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Risikoinventur: Neue aufsichtliche Anforderungen

Risikoinventur: Neue Aufsichtliche Anforderungen

Aufbauend auf dem Interview mit Walter Schauf mit dem Thema Neuausrichtung des aufsichtlichen Leitfadens zur Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte werden in dem nachfolgenden Beitrag mögliche Auswirkungen auf die Risikoinventur dargestellt. Unser Experte Sven Warnecke berichtet über die Überarbeitung der Risikoinventur unter Berücksichtigung der neuen aufsichtlichen Anforderungen zur Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte.

Sven Warnecke ist Berater bei der 1 PLUS i GmbH in Nürnberg. Zentrale Themen im Rahmen seiner Beratertätigkeit sind die Gesamtbanksteuerung und Sicherstellung des ICAAP/Risikotragfähigkeit sowie allgemeine bankaufsichtliche Fragestellungen bezogen auf Basel II und Basel III. Nach einem dualen Studium an der Hochschule der Deutschen Bundesbank in Hachenburg begann er seine berufliche Laufbahn bei der Deutschen Bundesbank in der Hauptverwaltung in Hessen als bankgeschäftlicher Prüfer. Hier war er im Bereich der Gesamtbanksteuerung/ICAAP sowie bei einem Projekt zur Modellrisikomessung bei dt. Großbanken mit Aufenthalten in London, New York und Singapur tätig.

Was beinhalten die neuen Anforderungen?

Auf den ersten Blick scheinen die Anforderungen des neuen Leitfadens zur Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte sowie des damit korrespondierenden ICAAP-Guides der Europäischen Zentralbank auf das Thema Berechnung der Risikotragfähigkeit, Bestimmung der aufsichtlichen Eigenmittel sowie auf die Ausgestaltung von adversen Szenarios fokussiert zu sein. Geht man, unter Betrachtung dieser Aspekte, den Risikomanagementkreislauf allerdings logisch gesehen von Beginn an durch, steht an erster Stelle die Frage, welche Risikoarten eigentlich vorhanden sind und als wesentlich für das Institut klassifiziert werden. Diese wird durch die Risikoinventur beantwortet.

Überarbeiten der Risikoinventur

VeränderungBei vielen Instituten stellt die Risikoinventur einen wiederkehrenden, notwendigen Prozess dar, im Rahmen dessen in der Regel nur das Zahlenwerk aktualisiert wird. Fraglich ist jedoch, ob diese Konzepte im Rahmen der Etablierung der neuen Risikotragfähigkeitsansätze nicht ebenfalls überarbeitet werden müssen. Im Wesentlichen lassen sich hierfür zwei Argumente finden, welche in den folgenden Absätzen erläutert werden sollen.

Mit der Fokussierung der neuen normative Perspektive auf eine Betrachtung von Säule 1- und Säule 2-Risiken sowie der Notwendigkeit einer Mehrjahresplanung stellt sich zwingend die Frage, wie mögliche in der Säule 2 identifizierte Risiken das Eigenkapital des Instituts beeinflussen können. Um eine korrekte Überleitbarkeit der Säule 2-Risiken darzustellen, muss somit eindeutig definiert sein, wie diese auf das Eigenkapital wirken. Diese Definition oder Wirkungskette kann im Rahmen der Risikoinventur erfolgen.

Wirkungsketten: Praktisches Beispiel

Risiko und ChanceBeispielhaft soll dies am Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch (IRRBB) dargestellt werden. Hierbei kann die barwertige Sichtweise des IRRBB eindeutig mit Risikokapital limitiert werden. Ergänzend stellt sich die Frage, inwiefern dies für die ertragsorientierte Sichtweise ebenfalls möglich ist. Das Hauptaugenmerk dieser, ist die Fähigkeit eines Instituts Kapital zu generieren/thesaurieren. Es ist fraglich, ob hier eine Eigenkapitalunterlegung sinnvoll ist. Hieraus könnte entgegen der aufsichtlichen Anforderungen zunächst der Schluss gezogen werden, dass eine weitere Betrachtung dieser Perspektive nicht notwendig ist. Betrachtet man jedoch die Wirkungskette von einem reduzierten Zinsertrag, schlägt sich diese über die Gewinn- und Verlustrechnung und der Eigenkapitalveränderungsrechnung im Eigenkapital nieder. Somit wird – mit dem Eigenkapital – eine der Kerngrößen in der normativen Sichtweise direkt beeinflusst. Dadurch wird eine Betrachtung der ertragsorientierten Perspektive notwendig gemacht. Diese muss zwar nicht zwingend in Form einer Kapitalunterlegung erfolgen, das Institut sollte die Entwicklung der Größe jedoch überwachen. Um – allgemein betrachtet – den Zusammenhang zwischen der normativen und ökonomischen Perspektive korrekt abzubilden, ist somit eine Betrachtung aller Wirkungsketten für alle Risikoarten sinnvoll.

Bedeutung einzelner Risikoarten

Neben diesem Aufzeigen von Wirkungsketten sollte die Bedeutung einzelner Risikoarten für das Geschäftsmodell ein prominenteres Gewicht bekommen. Dies soll anhand der sogenannten nicht-finanziellen Risiken, also Risiken, welche nur sehr schwer quantifizierbar sind, dargestellt werden. Als Beispiel soll hier eine Direktbank dienen. Das Geschäftsmodell der meisten Direktbanken basiert auf einem kostengünstigeren Angebot, da keine Filialen unterhalten werden müssen. Der einzige Vertriebskanal ist somit häufig das Internet bzw. ihre eigene Homepage. Ein Wegfall oder Ausfall dieses Vertriebskanals, möglicherweise verbunden mit der zeitweise ausbleibenden Zugriffsmöglichkeit von Kunden auf ihre Konten, würde das Geschäftsmodell massiv beschädigen.

Vor diesem Hintergrund sollte das Risiko aus einer Fehlfunktion der IT als wesentlich eingestuft werden, obwohl auf den ersten Blick kein Risiko eindeutig quantifizierbar ist.

Verbindet man dieses Risiko nun mit den im vorherigen Abschnitt genannten Wirkungsketten und somit der eher buchhalterischen Sicht, würde sich sogar über eine relativ grobe Rechnung ein finanzieller Schaden bestimmen lassen. Ein Wegfall bzw. eine Kündigung von Kundenkonten führt zu einem Ausbleiben von Provisionserträgen bzw. je nach Bonität des Kunden zu einem Ausfall von Zinsen. Dies reduziert im Endeffekt wiederum das Eigenkapital. Basierend auf einer Schätzung, wie viele Kunden bei einem andauernden Ausfall der IT-Systeme ihre Kontoverbindung kündigen würden, würde sich, in diesem stark vereinfachten Fall, somit ebenfalls eine Schadenszahl an das IT-Risiko schreiben lassen.

In Summe zeigt sich somit, dass eine Überarbeitung der Risikoinventur vor dem Hintergrund der zwei genannten Aspekte (Aufzeigen der Wirkungsketten einzelner Risikoarten und engere Verbindung der Risikoinventur mit dem eigentlichen Geschäftsmodell) nicht nur einer Erfüllung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen dient. Darüber hinaus sollte diese ebenfalls für das Management von Kreditinstituten im Eigeninteresse sein, um ein besseres Verständnis für die vorhandenen Risiken und mögliche Abhängigkeiten zu gewinnen.

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Martina Große Bley

Ich bin bei Management Circle Teamleiterin für das Content Marketing und unter anderem für die Themen-Blogs Soft Skills, Projektmanagement und Handel verantwortlich. Mit abwechslungsreichen Artikeln, Interviews und Gastbeiträgen unserer Referenten informiere ich Sie über die neusten Entwicklungen und gebe Ihnen Tipps, um die eigenen Kompetenzen verbessern zu können. Ich freue mich auf den Wissensaustausch mit Ihnen!

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