Digitale Innovation bei Amazon – warum Working Backwards ein Muss ist

Alsamawi

Rückwärts laufen, um innovativ zu sein, klingt für Sie wie ein Widerspruch? Feras Alsamawi von Amazon Web Services beschreibt Ihnen in diesem Beitrag, dass es funktionieren kann. Amazon setzt auf die Working Backwards-Strategie und ist damit innovativer und kundenzentrierter als viele andere.

Feras Alsamawi verantwortet mit seinem Team das Programm Digitale Innovation bei Amazon Web Services für die Region Europe, Middle East & Africa, wo sie ausgewählten Kunden die Innovationsrezeptur, die Amazon ausmacht, näherbringen.

 

Zwei Muster der digitalen Transformation

In den letzten Jahren habe ich zwei Phänomene wahrgenommen, zwei wiederkehrende Muster, wenn es darum ging, wie Unternehmen ihre digitale Transformation angehen wollen.

Da gibt es zum einen den Fokus auf Agilität, erkennbar durch die Ausbreitung von sogenannten „Digital Units“, wo Tischtennisplatten, kaltes Bier und Vintage-Look-Einrichtung zu einer neuen Atmosphäre beitragen sollen.

Im Wesentlichen ist das ein Ansatz, über den diese neuen Organisationen kürzere Entwicklungszyklen umsetzen, mit denen sie idealerweise – „weg vom Wasserfallmodell“ –besser auf Kundenfeedback reagieren und somit steigende Erwartungen an die User Experience erfüllen können.

Auf der anderen Seite wurde ich häufig mit Fragen zu neuen, aufkommenden Technologien konfrontiert, wie etwa „was kann ich mit IoT machen?“ sowie in letzter Zeit häufiger: „Wie setze ich Blockchain ein?“ oder „Können Sie mir Machine-Learning Use Cases zeigen?“.

Digitale Transformation

Beide Fälle bestätigen für mich nachvollziehbare Verhaltensmuster, wenn wir uns mit neuen Herausforderungen auseinandersetzen: Wir lassen uns von dem inspirieren, was existiert und erfolgreich ist. Ob es die Software Startups von der amerikanischen Westküste sind, die durch ihre schnellen Release-Zyklen den Standard für moderne Software-Entwicklung hoch setzen, oder ob es Unternehmen sind, die mit Machine Learning viele Prozesse automatisiert und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit gesteigert haben, wie beispielsweise Amazon. Grundsätzlich gibt es an der Herangehensweise nichts auszusetzen: Von Bestehendem auszugehen und es zu adaptieren, oder in anderen Worten „Working Forwards“. Es beantwortet in jedem Fall einige der Wie-Fragen, zum Beispiel „Wie sollte ich Software entwickeln?“ – agil natürlich! – oder „Wie kann ich Machine Learning-Technologien nutzen?“ – skalierbar und mit minimalem Time-to-Market in der Cloud, selbstverständlich!

Das „was“ und „warum“ nicht vergessen!

Andere entscheidende Fragen werden davon aber nicht notwendigerweise berührt, nämlich solche, die sich um das Was und Warum drehen, wie beispielsweise „Was brauchen meine Kunden eigentlich?“, „Welche Bedürfnisse haben meine Kunden, und wie möchte ich diese adressieren?“ oder „Warum schätzen Kunden gerade diese digitalen Produkte und Services?“. Ich komme der Klimax mal zuvor: Will man diese Fragen beantworten, stellt man relativ schnell fest, dass agil, Scrum, XP, Blockchain, Kubernetes und Co. nur Mittel zum Zweck sind. Kunden interessieren sich in den allermeisten Fällen nicht dafür, wie die Entwicklung abläuft oder was sich im Backend abspielt, sie wollen zuerst wissen: „Was ist für mich drin?“  und „Warum sollte ich gerade hier meine Zeit investieren oder mein Geld ausgeben?“.

Working Backwards – das Erfolgsmodell von Amazon

Backwards - ForwardsBei Amazon haben wir für uns einen Auftrag definiert –  to be Earth’s most customer centric company. Dieser Auftrag ist in der Kultur manifestiert und in unseren Mechanismen, damit es eben nicht nur bei guten Absichten bleibt. Ein solcher zentraler Mechanismus heißt „Working Backwards from the customer“ und zwingt uns, am Anfang eines jedes Innovationsprozesses den Kunden „voranzustellen“, uns mit seinen Problemen zu befassen, seine Perspektive anzunehmen und seine wichtigsten Bedürfnisse zu adressieren. Working Backwards stellt sicher, dass wir uns mit den schwierigsten Fragstellungen auseinandersetzen, bevor wir uns an die Umsetzung machen, an die Technologien setzen, die Methoden zur Implementierung und das Coden. Es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns auf etwas fokussieren, was für den Kunden relevant ist. Wenn wir Working Backwards anwenden, dann schreiben wir beispielsweise regelmäßig fiktive Presse-Mitteilungen, bei denen wir uns vorstellen, wie wir einen Produktlaunch nach außen kommunizieren und welche Artikel in Zeitungen oder Fachzeitschriften daraus resultieren könnten. Zeitungsartikel müssen in einer Sprache verfasst sein, die allgemein verständlich für den Leser (den Kunden) ist. Wir müssen eine neue Produktvision also in einer kundenzentrischen Sprache beschreiben, die jeder versteht – egal mit welcher Komplexität wir es „im Unterbau“ zu tun haben. Das Dokument ist zugleich unsere Basis, um das Unternehmen hinter eine Idee, ein neues Experiment oder eine neue Organisationseinheit zu bringen. Unabhängig davon, ob wir Kollegen aus dem Business, Engineering, Design oder Data Science mitnehmen wollen. Wir tangieren hier also schon das „Wie“, nur stellen wir bewusst den Kunden an den Anfang.

Nur um es klarzustellen: Das beschriebene Modell hat gut für Amazon funktioniert und muss nicht für alle Unternehmen den richtigen Weg darstellen. Es bleibt natürlich nach wie vor legitim, sich „Working Forwards“ mit Trends und Methoden auseinanderzusetzen und inspirieren zu lassen – wir lassen unsere Kunden jedenfalls sehr gerne darüber sprechen, welche Projekte sie mit Hilfe der Dienste von Amazon Web Services umgesetzt haben.

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