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München und sein schwieriges Verhältnis zu Hochhäusern

München Und Sein Schwieriges Verhältnis Zu Hochhäusern

Viele deutsche Städte setzen verstärkt auf den Hochhausbau, da die Anforderungen an Wohn- und Büroimmobilien weiter steigen und die Bauplätze immer rarer werden. Doch nicht so München: Seit 2004 dürfen in der bayerischen Landeshauptstadt keine Hochhäuser über 100 Meter gebaut werden, um der historischen Fassade der Stadt nicht zu schaden. Warum das so ist und welche neuen Hochhäuser in München trotzdem geplant sind, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Wann gilt ein Gebäude als Hochhaus?

Hochhaus

Nach Baurecht kann ein Gebäude als Hochhaus gelten, wenn der Fußboden des obersten Geschosses 22 Meter über der natürlichen Geländeoberkante liegt. Gemeinhin wird jedoch unter einem Hochhaus ein Gebäude verstanden, welches die umliegenden Bauwerke wesentlich überragt. Wolkenkratzer – sogenannte Skyscraper – sind hingegen Bauwerke, deren Höhe die 200 Meter Schranke überschreitet.

Gerade wegen ihrer Größe besitzen Hochhäuser einen erheblichen Symbolwert. Sie stehen für Fortschritt und Macht. Die Rechnung ist dabei sehr einfach: Je größer das Hochhaus, desto mehr Macht und finanzielle Stärke wird suggeriert. Es scheint so, als wäre dieser Symbolgehalt in München nicht von großem Interesse.

Warum es in München keine Hochhäuser gibt – oder doch?

Wenn man der obengenannten Definition folgt, so zählt man 1.800 Hochhäuser in München. Deutschlandweit wird dieser Wert lediglich von Frankfurt, Berlin und Hamburg übertroffen. 1929 wurde mit dem ehemaligen Technischen Rathaus das erste Hochhaus in München erbaut. Die Höhe betrug 45 Meter.

uptown-munchen

Hochhaus Uptown München

2004 wurde das bisher größte Gebäude Münchens eröffnet: Das Hochhaus Uptown München. Mit seinen 146 Metern befindet sich das Münchner Hochhaus jedoch lediglich auf Platz 20 der höchsten Gebäude Deutschlands. Im selben Jahr sollten auch zwei weitere Hochhäuser in München entstehen: Die 148 Meter hohen Bürotürme auf dem Siemens-Gelände und ein 146 Meter hohes Gebäude des Süddeutschen Verlags. Diese zwei Bauprojekte führten in der bayerischen Landeshauptstadt zu einer kontroversen Diskussion, die zu einem Bürgerentscheid führte, der bis heute noch wirksam ist.

Der Bürgerentscheid von November 2004 prägt noch heute das Stadtbild Münchens

Während der damalige OB Christian Ude sich für den Bau von Hochhäusern im äußeren Ring Münchens aussprach, war Alt-OB Georg Kronawitter gegen jegliche Hochhäuser, welche die Frauenkirche überragen. Seiner Meinung nach schaden diese hohen Gebäude dem Stadtbild Münchens. Letztendlich setzte sich Kronawitter durch: Von den knapp 920.000 Wahlberechtigten beteiligten sich nur 21,9 Prozent an der Abstimmung. Davon stimmten jedoch 50,8 Prozent für die Höhenbegrenzung. Die beiden Projekte, welche die Diskussion auslösten, mussten umgeplant werden. Interessant ist: Der Bürgerentscheid war nur für ein Jahr rechtlich bindend. Doch seitdem stellen die berühmten Türme der Münchner Frauenkirche mit 98,57 Metern quasi eine magische Grenze dar. Kein Gebäude wurde seitdem mehr höher gebaut – auch außerhalb des Mittleren Rings. Investoren befürchten wohl Bürgerproteste und dadurch Bauverzögerungen.

Immobilienwirtschaft

So wird über Hochhausprojekte in München entschieden – Hochhausstudie München

Der Hochhausbau in München stellt trotzdem kein Tabu dar – solange das Gebäude die magische Grenze von knapp 100 Metern nicht überschreitet. Für die bayerische Landeshauptstadt wurden bereits in den letzten Jahrzehnten zwei Hochhausstudien erarbeitet.

Diese beschäftigen sich mit der Frage, in welchen Bereichen Hochhäuser sinnvoll gebaut werden können. Die Anforderungen sind dabei relativ hoch: Die Gebäude sollen nicht nur an der richtigen Stelle stehen und architektonisch überzeugen, sie sollen außerdem ökologisch und ökonomisch vertretbar sein. Die Münchner Hochhausstudien sollen gewährleisten, dass schützenswerte Bereiche erhalten bleiben. Dabei soll jedoch die Weiterentwicklung der Stadt nicht behindert werden.

Schutzbereiche sind unter anderem die Altstadt, Grünflächen und charakteristische Gebiete, in denen Hochhäuser eine große Veränderung herbeiführen würden. In diesen Gebieten ist eine höhere Bebauung nur nach einer genauen Prüfung möglich. Die Prüfung erfolgt in der Regel durch die Kommission für Stadtgestaltung: Ein Gremium, welches vom Stadtrat eingesetzt wurde und aus Fachleuten und Politikern besteht.

Wird bald doch höher in München gebaut?

Die hohen Miet- und Kaufpreise in München sorgen dafür, dass die Hochhausdebatte wieder an neuer Fahrt annimmt. OB Dieter Reiter und auch Stadtbaurätin Prof. Dr. (I) Elisabeth Merk äußern sich immer häufiger positiv gegenüber Hochhausbauten. Daher wurde im Frühling 2018 eine neue Hochhausstudie für München in Auftrag geben. Zusammen mit dem stadtgestalterischen Hochhauskonzept soll die neue Studie als Leitbild für die Stadtentwicklung fungieren, in der nicht nur potenzielle Standorte, sondern auch die Gestaltung von Räumen, dem Stadtbild, der Topographie und der Sinnhaftigkeit der gesamten Bedeutung für die Stadt aufzeigt werden sollen. Die IZ meldete kürzlich, dass die Studie am 19. November 2019 der Kommission für Stadtgestaltung vorgestellt und diskutiert werden soll. Anfang des kommenden Jahres könnte sie dann dem Stadtrat vorgelegt werden.

Wo können Münchens Hochhäuser entstehen?

Auf dem Immobilienforum München 2018 haben verschiedene Experten darüber diskutiert, wo Hochhäuser in der bayerischen Landeshauptstadt denkbar wären. Fabian Ochs, Geschäftsführer der OSA Ochs Schmidhuber Architekten GmbH, unterbreitete den Vorschlag, neue Hochhäuser in München entlang der Bahnachse zu realisieren. Frau Merk hingegen sprach sich für die Achse zur Messestadt Riem hin aus. Oberbürgermeister Dieter Reiter unterbreitete in einem Interview folgenden Vorschlag:

Ich halte Hochhäuser nicht für gefährlich. Es gibt schon auch Orte in München - gerade entlang der Bahngleise oder am Stadtrand - wo ich mir gut geplante Ensembles vorstellen könnte.

Dieter Reiter, Oberbürgermeister der Stadt München

Diese Hochhäuser sind in München geplant

Während in den 70er und 80er Jahren ungewöhnliche Hochbauten entstanden, wie etwa das 150 Meter lange Arabellahaus oder das einzigartige Hypo-Hochhaus, werden heutzutage eher einfache Grundformen gewählt. Diese Bauart ist wesentlich ökologischer und ökonomischer und die Gebäude passen sich zudem noch besser in das Stadtbild ein. So entsteht zurzeit mit den Bavaria Towers ein neues Hochhausrevier zwischen Berg am Laim und Steinhausen. Die Grenze von 100 Metern werden sie aber nicht überschreiten, selbst der höchste Turm, der Sky Tower, ragt nur 83,6 Meter in die Höhe.

Im Arabellapark soll dagegen ein weiteres ungewöhnliches Hochhaus entstehen: Geplant ist ein 52 Meter hoher Turm mit 16 Geschossen, bei dem die Fassade komplett begrünt ist. Bei der Arabellastraße 26 handelt es sich um ein Pilotprojekt für München, aber auch für Deutschland.

An diesem besonderen Hochhaus sollen ökologische Aspekte wie Klimaeffekte, Sauerstoffproduktion und Feinstaubbindung wissenschaftlich dokumentiert werden. Das Gebäude befindet sich derzeit noch im Bebauungsplanverfahren, 2021 soll der Bau für das grüne Hochhaus beginnen.

Immobilienwirtschaft

Bildnachweis: Aika Schluchtmann Architekten

Derzeit heiß diskutiert wird das neue Stadtquartier an der Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke. Denn die Pläne sehen auch zwei Hochhäuser mit je einer Höhe von 155 Metern vor. Der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung hat den Entwürfen grundsätzlich schon zugestimmt – ob die Türme aber tatsächlich 155 Meter hoch gebaut werden dürfen, ist noch nicht entschieden. Der Baubeginn liegt allerdings noch weit in der Zukunft – voraussichtlich bis zum Jahr 2023 nutzt die Deutsche Post noch die Paketposthalle, Baubeginn soll demnach erst 2024 sein.

Ebenfalls in der Diskussion ist der 99 Meter hohe Büroturm, der auf dem Knorr-Bremse-Areal entstehen soll. Den Anwohnern gefällt der Entwurf nicht, andere fürchten weitere Hochhäuser. Denkmalschützer hatten sich für einen 78 Meter hohen Entwurf ausgesprochen. Das Gebäude solle optisch nicht mit dem Olympiapark konkurrieren, den die Stadt als Unesco-Weltkulturerbe eintragen lassen möchte.

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Kommunikation – ein MUSS für den Hochhausbau

Ob die 100 Meter-Marke in München bald überschritten wird, wird sich erst zeigen. Prof. Dr. (I) Elisabeth Merk zeigte sich auf dem Immobilienforum München 2018 offen für eine Diskussion. Für sie ist nicht entscheidend, dass alle Sichtachsen berücksichtigt werden, sondern dass das Hochhaus sich so gut in die Silhouette eingliedert, als ob es schon immer da gewesen ist. Wer jetzt aber von hohen Skyscrapern träumt, den müssen wir leider enttäuschen:

„Was die Zukunft betrifft, denke ich jetzt bestimmt nicht an 200 Meter hohe Bauwerke.“

Prof. Dr. (I) Elisabeth Merk, Stadtbaurätin der Landeshauptstadt München

Sie betonte auch, dass die Informationsvergabe und die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern Münchens eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Akzeptanz von Hochhäusern spielt. Der Friends Tower hat es beispielsweise geschafft, dass Medien und Bevölkerung ein positives Bild von dem Projekt haben, während der Seven Tower negative Schlagzeilen wie „Der Teuer-Turm für 22.000 Euro pro Quadratmeter: Der MillionenTurm“ hervorgerufen hat.

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Dieser Artikel ist erstmals im Januar 2016 von meiner Kollegin Marina Vogt veröffentlicht worden. Er wird immer wieder aktualisiert, um Sie über die neusten Entwicklungen in Sachen München und Hochhaus zu informieren.

Silke Ritter

Wie werden wir künftig leben und arbeiten? Dieser Frage gehe ich hier im Blog nach. Seit 2012 gehöre ich zum Management Circle-Team, zuvor habe ich nach meinem Germanistik-Studium in der PR-Branche gearbeitet. Als Teil der #GenerationY weiß ich nicht nur um die Wichtigkeit von Hashtags und gutem Content, sondern wünsche mir mehr Mut in Unternehmen für die Digitalisierung. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Themenvorschläge!

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Gibt es auch eine Begründung warum mehr Wohnfläche nicht zu einer Entspannung bei den Wohnungspreisen gibt ?

    Man muss dann halt auch Wohnraum schaffen und nicht nur ein schickes Haus mit 20% Wohnfläche und 80% Büro/Gewerbefläche… Dann ist klar das das Problem dadurch nur noch verstärkt wird…

    1. Hallo Herr Lüdemann,
      aktuell wird beides extrem nachgefragt, Wohnraum und Büroflächen. Die Menschen möchten eben nicht nur zentral wohnen, sondern auch arbeiten. Deshalb werden auch viele Gewerbeflächen neu errichtet.

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