Mit moderner Vergütung attraktiv auf dem Arbeitsmarkt positionieren

Dr. Dörrwächter

Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist groß, da müssen Unternehmen Ihre Attraktivität mehr und mehr durch moderne Vergütungsmodelle unter Beweis stellen. Unser Experte Dr. Jan Dörrwächter erklärt jetzt, warum eine variable Vergütung so wichtig ist und über welche Bestandteile moderne Systeme jetzt verfügen müssen.

RA Dr. Jan Dörrwächter ist Senior Partner der hkp/// group. Vor seinem Einstieg in die Beratung war er seit 2004 im E.ON-Konzern tätig, zuletzt als Director Reward & Board Affairs der E.ON SE. Im Zuge der Konzernaufspaltung übernahm er die Leitung des HR Centers of Expertise bei Uniper u. a. mit der Verantwortung für Rewards, Talent Management sowie HR-Controlling. Darüber hinaus verantwortete er die Vergütung und Dienstverträge des Vorstands sowie Vertragsfragen der Executives.

Vergütung heute: Die Bedeutung hat sich verändert

Was bedeutet moderne Vergütung für Sie und welche Bestandteile sollten Personaler allgemein kennen und beachten?

WettbewerbsvorteilModerne Vergütung ist eine Vergütung, welche die Unternehmensstrategie unterstützt. Also eine Vergütung, die auf die Ziele des Unternehmens, des Teams und gegebenenfalls des einzelnen Mitarbeiters ausgerichtet ist und deren Erreichung abbildet. Aktuell sehen wir eine Flexibilisierung insbesondere bei den Nebenleistungen. Viele Unternehmen denken aber auch über eine Beteiligung ihrer Mitarbeiter am Kapital des Unternehmens nach oder haben eine solche schon eingeführt. Vergütung ist heute mehr denn je nicht nur der Lohn beziehungsweise das Gehalt, sondern beeinflusst massiv das Was und Wie der Arbeit.

Variabler Anteil? Ja, aber nicht für jeden gleich

Welche Personengruppen muss man unterscheiden und welche Entwicklungen sind jetzt wichtig?

Vergütung bildet in der Regel die Komplexität, Größe, Internationalität und Branche eines Unternehmens ab – auf allen Hierarchieebenen. Je größer die individuelle Verantwortung ist und je stärker eine Funktion Einfluss auf den Unternehmenserfolg hat, desto stärker sollte die Vergütung individuell und variabel ausgestaltet sein. Über die Festvergütung sollte dabei stets die normale Lebensführung abgedeckt sein, die variablen Bezüge sollten dagegen mit dem Unternehmenserfolg atmen und dazu motivieren, sich langfristig überdurchschnittlich zu engagieren. Variable Vergütungen sind dabei längst nicht mehr nur ein Privileg einer kleinen Schar von Führungskräften, sondern haben Eingang bis in tarifrechtliche Strukturen gefunden. Für Vorstände von Aktiengesellschaften ist eine Leistungs- und Erfolgsorientierung der Vergütung sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Schwankungen erwünscht

Warum sollten Vergütungsmodelle variable Teile enthalten und welche Möglichkeiten gibt es?

Positive Feedback, positiv, Smiley, gut. schlecht

Aus Unternehmenssicht bieten variable Vergütungsmodelle die Möglichkeit, die Bezahlung der Mitarbeiter ergebnis- und kostenorientiert zu gestalten. In guten Zeiten kann es höhere variable Bezüge geben, in schlechten Phasen weniger. Dieses Atmen ist aus betriebswirtschaftlicher Perspektive sowie auch mit Blick auf die Incentivierungslehre sinnvoll.

Nun steht insbesondere der Bonus immer wieder im Mittelpunkt…

Als einjährige variable Vergütung ist der Bonus darauf ausgelegt, unter anderem die Erreichung von individuellen und/oder Team-Zielen auf Jahresbasis zu honorieren. Diese Ziele müssen natürlich anspruchsvoll ausformuliert sein, das Was und das Wie einer Tätigkeit berücksichtigen und schließlich von der jeweiligen Führungskraft auch entsprechend bewertet werden. Ist dies nicht der Fall und wird permanent zu positiv und zu wenig differenziert bewertet, verpufft der Effekt – oder noch schlimmer: Dann produziert der Bonus nicht nur Aufwand, sondern wirkt demotivierend und leistungshemmend.

Gibt es auch langfristig ausgelegte variable Vergütungselemente?

Ja, aber anders als der Bonus sind variable Langfristvergütungen oftmals kapitalmarktorientiert, also vor allem aktienbasiert, und auf die Erreichung von Unternehmenszielen auf einer Basis von drei bis fünf Jahren ausgerichtet. Berechtigte sind in der Regel Führungskräfte ab einer bestimmten Ebene sowie ausgewählte Mitarbeiter in erfolgskritischen Rollen.

Moderne Vergütung: Transparent und fair

Wie sieht ein gutes Bonussystem aus?

Verhandeln, KommunikationGute Bonussysteme sind transparent und verständlich. Sie bringen Kriterien für den Unternehmenserfolg sowie gegebenenfalls für die konkrete individuelle Leistung in Einklang. Sie fördern die Zusammenarbeit untereinander und die Kooperation über Bereiche hinweg. Sie atmen mit dem Unternehmenserfolg und honorieren spürbare individuelle Beiträge dazu. Gute Bonussysteme schaffen eine aufeinander abgestimmte Verbindung von Individuum und Organisation.

Transparenz in der Vergütung erhält aktuell eine hohe Aufmerksamkeit. Welche Anforderungen müssen Unternehmen erfüllen?

Transparenz von Vergütung wird vor allem mit Blick auf Vorstandsbezüge diskutiert. Hier hat sich in den letzten Jahren ein deutlicher Wandel vollzogen. Seit dem Vorliegen der entsprechenden gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben verfügt insbesondere Deutschland über eine Vergütungstransparenz, die international beispielhaft ist. Im Zuge der Bemühungen um geschlechterspezifische Vergütungsgleichheit gewinnt aber auch die Transparenz von Vergütung unterhalb der Vorstandsebene an Bedeutung. Unternehmen müssen nach dem Entgelttransparenzgesetz unter bestimmten Voraussetzungen auf Anfrage Auskunft zu Vergütungsstrukturen im Unternehmen geben.

Und wie lässt sich diese Transparenz herstellen?

Spätestens in mittelgroßen Unternehmen braucht es eine Funktionsbewertung als Ordnungsrahmen für Vergütung, Nebenleistungen, Titel etc. Liegt dieser Ordnungsrahmen vor, können Unternehmen rasch und flexibel auch auf Anfragen resultierend aus den neuen gesetzlichen Anforderungen zur Entgelttransparenz reagieren.

Mitarbeiterzufriedenheit durch neue Vergütungsmodelle

Lernen Sie bei dem Seminar Moderne Vergütung und New Pay, wie Sie mehr Vergütungsgerechtigkeit in Ihrem Unternehmen umsetzen können und welche Auswirkungen das Entgelttransparenzgesetz hat. Unsere Experten bringen Sie auf den aktuellen Stand: Welche Alternativen zur klassischen variablen Vergütung gibt es und wie entlohnen Sie zeitgemäß, motivierend und gerecht.

Die Unternehmenskultur Im Wandel

Die Unternehmenskultur im Wandel

Wer eine gesunde Unternehmenskultur schaffen möchte, der muss Kreativität und Ausdauer zeigen. Expertin Anke Nienkerke-Springer erklärt in diesem Whitepaper, was Sie beachten müssen und wie Sie den Wandel meistern.
Jetzt kostenlos herunterladen!

Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

New Work - New What?

Wohin geht die Reise in einer digitalen Arbeitswelt und wie werden wir zukünftig arbeiten? Im Rückblick zur Konferenz New Work werfen wir einen Blick auf die Trends, die uns erwarten.

Jetzt herunterladen!