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Schlafen beim Autofahren – sind autonome Autos wirklich die Zukunft?

Schlafen Beim Autofahren – Sind Autonome Autos Wirklich Die Zukunft?

Obwohl sich die EU vorgenommen hat, die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 zu halbieren, sind im Jahr 2015 wieder mehr Menschen bei Autounfällen ums Leben gekommen. In Deutschland lag das Wachstum bei 2,9 Prozent: 3.475 Menschen starben auf deutschen Straßen. Das selbstfahrende Fahrzeug soll die Straßen in Zukunft sicherer machen. Doch wie weit sind wir davon entfernt, beim Autofahren schlafen oder Filme schauen zu können?

Autonomes Fahrzeug ist nicht gleich autonomes Fahrzeug

Seit 2009 arbeitet der Internetkonzern Google an einem selbstfahrenden Auto. In Kalifornien haben die Fahrzeuge von Google bereits mehr als zwei Millionen Kilometer auf öffentlichen Straßen zurückgelegt. Auch die Automobilbauer haben den neuen Trend erkannt und entwickeln ihrerseits autonome Fahrzeuge. So fahren mittlerweile führerlose Fahrzeuge von BMW, Mercedes-Benz, Audi, Volkswagen, Tesla, Ford und Nissan auf den kalifornischen Straßen.

Während Google das Auto vollständig revolutionieren will, in dem es Fahrzeuge ohne Lenkrad und Pedale baut, setzen gerade deutsche Automobilhersteller auf eine Evolution des Automobils. So wird in Deutschland auch zwischen fünf Automatisierungsgraden unterschieden: assistiertes, teil-, hoch- und vollautomatisiertes sowie autonomes Fahren. Assistenztechniken sind heute schon in den Fahrzeugen integriert, während vollautomatisierte und autonome Fahrzeuge lediglich in Prototypen vorliegen. Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass ab 2050 größtenteils nur noch autonome Fahrzeuge auf den Straßen zu sehen sein werden. Automobilhersteller aus Deutschland sind sich jedoch nicht so sicher. Seit Jahren werben diese mit Slogans wie „Freude am Fahren“. Das bestätigt auch eine Umfrage: Zwar würden sich zwei Drittel der Autofahrer ein Auto wünschen, dass auch automatisiert fahren kann, sie fürchten aber auch um ihren Fahrspaß.

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https://www.youtube.com/watch?v=_qE5VzuYFPU

Ist ein kleines auffälliges Fahrzeug die Zukunft?

Auch bei der Optik unterscheiden sich die deutschen Automobilhersteller wie Mercedes und BMW von dem Internetriesen Google. Google setzt auf ein kleines, niedliches Auto, welches durch den fußballgroßen Laserradar auf dem Dach leicht als selbstfahrendes Fahrzeug zu erkennen ist. Die Größe ist höchstwahrscheinlich auf das Einsatzgebiet Stadt zurückzuführen. Denn Google sieht das autonome Auto vor allem in urbanen Regionen.

Die deutschen Automobilhersteller haben einen ästhetischen Anspruch an ihre Fahrzeuge. Von außen soll sich das selbstfahrende Fahrzeug nicht von anderen Modellen unterscheiden. Außerdem soll das autonome Fahrzeug lediglich einen Assistenten des Fahrers darstellen. Dieser soll da unterstützen, wo das Fahren langweilig oder anstrengend wird, damit das Autofahren bequem und stressfrei abläuft.

Auto

Bildnachweis: Fotolia/SNEHIT

Gibt es bald wieder mehr Autos auf den Straßen?

Doch genau wegen dieser Bequemlichkeit fürchten Kritiker, dass selbstfahrende Autos zu einem größeren Verkehrsaufkommen führen werden. Wenn das Fahrzeug so bequem und so gut vernetzt wird wie das Zuhause oder das Büro, warum sollten Pendler dann noch auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen?

Außerdem gibt es in der Technik, der Politik und vor allem im juristischen Bereich noch einige Hindernisse für selbstfahrende Autos. Bis jetzt gibt es kaum Gesetze, die auf autonomes Fahren zugeschnitten sind. Einen Anfang machte dieses Jahr Kalifornien, das Versuchslabor der selbstfahrenden Automobile. Das kalifornische Regelwerk sieht vor, dass ein Mensch jederzeit die Kontrolle über das selbstfahrende Fahrzeug übernehmen kann. Damit verstoßen die Fahrzeuge von Google, die ohne Pedale und Lenkrad gebaut wurden, gegen diese Richtlinien. Außerdem wird neben der allgemeinen Fahrerlaubnis ein zusätzliches Zertifikat benötigt, um ein autonomes Auto „fahren“ zu dürfen.

Statue of justiceAuch die Haftung ist noch nicht geklärt: Kann ein Mensch, der zwar hinter dem Steuer sitzt, das Auto jedoch nicht selbst fährt, für einen Autounfall verantwortlich gemacht werden? Als erster Automobilhersteller hat Volvo angekündigt, die volle Haftung bei Unfällen zu übernehmen.

Ein vollautomatisiertes Fahrzeug ist noch Zukunftsmusik

Neben den juristischen Hürden liegen auch technische Schwierigkeiten vor. Die künstliche Intelligenz des Autos wird nicht (nur) durch Befehle gespeist. Das Fahrzeug lernt wie ein Fahrschüler das richtige Verhalten durch Übung. Deswegen brauchen selbstfahrende Autos vor allem diese praktischen Erfahrungen. Sie lernen mit jedem Kilometer erst dazu.

Dass noch viele „Fahrstunden“ vonnöten sind, beweist nicht nur der erste Unfall von Googles selbstfahrendem Fahrzeug. Google gab zu, dass in der Testphase 272 Mal ein Mensch eingreifen musste, weil die Technologie die Situation auf der Straße nicht richtig beurteilen konnte. So kann ein autonomes Fahrzeug beispielsweise nicht die Mittellinie überqueren, weil es den Verkehrsregeln widerspricht – auch wenn ein anderes Fahrzeug nur kurz in zweiter Reihe parkt. Ende 2015 wurde außerdem ein Google Fahrzeug von der Polizei angehalten. Es war mit seinem 38 km/h zu langsam und stellte daher eine Verkehrsbehinderung dar.

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https://www.youtube.com/watch?v=lbrW16aNGtU

Testfahrten auf deutschen Straßen

Auch in Deutschland dürfen selbstfahrende Autos ihr Können testen. So fuhr die Mercedes S-Klasse bereits 2013 die 103 Kilometer lange historische Bertha-Benz-Strecke zwischen Mannheim und Pforzheim komplett autonom. Auch Audi absolvierte schon kilometerlange Autobahnstrecken – jedoch lediglich geradeaus. Beim Abbiegen musste der Audi-Fahrer wieder ans Steuer. Auf der Strecke zum Münchener Flughafen gelang dem Prototypen von BMW jedoch nicht nur die autonome Autobahnfahrt, sondern auch das Abbiegen am Münchner Autobahnkreuz Neufahrn.

Außerdem werden auf deutschen Autobahnen auch selbstfahrende Lastkraftwagen getestet: Daimlers 40-Tonner fuhr 2015 zum ersten Mal in Baden-Württemberg mit bis zu 80 km/h auf der Autobahn.


[Update]

Am 01. Juli 2016 wurde bekannt gegeben, dass sich ein tödlicher Unfall mit einem autonomen Fahrzeug ereignet hat. Weder das Fahrzeug, das autonom fuhr, noch der Mann hinter dem Steuer bemerkten den weißen Sattelanhänger eines Wagens aufgrund des sehr hellen Himmels und fuhren ungebremst hinein. Das Model S von Tesla habe den weißen Sattelanhänger für ein hochhängendes Straßenschild gehalten und deswegen die Vollbremsung nicht eingeleitet.

Doch trotzdem sollte dieser Unfall nicht überbewertet werden. Tesla betont, dass bereits rund 210 Millionen Kilometer in dem autonomen Modus absolviert wurden, bevor es zu einem tödlichen Unfall kam. Im regulären Straßenverkehr in den USA gebe es einen Todesfall pro 151 Millionen gefahrenen Kilometern. Weltweit liegt der Wert sogar bei 97 Millionen Kilometer. Die US-Straßenverkehrssicherheitsbehörde untersucht, ob es sich um ein technisches Versagen handelt.

 

 

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Doch, ich glaube dass selbstfahrende Autos die Zukunft werden und unsere Vorstellung von Mobilität enorm ändern werden.
    Man stelle sich nur vor, das diese Autos an Sammelplätzen stehen und auf „App-Klick“ vor die Tür kommen. Damit wird auch das Problem der geringen Reichweite der Elektroautos gelöst – man fährt so lange die Reichweite reicht und dort wartet schon das nächste Auto.

    Das ändert auch die Stadtdbilder, die Parkplätze in allen Straßen werden unnötig – da kann man sich völlig revolutionäre Szenarien ausmalen in denen der Besitz eines eigenen Autos für fast alle unsinnig wird. Und aus dem Fahrzeug wird damit wirklich wieder ein „Fahr“-zeug und kein „Steh“-zeug, das 90% der Zeit irgendwo untergebracht werden muss.
    Bei intelligenter Steuerung können daraus auch ein Art „fahrerlose Sammeltaxen“ entstehen welche unter optimaler Platzausnutzung und demit geringem Energieverbrauch je Person jeden an seinen gewünschten Ort bringen können.

    Also zuverlässige selbstfahrende Autos könnten die Zukunft unserer Welt enorm ändern.

  2. Hi Marina Vogt,
    Ersteinmal möchte ich sagen, dass dies ein sehr interessanter Artikel ist. Aber eigentlich wird ja überall indirekt erkennbar, dass Tesla eigentlich komplett die Nase vorn hat, was autonomes Fahren etc. betrifft. Allein mit ihrer Aussage, dass sie niemanden anklagen, der ihre Technologie benutzt, zeigen sie schon indirekt, dass sie der „Big Boss“ sind und man sie kopieren will, dies ihnen aber egal ist. Das wirkt unbewusst. Es wird sehr schwer für Audi oder andere Massenhersteller sein, sich dem Wandel anzupassen. Auch wenn ich gerade im Jahr 2017 schreibe, hat sich in der Hinsicht nicht viel bei den klassischen Herstellern geändert. Naja, mal sehen was die Zukunft so bringt;) Und Sie haben definitiv damit Recht, dass noch viele Hürden, v.a. gesetztlich, kommen werden und wir diese überwinden müssen.
    Nochmals toller Beitrag!
    LG Caesar Schütz

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