Neue aufsichtliche Anforderungen zur Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte

Artikelbild Walter Schauf

Walter Schauf hat uns in einem Interview die aktuellsten Fragen zur Neuausrichtung des aufsichtlichen Leitfadens zur Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte beantwortet. Die Antworten geben einen guten Überblick, welche aufsichtlichen Anforderungen Ihr Institut in Zukunft beachten muss.

Walter Schauf ist Leiter des Referates Bankgeschäftliche Prüfungen 1 bei der Hauptverwaltung Düsseldorf der Deutschen Bundesbank. Er verfügt über langjährige Prüfungserfahrung und ist vor allem mit komplexen aufsichtlichen Prüfungen (Handelsgeschäftsprüfungen, Marktrisikomodellprüfungen, Abnahme von Rating-Verfahren, Kreditgeschäftsprüfungen) betraut. Darüber hinaus ist Walter Schauf als Referent von internen und externen Seminaren zu Fragen der Bankaufsicht und bankgeschäftlichen Prüfung tätig.

Die Neufassung des RTF-Leitfadens

Was waren die Gründe für die Neufassung des RTF-Leitfadens zur Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte?

Walter Schauf nennt uns zwei wesentliche Gründe, die zu einer Neufassung des RTF-Leitfadens geführt haben:

1

Mit den Leitlinien der European Banking Authority (EBA) zum aufsichtlichen Überwachungs- und Bewertungsprozess (SREP) haben sich wichtige Veränderungen der Aufsichtspraxis ergeben. So sind aufsichtliche Kapitalzuschläge, die in der Vergangenheit nur in Ausnahmefällen verhängt wurden, im Rahmen des SREP nun eher der Regelfall. Das hat Auswirkungen auf das für die Unterlegung von Risiken verfügbare Deckungspotenzial.

2

Die EZB hat mittlerweile ihre Erwartungen an den institutsinternen Prozess zur Beurteilung der Angemessenheit des Kapitals (ICAAP) für bedeutende Institute (SI) formuliert und im März 2018 in einem Leitfaden veröffentlicht. Das bleibt nicht ohne Rückwirkungen  auf die aufsichtlichen Anforderungen an weniger bedeutende Institute (LSI).

BaFin und Bundesbank haben dies zum Anlass genommen, den RTF-Leitfaden aus dem Jahr 2011 grundlegend zu überarbeiten und an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen.  

Die Änderungen des RTF-Leitfadens auf einen Blick

Was sind die wichtigsten Änderungen in dem neuen RTF-Leitfaden?

Bemerkenswert ist zunächst die klare Struktur des neuen RTF-Leitfadens. Auch wurde der Detaillierungsgrad der Regelungen reduziert und eine ausgewogenere Darstellung von Deckungsmasse und Risiken angestrebt.

Anders als in den Going-Concern-Ansätzen alter Prägung, bei der die aufsichtlichen Mindestkapitalanforderungen nicht zur Risikoabdeckung herangezogen werden können, kann nach dem neuen RTF-Leitfaden nun das gesamte Risikodeckungspotenzial den ermittelten Risiken gegenübergestellt werden. Dafür sind die Risiken mit strengen, auf seltende Verlustausprägungen abstellenden Risikomaßen und Parametern zu quantifizieren.

Inhaltlich erwartet die Aufsicht von den Instituten zudem, dass sie in ihren Risikotragfähigkeitskonzepten künftig zwei sich ergänzende Perspektiven zugrunde legen: eine normative und eine ökonomische Perspektive.

Der normative und ökonomische Blickpunkt

Was kennzeichnet die beiden Sichtweisen – die normative und die ökonomische Perspektive?

Die ökonomische Sichtweise ähnelt der bisherigen Liquidationsbetrachtung. Hier werden Deckungsmasse und Risiken nach ökonomischen Gesichtspunkten – losgelöst von der Abbildung in der externen Rechnungslegung – quantifiziert und gegenübergestellt.

Die normative Sichtweise ist eine Neuerung in dem RTF-Konzept.  Sie bezieht sich auf die Gesamtheit der regulatorischen Anforderungen und beinhaltet insbesondere auch eine Kapitalplanung, die sich auf einen Dreijahreszeitraum bezieht und ein Planszenario sowie ein adverses Szenario umfasst.

Verschiedene Szenarien in der Kapitalplanung

Was unterscheidet die Kapitalplanung im Planszenario bzw. adversen Szenario?

Checkliste

Im Planszenario wird ein regulärer, d.h. planmäßiger Verlauf der Geschäftsentwicklung und Rahmenbedingungen unterstellt. Dementsprechend erwartet die Aufsicht, dass alle regulatorischen Anforderungen und Zielgrößen eingehalten werden.  

Im adversen Szenario bzw. Szenarien ist eine für das Institut ungünstige Geschäftsentwicklung und/oder Veränderung der Rahmenbedingungen zugrunde zu legen. In diesem Szenario sind zumindest die SREP-Gesamtkapitalanforderungen einzuhalten.

Neuausrichtung nötig?

Sind mit der Veröffentlichung des RTF-Leitfadens die Risikotragfähigkeitskonzepte der Institute zwingend neu auszurichten?

Übergangsfristen sind in dem RTF-Leitfaden nicht vorgesehen, weil die Institute tradierte Fortführungsansätze bis auf Weiteres weiter nutzen können.  Eine zeitliche Befristung der Nutzung dieser Ansätze ist gegenwärtig nicht vorgesehen. Die bisherigen Regelungen für Fortführungsansätze alter Prägung wurden in dem Annex des neuen RTF-Rundschreibens zusammengefasst.  Sie gelten für tradierte Ansätze auch weiterhin.

Hat das Institut jedoch bisher bereits einen Liquidationsansatz verwandt, wird eine  zeitnahe Umstellung auf die ökonomische Betrachtung erwartet.

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Lisa Schachner

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