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Norwegen: Der Energiespeicher Europas

Norwegen: Der Energiespeicher Europas

Schon lange wird im Kontext der Energiewende das Speicherproblem thematisiert. Können wir in Deutschland genug Kapazitäten schaffen, um die Schwankungen in der Erzeugung erneuerbarer Energien abzudämpfen? Viele Speichertechnologien sind entweder teuer oder ineffizient. Natürlich wird an vielem geforscht. Aber eine mögliche Antwort glaubt man im Ausland gefunden zu haben. Genauer: In Norwegen. Denn das Land in Skandinavien wird nicht umsonst häufiger als die „Superbatterie“ Europas bezeichnet…

Deutschlands ambitionierte Energieziele brauchen stärkere Speicher

Bild von Windrädern auf einer grünen WieseBis 2050 möchte Deutschland 80 Prozent seiner Energie durch erneuerbare Energien gewinnen. Das ist ein ambitioniertes Ziel. Wenn man so stark auf Wind und Sonne setzt, braucht man auch starke Speicher. Denn die Energie wird dezentral erzeugt und die Netze müssen entlastet werden. Die derzeitige Speichersituation sieht jedoch nicht perfekt aus: Zwar wird durchaus genug Energie produziert – gerade aus Wind. Jedoch reichen die Speicherkapazitäten nicht, um auch zu Spitzenzeiten komplett sorgenfrei auf Strom zurückgreifen zu können.

Die Kapazitäten unserer größten Speicher, der Pumpspeicherkraftwerke, reichen bislang nicht aus. Gerade einmal 40 Gigawattstunden Kapazität haben diese. Und sie sind alle als Kurzzeitspeicher ausgelegt, die jeweils in bis zu acht Stunden leer laufen. Dabei müssten sie eigentlich auch in der Lage sein, den Bedarf von einigen Wochen zu decken. Für den Ausbau der Pumpspeicher wird mit einem Potenzial von weiteren 10 Gigawattstunden gerechnet. Zwar gibt die Topographie des Landes mehr her, aber lokale Widerstände gegen den Bau solcher Speicher erschweren deren weitere Verbreitung.

Wenn also nicht Power-to-Gas oder innovative Betonspeicher die Antwort sein sollten, muss eine andere Lösung gefunden werden. Bislang wird diese im Ausland gesucht.

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https://www.youtube.com/watch?v=G6azxbrJZr4

Norwegen versorgt sich zu fast 100 Prozent aus Wasserkraft.

Norwegen: Europas „Superbatterie“

84 Terawattstunden. Das ist das Speichervolumen der norwegischen Pumpspeicher. Etwas mehr, als in Deutschland – und das hat seine Gründe. Zum einen ist Norwegen ein Land mit hohen Bergen und viel Niederschlag. Das sind gute Bedingungen für Wasserkraft. Diese Bedingungen werden zum zweiten ausgenutzt, da die Norweger extrem viel Energie verbrauchen. Um etwas extravagant ihre Bürgersteige zu beheizen, aber auch, damit es im Winter einfach in den Häusern warm ist.

Dieses enorme Speicherreservoir möchte in Zukunft auch Deutschland mitnutzen. Zu diesem Zweck existiert das NordLink-Projekt, in dessen Rahmen bis 2020 ein 620 Kilometer langes Unterseekabel von Schleswig-Holsteing nach Südnorwegen gelegt werden soll. Mit einer Übertragungskapazität von 1.400 Megawatt fügt es die beiden Strommärkte zusammen. Eine weitere, gleich starkes Leitung soll mit dem NorGer-Projekt realisiert werden, das in Niedersachsen startet.

Das Ziel: Deutschland möchte bei Unterversorgung günstig Strom aus den norwegischen Speichern einkaufen können. Andersherum können Überschüsse aus der deutschen Windenergie wieder nach Norwegen verkauft werden. Damit wird in beiden Ländern die Versorgungssicherheit erhöht. Zwei Milliarden Euro soll das Projekt am Ende kosten.

Präzedenzfälle in Niederlanden, Dänemark und Großbritannien

Deutschland ist nicht das erste Land, welches diesen „Tausch“ plant. In Dänemark und den Niederlanden laufen bereits ähnliche Verbindungen zu Norwegen durch die Nordsee. Vor allem Dänemark ist prädestiniert für ein solches Geschäft, denn das Land deckt über 40 Prozent seines eigenen Bedarfs mit Windstrom und hat damit einen der höchsten Windstromanteile der Welt. Und auch Großbritannien hat letztes Jahr ein Kabel in Auftrag gegeben: Mit dem North Sea Network wird eine ähnlich starke Leitung wie NordLink und NorGer bis 2021 betriebsbereit sein. Mit dem Ausbau dieses Netzes werden Norwegens Seen langsam aber sicher zum Stromspeicher Europas.

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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