skip to Main Content

Ist das Stromnetz in Deutschland zukunftsfähig?

Ist Das Stromnetz In Deutschland Zukunftsfähig?

Deutschland ist ein Land der Infrastruktur*. Und auch das deutsche Stromnetz ist gut ausgebaut. Nach Angaben des VDE war der durchschnittliche Stromausfall in Deutschland 2014 nicht einmal 12 Minuten lang. Dennoch ist das traditionelle Stromnetz in Deutschland starkem Veränderungsdruck ausgesetzt und wird im zukünftigen Erzeugungsumfeld eine effiziente Versorgung nicht mehr sicherstellen können. Deshalb muss es aus- und umgebaut werden, um die neuen Aufgaben bewältigen zu können.

*Wenn man das Internet einmal ausnimmt.

 

Der Aufbau des deutschen Stromnetzes

Das klassische Stromnetz in Deutschland ist bis heute geprägt von einem Zentralismus, der lange die Erzeugung dominierte: Großkraftwerke, die Strom durch fossile oder nukleare Energieträger produzieren, schicken diesen über weite Strecken zu den Konsumenten. Der Strom wird über ein landesweites Übertragungsnetz in die Verteilnetze gebracht, die ihn schließlich feingliedrig bei den Endkunden ankommen lassen. Dabei war der Verkehr in Richtung der Haushalte bisher immer eine Einbahnstraße und ein umgekehrter Stromfluss in diesem Netz nicht vorgesehen.

Zahlen zum Stromnetz in Deutschland

Übertragungs-/Hochspannungsleitungen:

  • 35.000 Kilometer

Verteilnetz:

  • 76.800 Kilometer Hochspannungsebene
  • 479.000 Kilometer Mittelspannungsebene
  • 1,123 Millionen Kilometer Niederspannungsebene

Vom Kraftwerk in die Steckdose – Anforderungen an das Stromnetz in Deutschland

Die Übertragungsnetze in Deutschland bestehen hauptsächlich aus Überlandleitungen, die von vier Übertragungsnetzbetreibern betrieben werden. Bei den größtenteils aus Erdkabeln bestehenden Verteilnetzen ist die Organisation hingegen deutlich komplexer, denn diese wird von fast 900 Unternehmen gehandhabt.

Die wichtigste Anforderung an das Stromnetz ist eine stabile Versorgung der Verbraucher mit Elektrizität. Das Netz muss sicher sein und vor allem kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser vor Ausfällen schützen. Es muss aber auch eine größtmögliche Effizienz gewährleisten: da die Energie im Netz nicht gespeichert werden kann, muss es Strom in möglichst genau der Höhe erzeugen, die jeweils gerade nachgefragt (bzw. verbraucht) wird.

Energieverbrauch

Bildnachweis: Björn Wylezich – de.fotolia.com

Bisher wurde das Stromnetz so reguliert, dass die Stromerzeugung an die jeweiligen Grundlasten angepasst war und Abweichungen durch Pumpspeicherkraftwerke oder auch Gasturbinenkraftwerke aufgefangen werden konnten, da diese schnell regelbar fehlenden Strom beisteuern. Doch diese Infrastruktur wurde mit der Zeit immer stärkerem Veränderungsdruck ausgesetzt und wird die Herausforderungen der Zukunft so nicht bewältigen können.

Veränderungsdruck: Liberalisierung und Dezentralisierung

Der Druck auf den deutschen Strommarkt entsteht, da dort neue Energiequellen und immer mehr Akteure eine Rolle spielen.

1

Das Energiewirtschaftsgesetz von 1998 öffnete den Strommarkt, der vorher monopolitisch organisiert war. Vorher hatten die Versorger Gebietsmonopole, heute jedoch dürfen Sie deutschlandweit anbieten. Außerdem muss Strom diskriminierungsfrei durch alle Netze geleitet werden und der Netzbetrieb ist mittlerweile, seit der zweiten Novelle des Gesetzes, vom Markt getrennt. Die steigende Anzahl an Akteuren und Tarifen benötigt neue Schnittstellen und Kommunikationskanäle, um den erhöhten Datenaustausch zwischen den Beteiligten bewältigen zu können.

2

Die Erneuerbaren Energien sorgen dafür, dass Strom an immer mehr Orten und mittels kleinerer Kraftwerke erzeugt wird. Im Gegensatz zu den fossilen und nuklearen Energieträgern ist die Erzeugung dieses Stroms jedoch starken Schwankungen ausgesetzt, was eine Herausforderung für die Versorgungssicherheit darstellt. Denn die volatile Produktionsleistung passt nicht zu der bisherigen Versorgungsstrategie.

3

Der Atomausstieg ist seit 2011 beschlossene Sache und verabschiedet einige Großkraftwerke vom Netz. Gleichzeitig sinkt auch der Anteil der aus fossilen Energieträgern gespeisten Großkraftwerke gegenüber kleinen, dezentralen Einspeisern. Somit wird Energie immer dezentraler erzeugt. Auch die Haushalte werden zu Erzeugern und damit einerseits unabhängiger, andererseits aber auch zu Anbietern.

Energiewirtschaft

Bildnachweis: JiSign – de.fotolia.com

Smart Grid und Netzausbau im Zuge der Energiewende

Die Antworten auf die Herausforderung heißen in Deutschland „Intelligentes Stromnetz“ und Netzausbau. Zum einen soll das Stromnetz in Deutschland ausgebaut werden: es braucht weitere Höchstspannungsleitungen, um den aus Windkraft gewonnenen Strom vom hohen Norden nach Süddeutschland zu bringen. Dies wird in Projekten wie dem Bau der SuedLink-Verbindung realisiert. Zum anderen sollen entlang des gesamten Stromnetzes alle Akteure – von Erzeugung über Speicherung und Netzmanagement bis zum Verbrauch – mit Hilfe digitaler Technologien vernetzt werden, um die Erzeugung zu flexibilisieren und besser aufeinander abzustimmen. Auch neue Speicherkonzepte spielen dabei eine Rolle. Jedoch bleibt vieles davon Zukunftsmusik und wäre ein Thema für einen (oder mehrere) weitere Blogartikel.

Energiewirtschaft 2020: Energiewende

Energiewirtschaft 2020: Herausforderung Energiewende

Ist die Energiewende der Regierung überhaupt die Energiewende der Bevölkerung? Mehr dazu in unserem Whitepaper.
Jetzt kostenlos herunterladen!

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top

Wie sieht die Zukunft der Energiewirtschaft aus?

Werfen Sie gemeinsam mit unseren Experten einen Blick auf die Zukunft der Branche und erkennen Sie eigene Handlungsmöglichkeiten!

Jetzt herunterladen!