Überspringen zu Hauptinhalt

Rahmenbedingungen beim Bezug von Reporting-Dienstleistungen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft Teil 2

Rahmenbedingungen Beim Bezug Von Reporting-Dienstleistungen Einer Kapitalverwaltungsgesellschaft Teil 2

Im ersten Teil des Artikels „Rahmenbedingungen beim Bezug von Reporting-Dienstleistungen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft“ wurde über den Auslagerungstatbestand beim Bezug von Fondskennziffern einer Kapitalverwaltungsgesellschaft diskutiert. Welche Auswirkungen hat das für die Banken und welche Anforderungen greifen beim Auslagerungsbestand? Herr Schönstedt, Direktor bei Union Investment, befasst sich im zweiten Teil mit dem MaRisk Reporting und der damit einhergehenden Risikotragfähigkeit eines Fondsinvestments. Dabei geht er auf die Vorteile für Banken ein und zeigt zukünftige Entwicklungen am Beispiel von Union Investment auf.

Leif Schönstedt ist Direktor bei Union Investment Institutional in Frankfurt/M., Diplom-Wirtschaftsmathematiker und Leiter Beratung und Regulatorik. Er kam 2007 zur Union Investment-Gruppe und verantwortet hier die Analyse und Implementierung aufsichtsrechtlicher Neuerungen zu Basel III und MaRisk für Banken. Er ist zentraler Ansprechpartner für den regulatorischen Kundenservice und in die Entwicklung regulatorisch getriebener Anlagelösungen Institutioneller Kunden eingebunden.

Schwerpunkte bilden aktuell die methodische Weiterentwicklung bereitgestellter Risikokennzahlen für Institutionelle Kunden und die Erstellung der Daten für Meldezwecke von Genossenschaftsbanken. Zuvor war er in verschiedenen regulatorisch befassenden Bereichen der Deka Bank-Gruppe tätig.

Leif Schönstedt

Leif Schönstedt

Wie kann ein MaRisk Report einer Fondsgesellschaft aussehen?

Das MaRisk Reporting einer Fondsgesellschaft muss einem Institut die Wahl lassen, wie das Fondsinvestment in der Risikotragfähigkeit (RTF) zu berücksichtigen ist. Immer eine vollständig korrelierte Risikokennzahl zu verwenden wird nicht bei jedem Institut zum Ziel führen. Daher entwickelt sich ein MaRisk Report zur Toolbox für die RTF.

Die Angabe der Teilrisiken des Marktpreisrisikos (MPR), bspw. Zins-, Aktien-, Währungs-, Rohstoff-, Spread-Risiko, Immobilienrisiko, für unterschiedliche Haltedauern wird notwendig. Das berechnete Adressenrisiko (ADR) muss Ausfall- und Migrationsrisiko umfassen. Damit wird es einer Bank möglich, unterschiedliche Abbildungen der Fonds in der RTF zu simulieren: Korrelationen können auf unterschiedlichen Ebenen ein- oder ausgeschaltet werden. Addiert man beispielsweise zum Adressenrisiko alle einzelnen Teilrisiken des Marktpreisrisikos, erhält die Bank eine Korrelation = 1 Risiko, welches der Direktanlagemethodik sehr ähnlich ist. Und schließlich kann das korrelierte Value at Risk (VaR) als kleinster Risikowert in der Kette gefunden und zur RTF Abbildung in der Bank herangezogen werden.

Eine Bank sollte sich für eine Fondsrisiko-Abbildung in der RTF immer für den Weg entscheiden, der für die Bank plausibel ist, der individuellen Situation in der Bank Rechnung trägt und über die Angemessenheitsprüfung der Bank ausreichend dokumentiert werden kann.

Die Angemessenheitsprüfung in einer Bank ist neben dem Auslagerungsvertrag die zweite wichtige Voraussetzung der Kennzahlenverwendung einer Fondsgesellschaft. Fonds können in unterschiedlicher Weise in der RTF berücksichtigt werden. Wünscht die Bank eine sehr konservative Abbildung, die der Abbildung der Direktanlage im Depot-A sehr nahe kommt, käme eher die Korrelation = 1 VaR in Frage. Der Wert kann jedoch auch mit verschiedenen Nachteilen bspw. in der Steuerung der Bank verbunden sein.

Hat sich die Bank jedoch mit den Korrelationseffekten und deren Stabilität auseinander gesetzt, kommen weitere Möglichkeiten der Fondsrisikoabbildung in Betracht. Je nach Tiefe und Umfang der bankindividuellen Dokumentation wird damit eine Art Torbogen aufgemacht, den die Bank an der Stelle „durchfahren“ kann, die für sie am besten passt. Wichtig ist, dass für alle Möglichkeiten valide und konsistente Kennzahlen durch eine Kapitalverwaltungsgesellschaft, ggf. gesichert über ein Auslagerungsverhältnis, bereitgestellt werden. Die Bank muss darauf aufbauend ihre Angemessenheitsdokumentation erstellen, wobei wiederum der Fondsmanager unterstützen kann.

Was sind die wesentlichen Vorteile für eine Bank?

Operative Aufwände der eigenen Berechnung in einer Bank über die notwendige Verarbeitung einzelner Wertpapierkennnummern (WKNs) im eigenen System entfallen, wenn das Leistungsangebot einer Fondsgesellschaft genutzt wird. Es entfallen nicht nur diese Aufwände für die Bank, sondern es werden die dann notwendigen Angemessenheitsprüfungen der Bank für die eigene Risikoberechnung der einzelnen Fondsbestände in den eigenen Systemen nicht erforderlich. Herausfordernd wird es für eine Bank, wenn der Fonds im Vergleich zur Direktanlage in völlig anderen Anlagewerten investiert ist, deren Abbildung durch die Bank im eigenen System für die aufsichtliche Dokumentation nachvollzogen werden muss.

Was könnten zukünftige Anforderungen an den Kennzahlenbezug ausmachen?

Erste Fondsgesellschaften, wie Union Investment, haben begonnen, Bescheinigungen über die freiwillige Prüfung der Ermittlung der Eigenmittelanforderungen für das Risiko einer Anpassung der Kreditbewertung (CVA-Risiko), Abzüge von den Posten der Eigenmittel, Angaben zu den mit besonders hohem Risiko verbundenen Positionen und Angaben zur Anrechnungsfähigkeit für die Liquiditätsberechnung für die einzelnen Investmentvermögen zu erstellen bzw. diese über einen Wirtschaftsprüfer erstellen zu lassen.
Hintergrund für diese freiwillige Prüfungsbestätigungen ist, dass auch Meldewesenkennzahlen gemäß CRR von einer Fondsgesellschaft mit Testat eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers einfacher durch eine beziehende Bank weiterverarbeitet werden dürften. Das ist vergleichbar zum bisherigen Vorgehen für Kreditrisiko-Standardansatz (KSA) Gewichte oder die Fremdwährungsposition, für die bereits seit Jahren eine Wirtschaftsprüferbestätigung notwendig wird.

Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis die Verwaltungspraxis der Aufsicht auch für alle weiteren fremdgerechneten Fondskennzahlen im Meldewesen, wie beispielsweise die Mindestliquiditätsquote (LCR), die Klassifikation eines Fonds oder die Berechnung der Eigenkapitalbestandteile und der CVA-Charge in Richtung Auslagerungstatbestand laufen wird.

Erhalten Sie weitere Informationen!

Meistern Sie den Umfang und die Komplexität regulatorischer Anforderungen. Mehr Informationen erhalten Sie beim Seminar Regulatory Office. Wir freuen uns auf Sie!

Digitalisierung in Banken

Digitalisierung in Banken

Die Digitalisierung ist für Banken ein wichtiges Projekt. In unserem Whitepaper lesen Sie Analysen, Praxisberichte und Meinungen zu wichtigen strategischen und praktischen Herausforderungen.
Jetzt kostenlos herunterladen!

Martina Große Bley

Ich bin bei Management Circle Teamleiterin für das Content Marketing und unter anderem für die Themen-Blogs Soft Skills, Projektmanagement und Handel verantwortlich. Mit abwechslungsreichen Artikeln, Interviews und Gastbeiträgen unserer Referenten informiere ich Sie über die neusten Entwicklungen und gebe Ihnen Tipps, um die eigenen Kompetenzen verbessern zu können. Ich freue mich auf den Wissensaustausch mit Ihnen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

An den Anfang scrollen

Künstliche Intelligenz in der Finanzbranche - wie gelingt das?

Die Finanzbranche befindet sich im Umbruch und hat mit der Künstlichen Intelligenz ein neues Anwendungsfeld im Bereich der digitalen Transformation geschaffen. Wie können Sie Ihre Geschäftsprozesse optimieren?

Jetzt herunterladen!

Download: Künstliche Intelligenz in der Finanzbranche - wie gelingt das?