Ein modernes Büro zeugt von guter Führung

Marcel-Abel

Ein modernes Büro ist ein Führungsinstrument. Doch viele Unternehmen lassen dieses wertvolle Potenzial noch ungenutzt liegen. Sie sehen oft in erster Linie den Kostenfaktor. Dabei bietet ein modernes Büro die Chance, die Leistungsfähigkeit, Identifikation und Arbeitszufriedenheit der Angestellten aktiv wie spürbar zu steigern. Die weltweite JLL-Studie „Human Experience“ belegt, dass insbesondere in Deutschland noch ein enormes Potenzial brachliegt, um die tragenden Säulen der Personalführung Engagement, Mitbestimmung und Erfüllung zu stärken. Im Interview verrät Marcel Abel mehr darüber.

Marcel Abel ist Geschäftsführer der Jones Lang LaSalle GmbH und leitet neben dem Düsseldorfer Büro auch die Repräsentanz in der Metropolregion Rhein-Ruhr/Essen. Seit seiner Ausbildung zum Kaufmann in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft und seinem Studium, das er als Diplom-Sachverständiger erfolgreich abschloss, ist Marcel Abel bereits seit über zwanzig Jahren in der Immobilienwirtschaft tätig.

Neben seiner Tätigkeit bei Jones Lang LaSalle ist er Mitglied im Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Landeshauptstadt Düsseldorf, Vorsitzender der Gewerbemaklerplattform des ZIA, Handelsrichter beim Landgericht Düsseldorf und Autor mehrerer Fach-Publikationen.

Indien als Vorbild für engagiertes Arbeiten

Mit 49 Prozent ist nicht einmal die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer der Ansicht, an ihrem Büroarbeitsplatz effektiv arbeiten zu können. Das wirkt sich umgehend auf die Leistungsbereitschaft aus: Nur 36 Prozent bezeichnen sich selbst als „sehr engagiert“. Damit rangiert Deutschland im internationalen Mittelfeld und leicht unter dem globalen Schnitt von 40 Prozent. Globaler Spitzenreiter ist nach dem JLL-Vergleich Indien, wo 69 Prozent ihre Arbeitseinstellung als „sehr engagiert“ empfinden. Beim europäischen Nachbarn Frankreich ist es hingegen nur rund jeder Fünfte. Es wird in Deutschland offensichtlich schon vieles richtig gemacht, doch es ist noch erkennbar Luft nach oben.

 

Kreativität als Schlüssel zum Erfolg?

Rund 7.300 Bürokräfte in zwölf Wirtschaftsnationen, 506 davon in Deutschland, hat JLL befragt – nach ihrer aktuellen Arbeitsplatzsituation, nach ihren Prioritäten, nach ihren Erwartungen an ein ideales Arbeitsumfeld. Als roter Faden zieht sich die Bedeutung des „menschlichen Erlebens“ – der „Human Experience“ – durch alle Länder. Besonders groß ist das Bedürfnis nach respektvollem Umgang, ebenso wie nach Erfüllung und Zufriedenheit am Arbeitsplatz.

Ein Schlüssel zum Erfolg sind kreative Gemeinschaftsräume. Denn größter Wunsch der Mitarbeiter in deutschen Büros ist es, sich auszutauschen, Wissen zu teilen und voneinander zu lernen. 44 Prozent der Befragten geben dies an. Damit liegen sie im weltweiten Schnitt aber deutlich vor den europäischen Nachbarn. Für diesen Dialog wünschen sich viele Teilnehmer der Studie Räume, die Kommunikation, das Miteinander, Gesundheit und Wohlbefinden fördern. Doch für die allermeisten ist es bislang tatsächlich nur ein Wunsch, denn nur 18 Prozent der Befragten haben überhaupt Zugang zu solchen Räumen.

Das Büro-Paradoxon

CoworkingWie viel Informations- und Überzeugungsarbeit allerdings noch zu leisten ist, zeigt ein Paradoxon: Auf der einen Seite ist der Wunsch nach mehr Kommunikationsflächen vorhanden, auf der anderen Seite gibt es auch eine große Scheu vor der Veränderung. So sind 44 Prozent der befragten Bürokräfte in Deutschland keinesfalls bereit, ihr geschlossenes Büro gegen den Großraum einzutauschen. Nur fünf Prozent befürworten Hot Desking, wenn sie dafür innovative Flächen erhalten. Immerhin 43 Prozent stehen diesem Wandel noch unentschlossen gegenüber. Hier ist von der Führung vor allem Überzeugungsarbeit und Kommunikation gefragt, die Ängste nimmt sowie Chancen und Vorteile betont.

Denn klassische Arbeitsräume sind in Deutschland nach wie vor üblich: 83 Prozent der Arbeitnehmer arbeiten in geschlossenen Büros, 28 Prozent mehr als der weltweite Durchschnitt. Das korrespondiert mit einem weiteren globalen Spitzenwert aus Deutschland: So geben 54 Prozent an, dass Konzentrationsfähigkeit die höchste Priorität bei ihrer Arbeit hat. Viele identifizieren ihre Arbeit mit ihrem festen Arbeitsplatz: Nahezu drei von vier deutschen Büroarbeitern (72 Prozent) verbringen fast die komplette Arbeitszeit am eigenen Schreibtisch. Entsprechend schwer tun sich viele mit alternativen Arbeitsräumen oder Home-Office-Modellen.

Fester Arbeitsplatz ade?

In vielen Branchen ist es mittlerweile allerdings so, dass durch flexible Arbeitszeiten, eine rasant gestiegene Mobilität und veränderte Arbeitsprozesse längst nicht mehr alle Schreibtische zugleich besetzt sind. Doch leere Arbeitsplätze sind unnötige Kosten beziehungsweise verschenkter Raum. Der Grundsatz, dass jeder Mitarbeiter einen festen Arbeitsplatz hat, unabhängig von der genauen Arbeitsweise, gehört also der Vergangenheit an. Er ist unwirtschaftlich, blockiert aber vor allem das Potenzial, mehr Kreativität, Austausch und Arbeitszufriedenheit zu fördern. Entsprechend planen Unternehmen zunehmend mit einem Schlüssel, der dieser Realität gerecht wird, den Raum effizient nutzt und Flächen für Kreativbereiche und anderes schafft.

Denn trotz der Verbundenheit zum eigenen Schreibtisch und der Befürchtung, sich im Großraum oder beim Hot Desking nicht konzentrieren zu können, rechnen die meisten Mitarbeiter mit einer spürbaren Verbesserung des Arbeitsklimas durch alternative Raumkonzepte, wie ein weitere Fragestellung der Studie „Human Experience“ feststellt: So wurde gefragt, welche Raumart gefühlt die positivste Auswirkung auf die Arbeit hat, wobei auf einer Skala beginnend bei 0 die 5 die Bestnote war.

Hybride Nutzung

Demnach stehen „Räume für gemeinsame Interessen“ hoch im Kurs – besonders bei der Gruppe der unter 35-Jährigen. Ebenso positiv sehen Büroangestellte hochwertige Café- und Snackbars, um sich dort unkompliziert, aber gesund und schmackhaft zu verpflegen und ins Gespräch zu kommen. Fortschritte für das Unternehmen erhoffen sich die Mitarbeiter auch von Inkubatoren und Acceleratoren – also speziellen Räumen, um Ideen zu entwickeln und möglichst schnell umzusetzen. Allgemeine Kreativräume und externe Coworking-Möglichkeiten rangieren dahinter.

Dass das Bedürfnis nach neuen, offeneren Arbeitswelten längst besteht, zeigt die rasante Expansion von Coworking-Konzepten wie Wework oder der Regus-Tochter Spaces. Hier entstehen in den besten Lagen deutscher Großstädte Angebote, bei denen Selbstständige und Unternehmen flexibel einzelne Arbeitsplätze anmieten können. Auch große Konzerne nutzen dieses Angebot, um ihren Mitarbeitern Abwechslung und ein kreatives Umfeld zu bieten. Zumindest solange, bis die eigenen Büros diesen Standard bieten.

Immobilienforum Düsseldorf – der Branchentreff

Diskutieren Sie mit den wichtigsten Immobilienentscheidern der Landeshauptstadt: Wir beleuchten am 09. April 2017 die Wohnsituation, neue Bürokonzepte sowie Immobilienfinanzierung und die Stadtentwicklung Düsseldorfs.

Moderne Arbeitswelten

Moderne Arbeitswelten

Die Arbeitswelt ist im Wandel: Immer mehr junge Berufstätige stürmen auf den Arbeitsmarkt und auch die Arbeit an sich verändert sich. Daran müssen sich auch die Büroimmobilien anpassen. Aber wie sehen moderne Arbeitswelten aus und sind diese wirklich praktikabel?
Jetzt kostenlos herunterladen!

Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

BIM - Building Information Modeling

Erfahren Sie, was Building Information Modeling ist, wie es das Bauen schneller und günstiger gestalten kann und warum Deutschland bei dieser Technologie dennoch hinterherhinkt.

Jetzt herunterladen!

Neuer Download: Building Information Modeling