Scheitern als Chance: Was hat ein Luftschiff mit Digitalisierung zu tun …

Carl-Heinz Von Gablenz: Scheitern, Chance, Luftschiff, Digitalisierung

… und warum soll CargoLifter disruptiv sein, wo das doch pleite ist?

Disrupt 2018: “Failed Stories & Lessons Learned – aus gescheiterten Ideen lernen und dabei Innovationen entdecken, die so nicht geplant waren” – so im Aufmacher der Trend-Konferenz zu lesen und dazu der Vortragstitel “CargoLifter – Failed Story – eine post mortem Analyse”! Was soll ausgerechnet CargoLifter auf einer Konferenz, die sich vorwiegend mit “Digitalem” beschäftigt und was kann man aus der alten Story heute noch lernen?! Carl-Heinrich von Gablenz, Vorstandsvorsitzender von CargoLifter, verrät genau das im folgenden Beitrag.

Carl-Heinrich von Gablenz ist Vorstandsvorsitzender der CargoLifter AG. Er hat das Projekt mit initiiert und von Beginn an alle Aktivitäten koordiniert. Nach einem juristischen Studium mit Promotion war Dr. Carl-Heinrich von Gablenz zunächst im Finanzbereich tätig, wechselte dann in die Industrie als Vorstand im Bereich Maschinenbau, wo er für die Bereiche Finanzen, Verwaltung und Materialwirtschaft verantwortlich war. Anschließend übernahm er eine Gastprofessur an der Universität von North Carolina, Chapel Hill, im Fachgebiet Logistik, wo er unter anderem auch das logistische Grundkonzept für ein neues Frachttransportsystem erarbeitete.

Die ungeahnten Möglichkeiten des digitalen Netzes

Wenn heute “digital” in aller Munde ist und disruptiv eigentlich nur etwas Digitales sein kann, so mag es überraschen, dass ein Hardware-Projekt wie CargoLifter seinen gedanklichen Ursprung in der Analyse der Digitalisierung hat! Während meiner Zeit als visiting research Professor an der University of North Carolina at Chapel Hill beschäftigte ich mich im Sommer 1993 mit dem Thema Logistik vor dem Hintergrund der zu erwartenden Globalisierung nach dem Ende des Kalten Krieges, dem Fall der Mauer und Zerfall der Sowjetunion, sprich dem Ende des Denkens der Welt in zwei Lager. Die Welt war offen und durch das aufkommende “worldwide web” sozusagen vor Jedermanns Tür, also “global”. Spätestens nach meinem Experiment in Prof. Brooks virtual lab, bei dem ich virtuell durch die real noch in Trümmern liegende Frauenkirche in Dresden wandern konnte, war klar, was da auf uns zukommt: Alles was nur irgendwie in diese zwei banalen Zeichen umgewandelt werden kann, wird irgendwann über dieses die Welt umspannende Netz abgewickelt werden.

Was hat das für Auswirkungen auf die Logistik? Man kann seine Produkte nicht mehr nur in einem Laden verkaufen, sondern ins Netz stellen.

Und wenn der Kunde sie dort bestellt, dann wird man die Ware zu ihm bringen.

Man berät nicht mehr, man holt oder gibt alle Informationen übers Netz – was es zu kaufen gibt, wohin die Ware geliefert werden soll, wann sie ankommt usw.

Automatisierung

Sicher war das Ausmaß dessen, was da heute über Amazon und Co. abgewickelt wird, nicht erkennbar – aber dass sich da eine gewaltige Veränderung anbahnt – das war klar!

Die Geburtsstunde des CargoLifters

Wo liegen dann die Probleme und die Chancen in der Logistik? Entweder in der Auslieferung der Waren oder da, wo trotz aller Digitalisierung das physische Problem des Transportes an sich bleibt, alles was weder in einen PKW noch LKW noch in einen Container passt oder dorthin soll, wo es keine Straßen gibt. Also ins andere Extrem – groß und schwer und nicht digitalisierbar. Und statt über enge oder kaputte Straßen gleich per Luft, denn der Luftraum ist überall, egal ob darunter Land oder Wasser ist oder eine schlechte oder gar keine Straße. Flugzeuge benötigen Startbahnen, Hubschrauber verbrennen Sprit ohne Ende also so etwas wie ein Luftschiff – ein schwebendes Gerät, mit dem man Lasten von oben aufheben kann und sie an den Bestimmungsort fliegt und von oben wieder absetzt – der “CargoLifter” war geboren!

Der Weltrekord und Untergang des innovativen Luftschiffs

Das war im Sommer 1994 und zwei Jahre später haben wir mit 96 Aktionären die CargoLifter AG in Wiesbaden gegründet, darunter die potenziellen Kunden wie ABB, Siemens und Linde oder Spezialisten im Transport wie Schenker, Fagioli, DacoTrans, AirFoyle usw. Ein richtig schönes joint venture von Markt, Dienstleistern und Technikunternehmen. Einziger Haken – man wollte einen fliegenden Kran, der mindestens 160 Tonnen bewegen konnte. Das ergab zwangsläufig ein ziemlich großes Luftschiff, das nicht gerade billig sein konnte und auch nicht in ein oder zwei Jahren aus dem Boden gestampft werden konnte.

Kraft, Kampf, Power, Master, Durchsetzen

Aber getragen von einem Zeitgeist, der just ab 1996 die Augen und Ohren und auch Geldbörsen für wirkliche Innovationen öffnete, konnte innerhalb von fünf Jahren dank des bemerkenswerten Engagements von 70.000 Aktionären und 300 Millionen Euro einiges erreicht werden:

Der gesellschaftsrechtliche Rahmen wurde gelegt, die luftfahrtrechtlichen Genehmigungen erwirkt, ein Team aus Fachleuten aus der ganzen Welt zusammengestellt, das Luftschiff entwickelt und letztlich ein Demonstrator gebaut, der immerhin 55 Tonnen gehoben hat – bis heute ist das als Einzelast Weltrekord.

Dann krachten die Flugzeuge in die Twintowers, die Luftfahrt versank in Angst und Schrecken und die Wirtschaft in Depression – sprich der Zeitgeist drehte und statt Innovatoren hatten die Controller in den Konzernen das Sagen. 2002 damit das Aus, insolvent, gescheitert und ab da wie im Programm angekündigt “post mortem”!

Die wichtige Erkenntnis: Scheitern bedeutet nicht das Aus einer Innovation!

Da hat man aber den Willen und die Ausdauer von CargoLifter-Machern und -Aktionären unterschätzt. Von wegen post mortem! Nachdem die alte AG (bis heute!) vom Insolvenzverwalter gewürgt wird, haben wir eine neue CargoLifter gegründet. Wir, das sind 900 Aktionäre, die nun befreit vom Druck der Industrie nicht gleich von Null auf 160 (Tonnen) setzen müssen, sondern klein anfangen und Schritt für Schritt vom handlichen Ballon als (Bau-)Kran bis zum motorisierten Lastenträger wachsen können.

Und warum soll das nun besser sein bzw. inwiefern hat dieses Scheitern im ersten Anlauf Innovationen entdeckt, die so nicht geplant waren?
Echte Innovationen, sogenannte Basisinnovationen, scheitern in aller Regel immer im ersten Anlauf. Entscheidend ist, was dann passiert.

Scheitern, Innovation, Idee

Wenn es diesmal klappt, dann schaffen wir Lösungen im Bereich Heben und Transportieren, die uns tatsächlich in ein paar Jahren ganze Abläufe effizienter gestalten lassen, die mit weniger Material, Energie und weniger Beeinträchtigungen der Umwelt Gegenstände und sogar Personen heben und transportieren können in einer Art, wie “man” sich das heute noch nicht vorstellen kann. Und das hätte dann natürlich Auswirkungen auf heute geläufige Verfahren – und damit wären wir bei Disrupt 2018!

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Martina Große Bley

Ich bin bei Management Circle Teamleiterin für das Content Marketing und unter anderem für die Themen-Blogs Soft Skills, Projektmanagement und Handel verantwortlich. Mit abwechslungsreichen Artikeln, Interviews und Gastbeiträgen unserer Referenten informiere ich Sie über die neusten Entwicklungen und gebe Ihnen Tipps, um die eigenen Kompetenzen verbessern zu können. Ich freue mich auf den Wissensaustausch mit Ihnen!

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