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Warum die Deutsche Bahn auf 3D-Druck setzt

Warum Die Deutsche Bahn Auf 3D-Druck Setzt

Die Deutsche Bahn ist für viele alles andere als innovativ. Dabei wird im Hintergrund schon stark an digitalen und innovativen Prozessen gearbeitet. Stefanie Brickwede leitet seit zwei Jahren das Konzernprojekt 3D-Druck bei der Deutschen Bahn AG und berichtet uns in einem exklusiven Interview, wie die Zukunft der additiven Fertigung aussehen wird.

Vor allem Dinge, die kundenindividuell zu gestalten sind, werden in der Zukunft über 3D-Druck produziert werden.

Stefanie Brickwede, Projektleiterin Innovationsmanagement der Deutschen Bahn Gruppe

Seit Mitte 2015 leitet Stefanie Brickwede mit Leidenschaft das Konzernprojekt 3D-Druck bei der Deutschen Bahn AG. Sie verantwortet die erfolgreiche Einführung der additiven Fertigung bei der Bahn. Dies umfasst die Erarbeitung von Business Cases und den Aufbau eines Competence Centers 3D-Druck. Zudem baut sie gerade das internationale Netzwerk „Mobility goes Additive“ auf, um der Technologie im Mobilitätssektor zum Durchbruch zu verhelfen.

Die studierte Diplom-Ökonomin startete ihre Karriere im Mobilitätssektor und war in verschiedenen Projekt-/Leitungsfunktionen bei der DB AG tätig. Unter anderem baute sie das Konzernqualitäts-Monitoring auf, etablierte eine Technikakademie sowie ein Lieferanten-Managementsystem.

Stefanie Brickwede

Stefanie Brickwede

3D-Druck für die Supply Chain

Frau Brickwede, wieso ist der 3D-Druck für die Supply Chain so interessant? Wie wird sich die Lieferkette dadurch verändern?

Für die Bahn, aber auch für andere Unternehmen, spielt die Verfügbarkeit von Ersatzteilen eine wichtige Rolle. Insbesondere beim Einsatz älterer Technik wird das so genannte Obsoleszenz-Management immer wichtiger. Zudem bietet die Print-on-demand-Logik, das heißt die Fertigung bei konkretem Bedarf, die Möglichkeit, Lagerkosten deutlich zu reduzieren.

Bild eines 3D-DruckersExperten gehen davon aus, dass die additive Fertigung zu einem verstärkten Insourcing führen wird. Dies spielt bei der DB aktuell keine Rolle. Wir bedienen uns beim Druck kompetenter Druckdienstleister und fertigen insbesondere sicherheitsrelevante Teile gerne in Kooperation mit dem ursprünglichen Hersteller. Um der Technologie zum Durchbruch zu verhelfen, haben wir ein offenes, internationales Netzwerk gegründet, das alle Aspekte der Wertschöpfungskette speziell beim Druck von Ersatzteilen abdeckt. Mobility goes Additive bietet die Möglichkeit, voneinander zu lernen, gemeinsam Technologien oder Materialien zu entwickeln und die Zertifizierung von Teilen und Prozessen gemeinsam voranzutreiben.

DB und das additive Fertigungsverfahren

Auf der Konferenz lautet Ihr Vortragstitel „Die Bahn druckt 3D. Ernsthaft? Warum?“. Wir wollen zwar nicht zu viel vorweg nehmen, aber wie und warum nutzt die DB das additive Fertigungsverfahren?

Bei der Deutschen Bahn warten wir zum Teil bis zu zwei Jahre auf einzelne Ersatzteile. 3D-Druck bietet die Möglichkeit, gesuchte und am Markt nicht mehr verfügbare Ersatzteile nachzubauen, gegebenenfalls zu optimieren und darüber die Lebensdauer von investitionsintensiven Assets zu verlängern. Neben diesem Aspekt der Nachhaltigkeit spielt für uns vor allen Dingen die Verfügbarkeit die größte Rolle. Nur Fahrzeuge, die auf dem Netz fahren können und nicht in der Instandhaltung stehen, nutzen uns und unseren Fahrgästen und Kunden.

Weitere Überraschungen?

Gibt es sonst Unternehmen oder Branchen, die bereits jetzt auf den 3D-Druck setzen, die uns genauso wie die DB überraschen würden?

Die ursprünglichste Form des 3D-Drucks, das rapid Prototyping, findet in sehr vielen unterschiedlichen Branchen schon lange Anwendung. Durch die Erstellung von Modellen kann der physische Eindruck eines neuen Produktes sehr schnell generiert werden.

Interessant ist, dass immer mehr Unternehmen dazu übergehen, ihre Ersatzteillogistik zumindest teilweise mit der additiven Fertigung zu ergänzen. Hierzu zählen zunehmend die Automobilhersteller, Reedereien, Armeen oder Landmaschinenhersteller. Dies verdeutlicht die Breite der möglichen Anwendungsfelder. Insbesondere in Droschen in DIN wo nur wenige, investitionsintensive Anlagen zum Einsatz kommen, bietet sich 3D-Druck für die Fertigung von Ersatzteilen an. Wenn es um die Fertigung von sehr großen Mengen geht, werden auch auf absehbare Zeit herkömmliche Fertigungsverfahren aus wirtschaftlichen Gründen die bessere Alternative bleiben. Häufig macht auch die Kombination zwischen herkömmlichen und additiven Technologien Sinn. Die so genannte Hybridbauweise gibt Maschinenherstellern eine höhere Flexibilität.

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https://youtu.be/7gXq1ml6B1E

Die Zukunft des 3D-Drucks

Was denken Sie, werden wir in Zukunft alles drucken können: Fleisch, Organe und ganze Häuser? Wie sieht die Zukunft des 3D-Drucks aus?

Häuser werden bereits heute schon gedruckt, vornehmlich in China. In der Emilia Romana in Italien entsteht gerade ein ganzes Dorf in 3D-Druckbauweise. Organe werden zukünftig eine große Rolle spielen. Verschiedene Universitäten erforschen die Druckbarkeit lebender Strukturen. Primär wird an dem Druck von Hautzellen, Nieren oder auch Leber-Strukturen für Transplantationszwecke geforscht. Monatlich kommen neue Druckverfahren und Materialien auf den Markt, wir stehen also noch ganz am Anfang der Entwicklung. Vor allem Dinge, die kundenindividuell zu gestalten sind, werden in der Zukunft über 3D-Druck produziert werden. Die Orthopädietechnik bedient sich zunehmend der additiven Fertigung, aber auch die Zahnmedizin oder die Chirurgie beim Einsatz künstlicher Gelenke sind typische Anwendungsfelder, die zukünftig sicherlich noch deutlich ausgebaut werden.

Ein bislang wenig genutztes Feld ist der Druck von Lebensmitteln. Gerade in der Pflege wird sich durch die Möglichkeit des Hinzufügens von Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln ein breites Anwendungsfeld ergeben.

Informieren Sie sich jetzt!

Mehr Transparenz, flexible und kostengünstige Produktions- und Lieferbedingungen, beschleunigte Prozesse und geringere Lieferbestände sind die momentanen Herausforderungen in der Supply Chain. Wie Sie Herausforderungen wie den 3D-Druck in der Supply Chain meistern, erfahren Sie auf unserer Konferenz Die digitale Transformation der Supply Chain.

Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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