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Der holprige Weg der Hauptstadt auf dem Weg zur Smart City Berlin

Der Holprige Weg Der Hauptstadt Auf Dem Weg Zur Smart City Berlin
Beitragsserien: Smart City

Bereits am 21.04.2015 wurde ein Strategiepapier verabschiedet, um Berlin zu einer Smart City zu transformieren. Geplant waren selbstfahrende Autos, funkende Mülltonnen und eine App, mit der Bürger Schlaglöcher und Müllberge melden können. Doch was ist aus all diesen Plänen geworden? Ist die Hauptstadt ein Jahr nach dem Beschluss schon zur Smart City Berlin geworden?

Berlin als attraktiver Wirtschaftsstandort mit etablierten aber auch jungen Unternehmen

Berlin ist einer der attraktivsten Wirtschaftsstandorte in Deutschland und Sitz vieler großer Firmen sowie auch zahlreicher Startups. An dieser Stelle seien nur die Deutsche Telekom, Axel Springer, Mozilla oder Startups wie Zalando, Sound Cloud und Onefootball  genannt. Das Besondere an Berlin sind jedoch nicht nur diese Unternehmen, sondern vor allem die Verknüpfung aus Wirtschaft, Forschung und Kreativität.

Diesen Vorteil will das Netzwerk Smart City Berlin einsetzen, um die Hauptstadt international nach vorne zu bringen und die Stadt weiterhin attraktiv und lebenswert zu gestalten. Bei dem Netzwerk handelt es sich um eine Arbeitsgruppe mit mehr als 100 Unternehmen, Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen. Mitglieder des Netzwerks sind unter anderem Bosch, SAP, Siemens und die TU Berlin.

Hauptziel des Netzwerks Smart City Berlin ist es, die Hauptstadt als eine der führenden Smart Cities Europas zu etablieren. Denn bereits heute wird Berlin als innovative Referenzstadt für Dienstleistungen und Produkte der Zukunft verstanden. So sind die weiteren Ziele der Smart City-Strategie auch hoch angesetzt: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit soll ausgebaut und die Ressourceneffizienz gesteigert werden. Außerdem soll Berlin bis 2050 klimaneutral sein.

Da Berlin für Kreativität und unkonventionelle Ideen steht, ist eines der Ziele der Smart City-Strategie auch die Schaffung eines Pilotmarktes für smarte Anwendungen. Zusammen mit etablierten und jungen Unternehmen sollen Innovationslabore geschaffen werden, in denen ausprobiert werden soll, was bereits smart ist und was noch smart werden kann.

Das Testlabor der Technischen Universität Berlin

Bereits 2013 wurde an der TU Berlin ein Urbanes Testlabor aufgebaut, welches auf die wissenschaftliche Begleitung und Erforschung von Smart City-relevanten Themen ausgerichtet ist. Dabei steht nicht nur die technische Innovation im Vordergrund, auch die Gesellschaft, die Politik, die Partizipationsstrukturen und die Gesundheitsversorgung werden dabei an der Universität berücksichtigt. Denn eines ist klar: Eine Smart City kann nicht ohne Smart People bestehen, denn diese realisieren die smarten Städte erst tagtäglich durch ihre Handlungen.

Die Zukunftsorte Berlins

Die sogenannten Berliner Zukunftsorte zeigen das Potenzial der Hauptstadt im Hinblick auf innovative und smarte Entwicklungen. Von diesen Orten profitiert der Wirtschafts- und Investitionsstandort Berlin, da durch sie eine optimale Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft ermöglicht wird.

Technologiepark Berlin-Adlershof

Einer der größten Science-Parks auf der ganzen Welt und der wichtigste Wissenschafts-, Wirtschafts- und Medienstandort Berlins. Hier befinden sich zehn außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, sechs Institute der Humboldt-Universität sowie 1.000 Unternehmen und Einrichtungen.

EUREF-Campus

1825 wurde hier das erste Gaswerk in Berlin gegründet. Heute ist dieser Campus der Impulsgeber für die Energiewende Deutschlands. Zudem ist er Standort für Firmen aus den Bereichen Energie, Mobilität, Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Zudem wird hier mit Günther Jauch eine der bekanntesten Talkshows im deutschen Fernsehen produziert.

Urban Tech Republik

Hier sollen auf dem 495 Hektar großen Gelände des Flughafen Tegels 800 Unternehmen, Startups und Institute angesiedelt werden. Diese beschäftigen sich mit den Themen Industrie 4.0 und Smart City. Auch die Beuth-Hochschule wird ins Terminal einziehen, sodass hier wieder Forschung und Wirtschaft eng beieinander liegen.

Campus Berlin-Buch

100 Jahre Tradition weist dieser Wissenschafts-, Gesundheits- und Biotechnologiepark auf. Auf dem Campus Berlin-Buch arbeiten und forschen unter anderem Einrichtungen wie das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP).

Schöneweide und Wuhlheide

Im Südosten Berlins liegt dieser attraktive Standort für Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Insbesondere profitiert er von der Nähe zum Technologie- und Gründerzentrum Spreeknie und zur Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW).

CleanTech Business Park

In diesem Business Park in Berlin-Marzahn entsteht auf 90 Hektar der größte Industrie- und Gewerbepark Berlins. Damit wird ein Standort für eine der wesentlichen Zukunftsbranchen – dem Cleantech in produzierenden Unternehmen – geschaffen.

Innovative Projekte in Berlin

Elektromobilität spielt bereits eine wichtige Rolle in der deutschen Hauptstadt. Mehr als 2.000 Elektrofahrzeuge befahren die Straßen Berlins. Daher ist es nicht überraschend, dass ein Projekt wie BeMobility (BerlinelektroMobil) in der Hauptstadtregion entstand. Es handelt sich dabei um ein Forschungsprojekt, das Elektro- und Hybridfahrzeuge in den Öffentlichen Verkehr integrieren will. Dabei werden elektrische Carsharing-Fahrzeuge der Deutschen Bahn und auch Pedelecs (e-Call a Bike) eingesetzt.

Zudem sollen die Gäste von Berliner Hotels mit dem Projekt Sleep and Charge die Möglichkeit bekommen, ihr Elektroauto schnell und effizient aufzuladen. Für 175.000 Euro will die Stadt bis zu 50 Ladepunkte errichten und sich damit als die Metropole der Elektromobilität präsentieren.

In der Hauptstadtregion sind außerdem zahlreiche Institute und Unternehmen angesiedelt, die sich mit der städtischen Infrastruktur von Morgen und vor allem auch mit Smart Homes beschäftigen. Dazu ist zum einen das IQ 150 zu nennen, ein Prototyp für intelligente Häuser. Zum anderen gibt es die Bau-Medienagentur e-wohnen. Als Schnittstelle zwischen Projektentwicklern und Herstellern von Smart Home-Anwendungen hat die Agentur bereits eine alte Fabrik zu einem Zukunftswohnhaus umgebaut.

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https://www.youtube.com/watch?v=QbYQIrthf7M

Die Bau-Doku von e-wohnen

Rückschläge für die Smart City Berlin

Schon seit Jahren hat Berlin viele innovative Projekte, die der Stadt den Weg zur Smart City weisen. Der Bundesverband Smart City zählt ca. 40 Projekte mit 20 unterschiedlichen Partnern. Zum Vergleich: Die Smart City Hamburg hat lediglich 5 Projekte mit nur einem Partner. Dennoch belegt Berlin nur den vierzehnten Platz in dem Innovation Cities™ Index 2015, weit hinter der Smart City Wien zum Beispiel, die den vierten Platz belegt.

Grund dafür ist, dass Berlin auf dem Weg zur Smart City auch einige Rückschläge hat hinnehmen müssen. So erhielt die Hauptstadt nicht die 25 Millionen Euro Fördermittel des EU-Programms Horizon 2020. Doch das kam für Nicole Ludwig, Sprecherin für Wirtschaft der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, nicht überraschend. Sie bemängelte, dass die Bewerbung lediglich eine Sammlung von größtenteils bereits laufenden Projekten darstellte. Man habe nur nach weiteren Finanzierungsquellen für diese Projekte gesucht und den smarten Faden dabei vernachlässigt.

Die Berliner Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung, Cornelia Yzer, sagte in einem Interview im Februar 2016, dass Berlin in dem Prozess zur Smart City im Hinblick auf die Wirtschaft sehr gut aufgestellt ist. Dennoch sei die Hauptstadt noch am Anfang, wenn es darum geht, die innovativen Projekte von Seiten der öffentlichen Hand in den Einsatz zu bringen.

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https://www.youtube.com/watch?v=xkhmueXs2tM

Note ungenügend und mangelhaft: Fällt die Smart City Berlin durch?

Doch auch Unternehmen bewerten den Zustand der Smart City Berlin kritisch. Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) stellte im Oktober 2015 eine Untersuchung vor, aus der hervorging, dass 51 Prozent von 121 Experten den Ist-Zustand der Smart City Berlin mit der Schulnote 4 oder schlechter bewerten.

Vor allem Startups fühlten sich unzufrieden und vergaben die Note „mangelhaft“. Dieses Ergebnis kann unter anderem auf die Politik zurückgeführt werden. Denn die Befragten wünschen sich mehr unterstützende Maßnahmen des Senats und bessere politische Rahmenbedingungen. Eine bessere Ausstattung mit Breitband-Internet wurde ebenfalls von 20 Prozent der Befragten gefordert.

Trotz allem blicken die Unternehmen Berlins laut VBKI-Umfrage optimistisch in die Zukunft. 72 Prozent gehen davon aus, dass sich in den kommenden fünf Jahren der Markt für Smart City-Produkte positiv entwickeln wird. Doch reicht das aus, um endgültig zur Smart City Berlin zu werden?

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Hallo Marina,

    vielen Dank für interessanten Beitrag.

    Weißt Du, wie das Thema Smart City aktuell in der Hauptstadt behandelt wird? Aktuell findet man immer noch nur das alte Strategiepapier und keine aktuellen Maßnahmen oder Projekt.

    Viele Grüße
    Christian

    1. Hallo Christian,

      leider weiß ich nichts Neues zu berichten. Ich hoffe, dass ich im Juli auf dem Immobilienforum Berlin mehr zur Smart City Strategie erfahren werde.
      Wenn ja, wirst du es sicherlich auf unserem Blog zu lesen bekommen :)

      Liebe Grüße
      Marina

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