Smart Working: Home Office und Mobiles Arbeiten

Christ Peter Beitragsbild

Die fortschreitende Digitalisierung macht auch vor der Arbeitswelt nicht Halt: Gefordert werden Flexibilität und Mobilität. Moderne Unternehmen erkennen das Potenzial von Arbeitsplätzen fernab von festen betrieblichen Arbeitsplätzen und dauerhafter Büropräsenz – und bieten ihren Mitarbeitern deshalb flexible Arbeitszeitmodelle wie Home Office und mobiles Arbeiten. Rechtlich ergeben sich hier Unterschiede.

Dr. Peter Christ ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und seit 2016 Partner bei Pinsent Masons Germany LLP in Düsseldorf. Davor war er seit 2013 Partner im Düsseldorfer Büro von Clifford Chance im Bereich Arbeitsrecht. Seine Promotion behandelt Fragen des Tarif- und Arbeitskampfrechts. Er berät Unternehmen zu sämtlichen Aspekten des Individual- und Kollektiv-Arbeitsrechts. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist dabei der Erwerb und die Umstrukturierung von Unternehmen und die damit verbundenen Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Er berät zu den arbeitsrechtlichen Aspekten von Compliance und den damit verbundenen Ermittlungen, insbesondere zum Datenschutz.

Um im Kampf um die besten Talente zu bestehen, genügt es heutzutage nicht mehr, lediglich finanzielle Anreize zu bieten. Immer mehr zukunftsorientierte Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern deshalb auch andere Benefits, um ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt zu steigern. Flexible Arbeitszeitmodelle wie Home Office oder mobiles Arbeiten sind aus der modernen Arbeitswelt im Zeitalter der Digitalisierung nicht mehr wegzudenken. Positiv dabei: Die Einführung von Home Office oder mobiler Arbeit stellt eine Win-Win-Situation sowohl für Mitarbeiter als auch für Unternehmen dar. Damit beide Seiten von den flexiblen Arbeitszeitmodellen profitieren, gilt es bei der Umsetzung jedoch einiges zu beachten.

Die Einführung von Home Office oder mobiler Arbeit stellt eine Win-Win-Situation sowohl für Mitarbeiter als auch für Unternehmen dar.

Home Office und mobiles Arbeiten: Definitionen

Home Office

Home Office liegt vor, wenn der Arbeitnehmer neben oder anstelle seines betrieblichen Arbeitsplatzes auch an einem anderen festen Arbeitsplatz außerhalb des Betriebes arbeiten darf. Der Arbeitgeber hat dafür Sorge zu tragen, dass der Home Office Arbeitsplatz den gleichen gesetzlichen Anforderungen genügt, wie der betriebliche Arbeitsplatz. Der Arbeitnehmer ist bei der Home Office Tätigkeit nicht frei in der Wahl seines nicht-betrieblichen Arbeitsplatzes, sondern muss die Arbeit von einem festen, geprüften Arbeitsplatz erledigen. Dies wird meistens bei dem Arbeitnehmer zuhause sein – zwingend ist dies aber nicht.

Schaubild-Home-Office
Schaubild-Mobiles-Arbeiten

Mobiles Arbeiten

Mobile Arbeit liegt vor, wenn der Arbeitnehmer neben seinem betrieblichen Arbeitsplatz auch an anderen, nicht vorgeschriebenen Orten arbeiten darf. Der Arbeitnehmer muss nicht notwendig von zuhause aus arbeiten. Er muss lediglich seine Erreichbarkeit sicherstellen. Mobiles Arbeiten liegt auch vor, wenn der Arbeitnehmer auf Dienstreisen (mobil) arbeitet.

Flexible Arbeitsmodelle mit Peter Christ

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Gemeinsamkeiten der Modelle

Beide Modelle haben die Gemeinsamkeit, dass der Arbeitnehmer eine nicht unerhebliche Zeit seiner Arbeitszeit nicht an einem Arbeitsplatz innerhalb des Betriebes seines Arbeitgebers verbringt, sondern außerhalb. Während dieser Zeit unterliegt der Arbeitnehmer auch nur in begrenztem Maße der Kontrolle des Arbeitgebers.

Insgesamt sollen beide Modelle zu mehr Flexibilität der Arbeitsverhältnisse, zu größerer Zufriedenheit und zu besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf beim Arbeitnehmer und zu kleineren Anfahrtswegen führen. Bei dem Arbeitgeber wegfallende Arbeitsplätze können eine Kosteneinsparung bedeuten.

5-Why-Methode

Unterschiede

Beim  Home Office existiert ein fester und vollständig eingerichteter Arbeitsplatz (sog. „verfestigter Arbeitsplatz“). Der Arbeitgeber weiß, wo sich der Arbeitnehmer während der verabredeten Home-Office-Zeit aufhält. Meistens wird der Arbeitsplatz beim Arbeitnehmer zuhause eingerichtet sein – dies ist jedoch nicht zwingend. Für das Home Office  gelten die Vorschriften bezüglich des Arbeitsschutzes, die auch am Arbeitsplatz des Betriebes gelten; unter anderem das Arbeitsschutzgesetz, die Arbeitsstättenverordnung und die Bildschirmarbeitsverordnung. Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass der Home-Office-Arbeitsplatz den gesetzlichen Anforderungen gerecht wird.

Im Gegensatz dazu steht es dem Arbeitnehmer beim mobilen Arbeiten grundsätzlich frei, von welchem Ort aus er seine Tätigkeit ausübt. Er hat also freie Wahl bei der Auswahl seines Arbeitsplatzes und ist damit flexibler, als bei einer Tätigkeit im Home Office. Die Arbeitsschutzvorschriften gelten nur sehr eingeschränkt, da keine Vereinbarung über den konkreten Arbeitsplatz besteht.

Organisatorische Umsetzung

Regelungen für Home Office oder mobile Arbeit sind möglich.

Schaubild-Tarifvertrag
Schaubild-Weisung
Schaubild-Arbeitsvertrag
Schaubild-Betriebsvereinbarung

Dem Betriebsrat können in Bezug auf die Einführung von Home Office und mobilem Arbeiten umfangreiche zwingende Mitbestimmungsrechte gem. § 87 Absatz 1 BetrVG zustehen, die den Abschluss einer Betriebsvereinbarung erforderlich machen. Auch wenn kein zwingendes Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats vorliegt, empfiehlt sich der Abschluss einer Betriebsvereinbarung, um die Rechte und Pflichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Home Office oder beim mobilen Arbeiten für alle Arbeitnehmer verbindlich festzulegen.

Betriebsvereinbarungen für mobiles Arbeiten und für Home Office sind in weiten Teilen inhaltsgleich.

Für alle möglichen Regelungsformen empfehlen sich Regelungen insbesondere über

  • Grundsätze wie etwa fehlender Rechtsanspruch auf die Tätigkeit im Home Office oder mobiles Arbeiten sowie ein Widerrufsvorbehalt der Zusage für das Arbeiten an einem nicht-betrieblichen Arbeitsplatz,
  • die Ausgestaltung des Arbeitsplatzes,
  • die Erreichbarkeit und die Erfassung von Arbeitszeit,
  • die Bereitstellung von IT-Infrastruktur und Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk,
  • Kostentragung sowie
  • Datenschutz.

Unterschiede zwischen den beiden Betriebsvereinbarungen ergeben sich insbesondere im Hinblick auf

  • die Begriffsbestimmungen und
  • die Kostentragung.

Wichtig: Bei der Einrichtung des Home Office sind die gleichen Arbeitsschutzvorschriften einzuhalten, welche auch für einen betrieblichen Arbeitsplatz gelten. Die Einhaltung der Vorschriften hat der Arbeitgeber zu überwachen.

Der Arbeitnehmer kann nicht dazu gezwungen werden, sich auf eines der beiden flexiblen Arbeitsmodelle einzulassen.

Neben dem Abschluss einer Betriebsvereinbarung erfordert die Einführung von Home Office oder mobilem Arbeiten jeweils eine einzelvertragliche Vereinbarung mit dem Arbeitnehmer. Der Arbeitnehmer kann nicht dazu gezwungen werden, sich auf eines der beiden flexiblen Arbeitsmodelle einzulassen. Grundsätzlich hat der Arbeitgeber die Pflicht, dem Arbeitnehmer einen betrieblichen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Inhaltlich gelten für die einzelvertragliche Vereinbarung die gleichen inhaltlichen Anforderungen wie für die Betriebsvereinbarung.

Wichtig: Auch bei der Arbeit im Home Office oder bei mobilem Arbeiten sind die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes. Die Einhaltung der Vorschriften obliegt dem Arbeitnehmer. Auf diese Pflicht sollte der Arbeitnehmer ausdrücklich hingewiesen werden.

Hinternisse

Chancen und (rechtliche) Risiken

Bei richtiger Umsetzung kann sowohl die Arbeit im „Home-Office“ als auch die mobile Arbeit eine Win-Win-Situation für den Arbeitnehmer und Arbeitgeber darstellen. Beide Modelle können jedoch bei falscher Anwendung auch Nachteile mit sich bringen.

Chancen

  • Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Kosten- und Zeiteinsparung für Anfahrtswege zum betrieblichen Arbeitsplatz
  • Steigende Mitarbeiterzufriedenheit und Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber
  • Kosteneinsparung für den Arbeitgeber, wenn er nicht mehr ständig den betrieblichen Arbeitsplatz freihalten muss
  • Möglichkeit, auch auf Dienstreisen die Zeit für die Arbeit zu nutzen
  • Stressreduktion und fokussierteres Arbeiten
  • Reduktion der Krankheitstage im Unternehmen

Risiken

  • Fehlende Beziehung zu Arbeitskollegen, sinkendes Team-Gefühl
  • Geringerer Austausch von Know-How
  • Eingeschränkte Kontrollmöglichkeiten, ob und wie gearbeitet wird
  • Gefahr, dass Arbeitszeitvorgaben nicht eingehalten werden (z. B. Arbeiten an Sonn- und Feiertagen)
  • Selbst auferlegter Arbeitsdruck (auch hervorgerufen durch Vorurteile gegenüber dem Home Office)
  • Vermischung von Beruf und Privatleben
  • Größere Gefahr der Ablenkung, vor allem bei der Arbeit von zuhause aus

Flexible Arbeitsmodelle mit Peter Christ

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Ich finde man sollte „mobiles Arbeiten“ auch im Kontext des mobilen Büros betrachten. Also arbeiten von unterwegs aus, denn die Menschheit wird immer mobiler und reist viel mehr und fährt mehr mit dem Auto durch die Gegend. Dazu kommt dass man nötiges Equipment zum ARbeiten von unterwegs benötigt, welches ich mir erst zugelegt habe – meine handwerklichen Tätigkeiten sind nämlich deutschlandweit sehr gefragt weswegen ich nur noch unterwegs bin mit meinem Transporter, und es optimal finde, das dabei zu haben. Das sollte auch in so einem Artikel verstärkt berücksichtigt werden, mobile Arbeiter wie mich.

  2. Hallo Norbert,

    ich stimme da absolut zu! Ich persönlich habe mir so eine mobile Arbeitsstation zugelegt. Diese ist extrem hilfreich.
    Über einen Artikel zu diesem Thema würde ich mich auch sehr freuen!

    Freundliche Grüße,
    Alexander Schuster

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