Vom zunehmenden Handlungsdruck bei der Personalgewinnung im öffentlichen Dienst

Artikelbild Martin Assmuth
Beitragsserien: Azubi-Marketing und Recruiting

Die öffentliche Hand ist vom Fachkräftemangel und der überalternden Belegschaft besonders betroffen. Der Personalexperte Martin Aßmuth hat einige Gründe dafür zusammengetragen und gibt einen Einblick, wo Kommunen ansetzen sollten, um den Anschluss an die Wirtschaft nicht zu verlieren.

Martin Aßmuth arbeitete von 2000 – 2015 als Ausbildungsleiter, Leiter Personalentwicklung und Personalleiter in der Sparkassen-Finanzgruppe, ehe er als Personalleiter zur Volksbank Stuttgart wechselte. Von 2016 – 2018 verantwortete er das Personalmanagement beim Landkreis Lörrach, einer Verwaltungsbehörde mit mehr als 1.300 Mitarbeitenden. Für seine Arbeit erhielt Aßmuth regionale und nationale Auszeichnungen. Mehrere Projekte von ihm waren für den HR Excellence Award nominiert, den er auch gewinnen konnte. Zuletzt wurde er mit 97,7 % der Stimmen zum neuen Bürgermeister der Gemeinde Hofstetten gewählt. Er gilt als pragmatischer Experte für umsetzbare Recruiting-Ideen im öffentlichen Dienst.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

Chef Generation YSeit mehreren Jahren wird nicht nur von Gewerkschaften fast schon gebetsmühlenartig auf die Überalterung im öffentlichen Dienst und den sich abzeichnenden Fachkräftemangel hingewiesen. Im öffentlichen Dienst sind derzeit allein in Baden-Württemberg 170.000 Stellen unbesetzt, jeder Zweite verlässt in den nächsten 15 Jahren seinen Arbeitsplatz altershalber. Schon heute sind 54 Prozent der Angestellten älter als 45 Jahre, wie Staatsanzeiger und Statistisches Landesamt berichten. Die Wirtschaftsministerin muss einen – wenig überraschenden – Fachkräfteengpass in den Gesundheitsberufen einräumen. Ansonsten türmt sich vielerorts die Arbeit in den Amtsstuben und das Personal wird knapp.

Ein lokales oder gar regionales Phänomen?

Sicher nicht. Der Tagesspiegel berichtete unlängst im Juni 2018 von allein 4.700 unbesetzten Stellen in der Berliner Verwaltung. Die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte KOFA-Studie zu den Fachkräfteengpässen in Unternehmen erfasst den Verwaltungsberuf in den Top 10-Engpassberufen. Stark verkürzt bedeutet dies gute bis hervorragende Perspektiven für Ausbildungsplatzbewerber und junge Menschen.

Doch diese hatten und haben den öffentlichen Dienst als Ausbildungsstelle oder Arbeitgeber häufig überhaupt nicht im Fokus. In vielen Kommunalverwaltungen und bei öffentlich-rechtlichen Arbeitgebern ist in der jüngeren Vergangenheit wenig passiert – trotz rückläufiger Bewerberzahlen und sinkender Qualität.

Strategien, Maßnahmen, Instrumente?

Studenten im Bereich Marketing AutomationHäufig Fehlanzeige. Knappe Haushaltsmittel auf der einen Seite, aussitzen und abwarten auf der anderen Seite. Freie Ausbildungsplätze und Stellen können nicht qualifiziert besetzt werden, Mehrfachausschreibungen und Dauervakanzen sind eine Folge. Während der Hype um Arbeitgebermarken und die richtige Candidate Experience in der Privatwirtschaft verflogen ist und gefühlt fast schon ein Oldtimer-Kennzeichen erhalten dürfte, erwacht der öffentliche Sektor aufgrund des zunehmenden Handlungsdrucks aus seinem Dornröschenschlaf und entdeckt diese Themen mit wachsender Ernsthaftigkeit für sich. Doch gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

Ironie an

Bunt möchte man sein, modern und irgendwie flippig. So wie die Wirtschaft. Aber bitte nicht zu sehr und ohne großen Aufwand. Lässt sich doch bestimmt kopieren, das Ding mit der Arbeitgebermarke. Und auf die Papierbewerbung wollen manche Herren Bürgermeister, Personal- oder Hauptamtsleiter vielerorts dann doch lieber nicht verzichten. Diese kann ja erstmal unbeantwortet bis nach Ablauf des Bewerbungszeitraums in der Amtsstube liegen bleiben, schließlich gibt es in einer Kreisstadt auch anderes zu tun. Ganz schlimm für den Personaler: Es fehlt das Anschreiben. War bestimmt ein Versehen. Wie war das nochmal mit der Candidate Centricity, Mobile Recruiting, WhatsApp, Instagram oder gar Snapchat im öffentlichen Dienst? Vielleicht Eintagsfliegen. Vielleicht Teufelszeug. Vielleicht, wenn gut gemacht, zielgruppenspezifische Lösungsansätze für das Recruiting und den Fachkräfteengpass im öffentlichen Dienst.

Ironie aus

Wie Personalgewinnung in der öffentlichen Verwaltung wirklich funktioniert?

Das erfahren Sie von Martin Aßmuth persönlich bei dem Seminar Azubi-Marketing und Recruiting. Hören Sie, wie man dem Azubi- und Fachkräftemangel in der öffentlichen Verwaltung gekonnt entgegen wirkt und wieso die Behörde ein geliebter Arbeitgeber sein kann, vielleicht auch auf den zweiten Blick.
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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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