Wie sieht Düsseldorfs Zukunft aus? Cornelia Zuschke über Chancen und Herausforderungen für die Landeshauptstadt

Cornelia Zuschke: Wie Sieht Düsseldorfs Zukunft Aus?

Anfang dieser Woche, am 9. April 2018, trafen sich Vordenker, Immobilienexperten, Marktkenner und wichtige Entscheider auf dem Immobilienforum in Düsseldorf. Aktuelle Trends der Immobilienwirtschaft, innovative Wohnkonzepte sowie die Herausforderung Digitalisierung standen im Fokus der Diskussion – mit dem Ziel, der enormen Nachfrage in Düsseldorf auch zukünftig ein entsprechendes Angebot an Wohn-, Büro- und Gewerbeflächen entgegensetzen zu können. Cornelia Zuschke, Planungsdezernentin der Landeshauptstadt Düsseldorf, hat uns im Nachgang der Veranstaltung in einem exklusiven Interview ihre Einschätzung zu den genannten Themen gegeben.

Cornelia Zuschke, Dipl. Architektin, war von 2000 bis 2014 Stadtbaurätin in Fulda für Stadtentwicklung, Planung, Bauen, Infrastruktur und Umwelt. Danach war sie Dezernentin für Planen, Bauen, Mobilität und Umwelt-Klimaschutz in Darmstadt.

Seit September 2016 ist Cornelia Zuschke Beigeordnete für die Stadtplanung der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Herausforderungen für den Immobilienmarkt Düsseldorf

Frau Zuschke, wie wird sich der Immobilienmarkt in Düsseldorf in den kommenden Jahren entwickeln?

Wenn man den Analysen Landauf/Landab folgt, wird sich auch für Düsseldorf die große Nachfrage nach Wohn- und Gewerbeimmobilien verstetigen. Leerstände gibt es so gut wie gar nicht. Die Nachfrage nach geeigneten Flächen für Investitionen, Umorientierungen, Neubauvorhaben oder Sanierungen ist ungebrochen. Wir werden weiter daran arbeiten müssen, genug Wohnungen und einen guten Wohnungsmix für eine sozialverträgliche Stadtentwicklung in den Rahmenbedingungen der Stadtplanung und des Wohnungsamts zu beeinflussen.

Gleichzeitig werden wir auch weiterhin darauf achten, dass Gewerbe und Arbeiten, Industrie und das oben erwähnte Wohnen nicht in einen sich aufheizenden Verdrängungswettbewerb geraten – sondern im Stadtgrundriss ihre Berechtigung als Stadt der kurzen Wege finden. Zusätzlich besteht als Aufgabe im Zusammenhang mit dem ungebrochenen Immobilienboom, auch die Verkehrsfragen in der Landeshauptstadt zu bearbeiten.

Städtebauliche Entwicklungen sind in vollem Gang

Welche Areale werden in Zukunft berücksichtigt?

Düsseldorf ist in all seinen Stadtbezirken und Stadtteilen hoch attraktiv, da die Landeshauptstadt in sich und mit den Nachbargemeinden gut vernetzt ist. So bieten unterschiedliche Bezirke ganz unterschiedliche Möglichkeiten für urbane Mischungen oder neue Quartiere. Das Stadtplanungsamt der Landeshauptstadt Düsseldorf bearbeitet derzeit weit über 100 Projekte. Die einen sind noch in wettbewerblichen Vorbereitungsphasen, andere bereits in fortgeschrittenem Bebauungsplanverfahren.

 

Herausragende Beispiele für neue städtebauliche Entwicklungen sind zum Beispiel:

Wettbewerb der Kesselstraße im Medienhafen und verschiedene andere Grundstücke dort

Wohn-, Schul- und Gewerbeentwicklungen am Tetelberg

Weiterentwicklung der Bebaubarkeit der jetzt landwirtschaftlichen Flächen in Hamm, große Areale in Benrath (Hildener Straße und Paulsmühlenstraße) oder die Quartiere rund um den Quellenbusch/Torfburchstraße

Entwicklungen im Linksrheinischen, im Bereich des Seesternes, die Baugebiete in der Grünau und am ehemaligen Schwimmbad in Lörick bis zum Wohnen am Albertussee

Vogelsanger Weg – Gewerbe und Wohnen

Eller – Festenbergstraße, Quartier in gewerblicher Nachbarschaft

V24 und Neusser Straße

Grand Central hinter dem Bahnhof

KAP und Bahnhof

Die Vielfalt dieser Bestandsaufnahme zeigt, dass neben Neuausweisungen von Baugebieten vor allem Konversions- und Transformationsflächen im Fokus der Entwicklung stehen – eine zutiefst urbane Dynamik.

Mikro-Apartments als Zukunftslösung

Wird sich der Trend des Mikrowohnens auch in Düsseldorf nachhaltig durchsetzen?

Mikrowohnen ist und bleibt für Investoren attraktiv. Dennoch will die Stadt eine ausgewogene Mischung von unterschiedlichen Wohnformen. Wir wenden unser HKW (Handlungskonzept Wohnen) konsequent an. Interessant bei dieser Frage sind neue Mixe von Azubi-, Studierenden-, jungen Fachkräften, Wohnen oder Mischung mit Büroeinheiten. Dann ist dies ein echter urbaner Ansatz und gut für eine Großstadt mit vielen Wissenschafts- und Arbeitsplätzen.

 

Das macht Düsseldorf aus

Wie sieht sich Düsseldorf im Vergleich zu anderen Großstädten?

Düsseldorf ist eine attraktive Stadt, lebenswert, jung, modern und von der Nähe vom Arbeiten und Wohnen geprägt. Düsseldorf ist Erholungslandschaft am Rhein und dichte Stadt mit vielen Menschen und Arbeitsorten auf kleinem Grundriss. Düsseldorf ist verkehrstechnisch perfekt vernetzt und Teil einer boomenden attraktiven Metropolregion. Gleichzeitig sind all diese Stärken aber auch mit Herausforderungen gespickt, wie dem Umgang mit Dichte, der Fortschreibung eines Stadtentwicklungskonzeptes mit Hochhausrahmenplan und vor allem der Lösung der problematischen verkehrlichen Situation. Wohnen für alle in attraktiver Lage und sichere Erreichbarkeit sind die großen Herausforderungen.

Analog vs. digital – zwei Welten treffen aufeinander

Wie digital wird die Düsseldorfer Immobilienwelt in Zukunft sein?

Die Digitalisierung stellt uns vor große Herausforderungen, hält aber auch unabdingbare Chancen bereit. Insbesondere durchdringt die Digitalisierung Arbeitswelten und befördert das Thema nachhaltige Mobilität in vielerlei Hinsicht. Die durch die Digitalisierung sauber werdende Industrie ermöglicht bessere Nachbarschaften zum Wohnen oder die Vermeidung von Wegestrecken durch digitale Arbeit von Zuhause. Die Digitalisierung wird schlussendlich alle Lebensbereiche einer starken ja fast revolutionären Veränderung unterwerfen. Dennoch wird die Stadt neben den digitalen Chancen, neben Erreichbarkeiten, anders organisierter Wege oder veränderter Einkaufverhalten auch immer analog bleiben, sodass es als eine der großen Herausforderungen gilt, beide Welten planerisch und baulich zusammen zu schalten und dabei die Vorteile zu nutzen.

Die Digitalisierung wird die Mobilität in den Innenstädten nachhaltig verändern, so dass die Städte sich bei zunehmender Dichte auf die Rückgewinnung des öffentlichen Raumes konzentrieren sollten. Möglicherweise werden sich durch die Digitalisierung auch Emissionen vermeiden lassen, die jetzt noch mit Arbeits- und Mobilitätswelten einhergehen. Die Digitalisierung wird aber auch den Druck verstärken, Städte weltweit besser vernetzt zu halten, um globales Arbeiten zu ermöglichen  und lokale Identität zu behalten. Auch Beteiligungen bei Planungsprozessen werden sich in der digitalen Welt abspielen, was das Planen zugleich leichter, aber auch vielschichtiger und breiter aufstellt.

Schlussendlich ist es wichtig, zu berücksichtigen, dass die Digitalisierung ein Baustein der Zukunft und in alle Überlegungen miteinzubeziehen ist.

Die Zukunft der Landeshauptstadt Düsseldorf

Auch im nächsten Jahr diskutieren Vordenker, Experten und Marktkenner sowie die wichtigsten Entscheider über ihre Visionen für die Landeshauptstadt Düsseldorf. Seien Sie beim Immobilienforum Düsseldorf 2019 dabei!
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Martina Große Bley

Ich bin bei Management Circle Teamleiterin für das Content Marketing und unter anderem für die Themen-Blogs Soft Skills, Projektmanagement und Handel verantwortlich. Mit abwechslungsreichen Artikeln, Interviews und Gastbeiträgen unserer Referenten informiere ich Sie über die neusten Entwicklungen und gebe Ihnen Tipps, um die eigenen Kompetenzen verbessern zu können. Ich freue mich auf den Wissensaustausch mit Ihnen!

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