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Unternehmen im digitalen Aktionismus: Impulse hin zur vierten industriellen Revolution

Unternehmen Im Digitalen Aktionismus: Impulse Hin Zur Vierten Industriellen Revolution

Viele Unternehmen tun sich schwer bei der Aufgabe, die industrielle Revolution hin zur Digitalisierung zu meistern. Erfahren Sie von der Lean Expertin Franziska Gütle, warum blinder Aktionismus hier nicht der richtige Weg ist und wie Sie den Weg gehen sollten.

Franziska Gütle befasst sich neben ihrer Tätigkeit als Smart Operations & Lean Manager bei Atlas Copco IAS mit den Themenfeldern digitale Transformation, Organisationsentwicklung und Lean & Agile Thinking. Nach ihrem Wirtschaftsingenieurstudium und dem Masterabschluss in Lean Operations Management entdeckte sie die Leidenschaft für sich, durch Impulsbeiträge den Leser zu inspirieren und zur Selbstreflexion anzuregen.

Impulse für den erfolgreichen Einstieg in die vierte industrielle Revolution

Lean und Industrie 4.0Industrie 4.0, Internet of Things, Machine Learning, Cloud Computing, Künstliche Intelligenz oder Virtual Reality – all diese Buzzwords sind derzeit aus den Medien nicht mehr wegzudenken und werden teils kontrovers diskutiert. Doch was bedeuten sie tatsächlich für Unternehmen und schlussendlich für das Individuum Mensch? Wie begegnen Unternehmen der vierten industriellen Revolution? Was können Sie als Unternehmen konkret angehen, um Ihre Organisation für das digitale Zeitalter vorzubereiten? Ist es ausschließlich der Einsatz von Technologien?

Eine Frage der Technik, stattdessen ist der Umgang mit Unsicherheit gefragt

Wirft man einen Blick zurück in die Vergangenheit und untersucht, welche Auswirkungen die vorangegangenen Revolutionen mit sich gebracht haben, wird deutlich, dass sich nicht nur die Technologien verändert haben. Ebenso haben die Erfindung der Wasser- und Dampfmaschinen (1.0), die Einführung des arbeitsteilenden Fließbands (2.0) und der Einsatz von Elektronik und IT zur Automatisierung vieler Bereiche (3.0) die Betriebe geprägt. Davon betroffen sind auch die Geschäftsmodelle, das Verhalten der Menschen, deren Führungsstil sowie Organisationsformen. Jede Epoche weist charakteristische Eigenschaften auf, die sich gänzlich von den Vorangegangen aber auch von den Nachfolgenden unterscheiden – daher wird auch von „Revolution“ gesprochen.

Franziska Gütle

Derzeit befinden wir uns in einer Übergangsphase zwischen Industrie 3.0 und Industrie 4.0. Diverse Technologien werden bereits auf dem Markt angeboten. Automatisierung ist keine Seltenheit mehr, kleine Startups sprießen aus dem Boden und stellen manch traditionelles Geschäftsmodell auf die Probe. Das Internet ermöglicht Informations- und Datenaustausch binnen weniger Sekunden – die Fülle ist dank Plattformen, sozialer Netzwerke und Suchmaschinen gigantisch. Politische Entscheidungen sorgen für Unsicherheiten, Tweets und Posts verändern Situationen in kürzester Zeit. Die Märkte werden zunehmend dynamischer und unberechenbarer, die Forecasts unschärfer. Es ist zu vermuten, dass sich diese Situation eher verstärken, als abschwächen wird, denn die Nutzung der Technologien sowie der Zugang dazu sind heute ausgeprägter und einfacher denn je.

VUCA - Schnelllebigkeit, Unsicherheit, Komplexität, Ambivalenz

Die gegenwärtige Ausgangssituation vieler produzierender Unternehmen lässt sich mit der Metapher einer gut geölten Maschine beschreiben – ein Mix aus Industrie 2.0 und 3.0. In den vergangenen Jahrzehnten stand Effizienz und Standardisierung im Zuge der Automatisierung stark im Vordergrund. Sinnbildlich wurden alle Rädchen innerhalb der Maschine möglichst ideal aufeinander eingestellt: Für ausreichend Ölung sorgen und die Drehgeschwindigkeit erhöhen. Die Unternehmen haben ein festgelegtes bewährtes Geschäftsmodell, die Strukturen sind stabil, die Rollenverteilung klar definiert. Kurz: die Maschine brummt.

Doch was passiert nun mit der brummenden Maschine, wenn Geschäftsmodelle auf die Probe gestellt werden und die Berechenbarkeit der Märkte abnimmt? Wie verhalten sich die Rädchen, wenn die „VUCA-Welt“-Einflüsse zum Tragen kommen und anstelle Stabilität Flexibilität und Wandlungsfähigkeit gefordert ist?

Weil der Mensch den Unterschied ausmachen wird

Greifen wir nochmals das Beispiel mit der gut geölten Maschine auf: Das Verständnis der Rolle des Menschen in einem solchen System ist das Anstreben einer 100 prozentigen Ressourcen-Auslastung. In vielen Bereichen wird der Mensch an den Stellen eingesetzt, an denen eine Automatisierung unwirtschaftlich oder gar nicht möglich ist. Diese Haltung erweckt den Verdacht, dass der Mensch Dienst nach Vorschrift leistet, seine klar definierten Pakete abarbeitet und für Individualität nicht viel Freiraum bleibt. Nein, sie ist sogar gar nicht erwünscht und wird in diesem System auch nicht gefördert.

Virtuelle AgentenParadoxerweise ist es jetzt nun aber genau das Zeitalter der Digitalisierung, das eine „Re-Integration“ des Menschen in die Wertschöpfungsketten bewirkt. Künstliche Intelligenz wird derzeit stark beforscht und in vielen Fällen bereits angewendet. Doch was macht Künstliche Intelligenz tatsächlich? Sie erkennt Muster, basierend auf Datenanalysen. Sie verbessert bereits Bestehendes, gibt Vorschläge und erweitert „ihr Wissen“ durch mögliche neue Mustererkennungen. Das Schaffen von etwas Neuem wird durch Künstliche Intelligenz nicht möglich sein.

Es wird auch weiterhin Tätigkeiten und Aufgaben geben, die nicht durch Künstliche Intelligenz und Robotik abgelöst werden können.

Franziska Gütle | Smart Operations & Lean Manager | Atlas Copco IAS GmbH

 

Der Automobilist Toyota sorgte Anfang 2019 mit der Schlagzeile „Künstliche Intelligenz – Toyota feuert die Roboter“ für Aufsehen und animierte zum Nachdenken – scheinbar ist Technologie nicht alles?!

Entwicklung - wer bin ich grau

Betrachtet man die Entwicklung des menschlichen Gehirns und eröffnet die Frage, wohin uns die Digitalisierung führt, ist kritisch anzumerken, dass der Weg möglicherweise auch zu einer Identitätskrise des Menschen führen könnte. Bereits seit vielen Jahren sind diverse Devices fest in unser tägliches Leben involviert, sie bestimmen es teilweise sogar. Wir verlassen uns zunehmend auf unsere „Gehilfen“ – fragen Alexa oder Siri nach dem Weg, geben Befehle, lassen uns bei neueren Automobilmodellen teilautonom fahren oder erhalten visuelle Anweisungen über Smart Glasses… Wir begeben uns in ein gewisses Maß der Abhängigkeit, hören auf selbst zu denken und geben Verantwortung und Selbstbestimmung ab.

Bitte halten Sie an dieser Stelle kurz inne und überlegen Sie, was Sie ohne Ihre technischen Gehilfen wären. Und gehen Sie anschließend noch weiter: Was glauben Sie, wie die Entwicklung voranschreitet? In welcher Welt werden Ihre Kinder leben? Werden Sie angeleitet von Robotern? Der Artikel soll nicht dazu dienen, eine Argumentation gegen den Einsatz von Technologien vorzubringen. Nein, gar nicht. Es geht ausschließlich um eine kritische Betrachtung des Individuums Mensch, dessen Entwicklung und Zukunftsperspektiven. Wenn wir die Ansätze aus der zweiten und dritten industriellen Revolution weitertreiben (Taylorismus, Effizienzdenken, volle Automatisierung) und diese „nur“ um neue Technologien erweitern, bleibt offen, wie erfolgreich dieses Modell sein wird.

Was wäre eine Alternative?

Projektmanagement Akdademie

Bedingt durch den demografischen Wandel und eine andere Werte- und Lebensvorstellung der jungen Generationen, zeigt sich bereits heute, dass es schwer ist, gut qualifizierte Mitarbeiter zu finden und langfristig zu binden. Der Wunsch nach Selbstbestimmung und Individualität steigt – die Geschäftsmodelle sind so ausgelegt. Individuelle Turnschuhe, „meine“ Turnschuhe, Losgröße 1, nur für mich auf Wunsch gefertigt. Warum sollte sich die Vorstellung bezüglich des Arbeitsumfelds gänzlich vom Einkaufverhalten unterscheiden?

Im digitalen Zeitalter wird der Mensch den Unterschied ausmachen – allerdings nicht der Mensch aus der Maschinen-Metapher, sondern der Mensch als Individuum. Neue Formen der Arbeit, Stichwort: New Work und Selbstorganisation, weiten sich aus und rücken zunehmend in den Fokus. Die klassische, traditionelle Führungshaltung „Ich weiß es besser als Du!“ wandelt sich zu „Ich weiß etwas anderes als Du, lass uns gemeinsam eine Lösung erarbeiten!“ oder „Ich freue mich, wenn du Führung und Verantwortung übernimmst!“. Ziel ist das Schaffen einer lernenden Organisation, die jederzeit schnell auf mögliche Unvorhersehbarkeiten reagieren kann. Dies kann nur durch mitdenkende, Verantwortung übernehmende Mitarbeiter realisiert werden, denn einige wenige Manager werden der Geschwindigkeit und Komplexität nicht standhalten können.

Was können Sie als Manager konkret tun?

Reflektieren Sie ihr Führungsverhalten und seien Sie offen für neue Ansätze. Wie bereits im oberen Teil beschrieben, sind die eingesetzten Technologien das Sichtbare, Greifbare in der vierten industriellen Revolution. Viele Unternehmen stürzen sich in ihrem Aktionismus, „auch etwas für Industrie 4.0 zu tun“, auf diesen Bereich. Einerseits mag dies richtig und gut sein, erste Erfahrungen zu machen und Wissen aufzubauen. Allerdings reicht das reine Beschäftigen mit Technologien und Digitalisierung nicht aus – die Organisation will auch mitgenommen werden. Kulturelle Veränderungen werden gebraucht, um geforderter Flexibilität und Wandlungsfähigkeit begegnen zu können.

Und genau das ist es, was Sie als Manager in Ihrem Bereich tun können. Gehen Sie aufrichtig mit sich in die Selbstreflexion und überlegen Sie, wie Sie Ihre Mitarbeiter weiterentwickeln können und wie Sie Freiräume für Potentialentfaltung schaffen können (Tipp: Manager im Feuerwehrmodus). Langeweile wird in den kommenden Jahren nicht auf Sie zukommen, frei nach dem Motto: „Wann ist diese Digitalisierung endlich fertig?“. Sie werden Ihre Mitarbeiter brauchen, um bei dem zunehmenden Veränderungstempo mithalten zu können. Nutzen Sie das Potential!

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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