Stromverbrauch und Blockchain – Innovation auf Kosten der Umwelt?

Veronika Kütt, Prof. Dr. Philipp Sandner

Tatsächlich haben die Bitcoin-Transaktionen einen enormen Stromverbrauch. Über diesen Nachteil der Kryptowährung haben wir mit Prof. Dr. Sandner und Frau Kütt gesprochen. Eignet sich in diesem Zusammenhang der Bitcoin überhaupt als internationales Währungssystem?

Prof. Dr. Philipp Sandner ist zuständig für die Themengebiete Digitalisierung, Entrepreneurship und Innovation an der Frankfurt School of Finance & Management in Frankfurt/M. Er beschäftigt sich intensiv mit Fintech-Startups und der Blockchain-Technologie.

Veronika Kütt ist studierte Mathematikerin und Dozentin. Sie arbeitet derzeit als IT-Beraterin im Asset Management für die Preyer GmbH. Zusätzlich engagiert sie sich als Expertin für Blockchain und Kryptowährungen am Blockchain Center der Frankfurt School. Ihr Fokus liegt auf dezentralen, zulassungsunbeschränkten Netzwerken wie Bitcoin und Ethereum.

Bitcoin verursacht zu viel Energie

Bitcoin hat ein Energieproblem. Zwar ist der Energiekonsum des Netzwerks auf Grund der inhärenten Dezentralität schwierig messbar, aber selbst konservativen Schätzungen zufolge ergibt sich ein horrender Verbrauch: Eine einzelne Bitcoin-Transaktion benötigt rund 500 kWh. Diese Energie reicht aus, um einen deutschen Haushalt rund zwei Tage lang zu versorgen.

Die rasante Preisentwicklung von 5.000 auf knapp 20.000 US-Dollar der Kryptowährung Ende letzten Jahres trug enorm zum rapiden Anstieg des Stromverbrauchs bei. Denn mit dem Preis von Bitcoin erhöht sich der Anreiz für die sogenannten Miner sich am Schürfen der digitalen Währung zu beteiligen.

Bitcoin-Mining und der Energieverbrauch

Miner übernehmen in dezentralen Netzwerken die Verantwortung für die Korrektheit der Daten und somit der Sicherung des Netzwerkes. Eine Aufgabe, die in traditionellen Systemen vertrauenswürdigen Intermediären zufällt. Miner sammeln und validieren Transaktionen und erzeugen, basierend auf einem Blockchain-spezifischen Mechanismus, einen Datenkonsens. Im Fall von Bitcoin geschieht dies durch das rechenintensive Lösen eines mathematischen Rätsels, besser bekannt als Proof of Work (PoW). Das Lösen des Rätsels wird mit Bitcoin entlohnt, ergo: Mit steigendem Bitcoin-Preis wetteifern mehr Miner um die Prämie unter Einsatz ihrer Rechenleistung.

Bitcoin, Strom, Blockchain

Der Kurseinbruch von Bitcoin auf 6.000 US-Dollar (Stand: 14.02.2018) könnte vermuten lassen, dass sich das bestehende Energieproblem von selbst erübrigt. Allerdings darf zu erwarten sein, dass sich der Kurs möglicherweise ebenso schnell erholen wird, wie er jüngst einbrach.

Insofern bleibt die Frage der Nachhaltigkeit dieser potenziell disruptiven Technologie bestehen. Auch Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds, äußerte sich Ende Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos kritisch zum Energieverbrauch von Bitcoin:

„Setzt sich die Preisentwicklung von Bitcoin wie 2017 fort, wird das Netzwerk bald so viel Strom verbrauchen wie Argentinien.“

Bitcoin als internationales Währungssystem?

Würde mit diesem Energieverbrauch ein international funktionierendes Währungssystem mit vergleichbaren Transaktionszahlen wie Visa oder Mastercard betrieben, könnte dieser Stromverbrauch als legitim bezeichnet werden. Allerdings ist Bitcoin mit derzeit rund 300.000 Transaktionen am Tag weit davon entfernt, eine mit Visa vergleichbare Skalierung zu erreichen, das diese Anzahl an Transaktionen in rund zwei Minuten verarbeitet.

Blockchain in Davos

Neben der aktuell fragwürdigen Nachhaltigkeit von Bitcoin diskutierte die Wirtschaftselite in Davos besonders die Implikationen der disruptiven, dem Bitcoin zu Grunde liegenden Blockchain-Technologie für die Zukunft. Diese Technologie, die weit über Kryptowährungen hinausgehen Global Female Leaders, Conference, Konferenzwird, soll weitreichende Veränderungen in nahezu alle Branchen bewirken. Angesichts des hohen Energieverbrauchs von Bitcoin stellt sich nunmehr die Frage, wie die Unterhaltung einer Vielzahl an Blockchains ökologisch tragbar gemacht werden soll. Oftmals missverstanden oder unerwähnt bleibt hier die Tatsache, dass der oben beschriebene PoW-Mechanismus eine Bitcoin-spezifische Eigenschaft ist.

Blockchain ist nicht gleich Blockchain

Die meisten öffentlichen Blockchains basieren auf anderen, weitaus energiesparenderen, „Proof-of“-Konzepten als Bitcoin. Allen voran der Proof-of-Stake-Konsensmechanismus (PoS), bei dem zur Validierung von Transaktionen mit dem Kapital der Nutzer gebürgt wird, anstatt Rechenleistung zu verbrennen.

Insbesondere verfolgen aber private Blockchains, solche, die auf bestimmte Personengruppen oder Unternehmen limitiert sind und zukünftig im institutionellen Bereich Anwendung finden werden, einen ungleich ökonomischeren Ansatz. Aufgrund der gegenseitigen Kenntnis der Teilnehmer am Netzwerk können geringere Anforderungen an den Konsensmechanismus gestellt werden.

Ein Blick in die Zukunft

Doch auch für Bitcoin zeichnen sich Lösungen ab. Aktuell ist ein Trend hin zu erneuerbaren, ansonsten ungenutzten, Energien zur Erzeugung neuer Münzen zu beobachten. Geothermalenergie in Island oder Hydroenergie in Österreich sind gern genutzte Energiequellen für das Bitcoin-Mining.

bitcoin, Blockchain, KryptowährungInsofern ist festzuhalten, dass aus rein energetischer Sicht der Weg für die weitere Entwicklung und Anwendung der Blockchain-Technologie geebnet ist. Vielmehr sind nun Fragen der Regulierung und generelle rechtliche Aspekte zu klären, bewegen sich Kryptowährungen derzeit noch in einem weitgehend unregulierten Raum.

Zudem ist zu sehen, ob die Entwicklung der Blockchain-Technologie den Sprung vom derzeitigen Proof-of-Concept-Status hin zu realen und skalierbaren Anwendungen schafft.

Eines steht fest: Banken müssen umdenken!

Keine andere Branche ist solchen massiven Veränderungen ausgesetzt wie die Finanzbranche. Bleiben Sie in dieser bewegten Zeit up-to-date und treffen Sie auf der Konferenz Zukunft Banken wichtige Akteure und Gestalter der zukünftigen Bankenwelt.
Rückblick: Künstliche Intelligenz In Der Finanzbranche

Rückblick: Künstliche Intelligenz in der Finanzbranche

Die Finanzbranche befindet sich im Umbruch und hat mit der Künstlichen Intelligenz ein neues Anwendungsfeld im Bereich der digitalen Transformation geschaffen. Welche Methoden können bei der Optimierung von Geschäftsprozessen helfen? Und was kommt in den kommenden Jahren noch auf die Branche zu?
Jetzt kostenlos herunterladen!

Lisa Schachner

Ich betreue bei Management Circle die Veranstaltung Global Female Leaders und bin zusätzlich für die Themen Banken und Handelsmarken verantwortlich. Über aktuelle Themen, Trends und kreative Ideen informiere ich Sie gerne und werde dabei die internationale Perspektive nicht aus den Augen verlieren. Ich freue mich darauf Sie kennenzulernen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Künstliche Intelligenz in der Finanzbranche - wie gelingt das?

Die Finanzbranche befindet sich im Umbruch und hat mit der Künstlichen Intelligenz ein neues Anwendungsfeld im Bereich der digitalen Transformation geschaffen. Wie können Sie Ihre Geschäftsprozesse optimieren?

Jetzt herunterladen!

Download: Künstliche Intelligenz in der Finanzbranche - wie gelingt das?

Die Robotik auf dem Vormarsch

Erfahren Sie, wo Roboter bereits im Berufs- und Privatleben eingesetzt werden und ob wir zukünftig bei Fehlern für die Maschinen haften müssen.

Jetzt mehr erfahren!

Download: Robotik im Arbeits- und Privatleben

Welche neuen Geschäftsmodelle bieten sich durch die Digitalisierung?

Informieren Sie sich jetzt, welche Strategien die größten wirtschaftlichen Chancen ermöglichen und wie Sie ihre Produkte und Prozesse verbessern können.

Jetzt herunterladen!