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Wird die Digitalisierung in Deutschland durch unser Bildungswesen gefährdet?

Wird Die Digitalisierung In Deutschland Durch Unser Bildungswesen Gefährdet?

Nicht nur die Wirtschaft verändert sich durch die Digitalisierung, mittlerweile sind alle Lebensbereiche von der Transformation betroffen. Auch die Bildung wandelt sich so stark wie nie zuvor. Doch gerade das deutsche Bildungsideal gerät bei der Digitalisierung ins Wanken. Dabei sind die heutigen Schüler die digitalen Mitarbeiter von Morgen. Wie können sich Unternehmen digital transformieren, wenn Mitarbeiter über keine digitale Kompetenz verfügen?

Vom Vorreiter zum Schlusslicht in Sachen Bildung

Europaweit belegen deutsche Schüler bei der internetbezogenen Medienkompetenz lediglich die hinteren Plätze. Sowohl die Schule als auch andere Bildungsinstitutionen scheinen weit davon entfernt zu sein, eine vollständige digitale Bildung anzubieten.

Zukunftsmotor Ausbildung

Es reicht nicht, nur die Schule mit Tablets oder anderen Geräten auszustatten. Auch die Lehrer müssen sich in diesem Bereich weiterbilden, was sie zusätzlich belastet. Aus diesem Grund wird in vielen deutschen Schulen noch auf digitale Schulmethoden verzichtet.

Individuelle Förderung durch digitale Bildung

In Deutschland beschweren sich Lehrer zusehends über heterogene Klassen, in der die Erfolge einzelner Schüler untergehen und die keinen Raum für eine individuelle Förderung bieten. In den USA hat man eine scheinbare Lösung dafür gefunden: Das Konzept New Classrooms. Entwickelt wurde das ganze an der David-Boody-Schule in New York im Stadtteil Brooklyn.

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https://www.youtube.com/watch?v=sQtvWv1jHZQ

Dort setzen die Lehrer statt auf Frontalunterricht auf digitalisierte Lerneinheiten. So sitzen etwa neunzig Schüler in einem großen Raum zusammen und lernen beispielsweise Mathematik. Manche schauen Lernvideos, andere lösen Aufgaben mit einer Software und wieder andere sprechen mit Lehrern oder arbeiten in Gruppen zusammen.

Jeden Tag wird ein kurzer Onlinetest durchgeführt, um den Stand des Schülers zu erfassen. Ein Zentralcomputer in Manhattan errechnet daraufhin, welche Themen von dem jeweiligen Schüler nachgearbeitet werden müssen und welche Methoden sich am besten dafür eignen. Jeden Tag entsteht auf diese Weise ein individueller Lehrplan für jeden einzelnen Schüler. Dabei werden die Lehrer jedoch nicht überflüssig. Diese begleiten die Schüler beim Lehrvorgang und können so besser auf die individuellen Probleme der Schüler eingehen. Erste Erfolge zeigt das Projekt bereits: New Classrooms Schüler lernen beinahe anderthalbmal so viel im Jahr wie das nationale Mittel.

Ist das digitale Lernen gerecht?

So gut wie das Projekt aus New York auch klingt, einen Haken hat die Sache doch: Den Datenschutz. Denn die digitale Bildungsrevolution braucht zahlreiche Daten für die individuellen Lernsoftwares. Die Angst ist groß, dass die Daten der Schüler zweckentfremdet und missbraucht werden. Eine weitere Nebenwirkung könnten Fehlinterpretationen bilden, die aus irrelevanten statistischen Zusammenhängen resultieren. Zu leicht können dadurch die Schüler zu Opfern von Wahrscheinlichkeiten degradiert werden.

Doch auch hierfür wurden schon in einigen Bundesländern in Deutschland Lösungen gefunden. So ist in Bremen beispielsweise eine Vereinbarung über den Schutz der Daten ausgehandelt worden: Die Lernplattform itslearning vergisst unter anderem das Auf und Ab der Schüler nach einem Jahr.

Aber befindet sich Deutschland deshalb auf einem guten Weg hin zu einer digitalen Bildungsrevolution?

Politik setzt sich ein für die Digitalisierung im Schulwesen

Auf der didacta 2016 beschwerte sich Christian Lindner, Vorsitzender der FDP, über die fehlende Bereitschaft zur Digitalisierung: „Die Kinder haben Übersetzungs-Apps und Google Earth auf dem Handy und schleppen dann Atlas und Wörterbuch im Ranzen zur Schule, der deshalb 18 Kilogramm wiegt„. Das habe seiner Meinung nach nichts mehr mit Inhalten zu tun. Die Schulleitung müsse eine digitale Strategie vorgeben, aber auch die Politik sollte das Bildungswesen bei der Digitalisierung unterstützen. Denn die heutigen Schüler brauchen eine gute digitale Vorbereitung, da sie zukünftig in Berufen arbeiten werden, die es jetzt noch gar nicht gibt. Die Kompetenzen dafür müssen in der Schule bereits gelehrt werden und nicht erst am Arbeitsplatz.

Doch oft fehlt nicht nur die Bereitschaft für das Einsetzen digitaler Medien. Meistens scheitert die Digitalisierung an der Finanzierung oder gar an der Infrastruktur. Denn deutschen Schulen fehlt es häufig an mobilen Endgeräten, einer breiten Internetverbindung oder gar lokalem WLAN. Laut der ICILS-Studie liegt das Verhältnis Schüler-Computer in Deutschland bei 11,5 zu 1, während es in Australien bei 2,6 zu 1 und in Norwegen bei 2,4 zu 1 liegt.

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https://www.youtube.com/watch?v=EoBBoHoLSwA

Beispiele, die Mut machen

Dennoch gibt es einige Schulen und Projekte in Deutschland, die eine erfolgreiche digitale Bildung in ihren Schulalltag integriert haben. In der Finkenkrug- Förderschule in Berlin Mitte wird seit kurzem mit digitalen Geräten gelernt. Tablets helfen gerade Kindern mit Autismus und nicht sprechenden Schülern bei der Kommunikation.

Den ersten Preis beim Mint von Morgen Schulpreis 2015 gewann das Konzept Flipped Classroom von Sebastian Schmidt, Carsten Thein, Felix Fähnrich und Sebastian Stoll. Die vier Lehrer aus Baden-Württemberg und Bayern veranstalten den Mathematikunterricht in umgekehrter Reihenfolge: Die Schüler schauen sich ein Lernvideo als Hausaufgabe an und bereiten sich so auf die Schulstunde vor. In der Stunde werden dann Rechenwege besprochen und Aufgaben gelöst. So können sich alle Schüler in dem Tempo vorbereiten, das ihnen zuspricht und die Lehrer haben mehr Zeit dafür, sich um die individuellen Probleme der einzelnen Schüler zu kümmern.

Auch in Hamburg am Friedrich-Ebert-Gymnasium wird Mathematik unter anderem mit dem Lernprogramm Bettermarks gelehrt. Das Programm merkt sich die Fehler der Schüler und schlägt daraufhin individuelle Übungen vor. Schüler begrüßen, dass sie persönlich sehen können, wo ihre Stärken und Schwächen liegen.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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