, zuvor habe ich nach meinem Germanistik-Studium in der PR-Branche gearbeitet. Als Teil der #GenerationY weiß ich nicht nur um die Wichtigkeit von Hashtags und gutem Content, sondern wünsche mir mehr Mut in Unternehmen für die Digitalisierung. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Themenvorschläge!

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