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Urbanes Gebiet, das Stadtbild von Morgen?

Urbanes Gebiet, Das Stadtbild Von Morgen?

Nach den Änderungen von 2011 und 2013 sollen BauGB und BauNVO dieses Jahr eine weitere Novellierung erfahren. Darunter fällt unter anderem die Schaffung einer weiteren Kategorie namens „Urbanes Gebiet“. Was es mit diesem neuen Typus auf sich hat und welche Auswirkungen das auf die Stadtentwicklung hat, versuchen wir in diesem Beitrag zu beleuchten. Denn bis jetzt ist noch nichts hundertprozentig beschlossen.

Neue UVP bringt weitere Veränderungen mit sich

Dass es eine erneute Gesetzesänderung geben muss, war allen klar. Denn die Änderungsrichtlinie der Umweltverträglichkeitsprüfung  (UVP), die im Europäischen Parlament beschlossen wurde, muss in Deutschland bis zum 16. Mai 2017 in nationales Recht umgesetzt werden.

Im Zuge dieser Änderungen wurden auch weitere Novellierungen vorgenommen. Wir wollen uns an dieser Stelle mit einer besonderen auseinandersetzen: Dem sogenannten Urbanen Gebiet. Dieser Typus tritt jetzt zu den bisherigen Kategorien Wohn-, Gewerbe- und Mischgebiet hinzu.

Dazu wollen wir den Begriff „urbanes Gebiet“ einführen. Das ist die Zusammenführung von allgemeinem Wohngebiet und Gewerbegebiet.

Bau-Senator Andreas Geisel

Vereinfacht gesagt will man durch diesen neuen Baurechttypus lärmrobusten Städtebau mit erhöhter Bebauungsdichte ermöglichen. Denn auch die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA-Lärm) soll durch die Novellierung der BauNVO eine Veränderung erfahren. Im Urbanen Gebiet sollen höhere Richtwerte gelten als in Mischgebieten. Die Immissionsrichtwerte für das neue Gebiet wurden in dem Referentenentwurf auf 63 dB(A) tags und 48 dB(A) nachts festgelegt.

tabelle

Aber was ist denn nun dieses Urbane Gebiet?

Durch die Urbanisierung zieht es immer mehr Menschen in Städte und vor allem in innerstädtische Gebiete. Das führt zu einem stark verdichteten Raum, in dem kaum Bauplätze zur Verfügung stehen. Diesem Umstand soll das Urbane Gebiet entgegenwirken, denn dieses erwirkt eine größere Flexibilität bei der Bebauung des Stadtkerns. Dabei soll jedoch nicht nur bezahlbarer Wohnraum entstehen. Vielmehr bietet das urbane Gebiet eine Mischung aus Wohnen, Gewerbe, Gastronomie, Erholung und Bildung – jedoch nicht in gleicher Gewichtung.

Der neue Baurechttyp soll eine höhere Bebauungsdichte ermöglichen: Als Höchstmaß gilt  dabei wie im Mischgebiet eine Grundflächenzahl (GRZ) von 0,8 und eine Geschossflächenzahl (GFZ) von 3,0 – wie im Kerngebiet. Der ZIA geht diese Änderung nicht weit genug, sie fordert eine Erhöhung der GRZ auf 1,0.

Die Grundflächenzahl (GRZ)

gibt an, welcher Flächenanteil des Baugrundstückes  bebaut werden darf.

Liegt die GRZ bei 0,6, dürfte bei einem Grundstück von 500 Quadratmetern, die Grundfläche der baulichen Anlage somit 300 Quadratmeter betragen.

Die Geschossflächenzahl (GFZ)

beschreibt das Verhältnis der gesamten Geschossfläche  zu der Fläche des Grundstücks.

Liegt die GFZ bei 3,0 dürfte bei einem Grundstück von 500 Quadratmetern, die gesamten Geschossfläche 1500 Quadratmeter aufweisen. Man könnte also beispielsweise fünf Stockwerke mit 300 Quadratmetern Geschossfläche pro Geschoss bauen.

„Funktionsgemischtes Gebiet der kurzen Wege“

Das ist das Hauptziel der Novellierung der BauNVO. Dabei wird zwar auch ein Fokus auf bezahlbaren Wohnraum gelegt, jedoch dürfen Gebäude nur in Ausnahmefällen lediglich fürs Wohnen verwendet werden. Für die „Belebung der Straße“ sollen stattdessen beispielsweise straßenseitige Erdgeschosswohnungen der Vergangenheit angehören. Dort soll es eher Gewerbebetriebe geben. Einschränkung: Das Gewerbe darf die Einwohner nicht wesentlich stören.

Darin unterscheidet sich das Urbane Gebiet beispielsweise stark vom Kerngebiet, dessen Fokus gerade nicht die Wohnnutzung ist.

Noch in dieser Legislaturperiode sollen die Gesetzesänderungen in Kraft treten. Damit könnte sich das moderne Stadtbild nachhaltig verändern. Wir sind gespannt, Sie auch?

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Kleine Korrektur zu Ihrem Artikel „Urbanes Gebiet, das Stadtbild von Morgen?“:
    Im Urbanen Gebiet wurde die Grundflächenzahl (GRZ) auf 0,8 angehoben und ist somit höher als im Mischgebiet (GRZ 0,6).

    Liebe Grüße
    Lukas Breusch

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