skip to Main Content

Mikro-Apartments: Einziehen und losleben?

Mikro-Apartments: Einziehen Und Losleben?

Neue Wohnungen kosten Geld, Zeit und viel Energie: Passende Möbel müssen gekauft, Internet- und Stromanbieter rausgesucht werden und auch Dekoration darf in einer gemütlichen Wohnung nicht fehlen. Aber wer hat schon Lust sich wegen eines halben Jahres diesem Stress auszusetzen? Viel einfacher ist es mit sogenannten Mikro-Apartments, wenn die Dauer des Wohnens nur kurz oder noch ungewiss ist. Doch reichen die rund 20 Quadratmeter zum Leben und Wohlfühlen?

Was genau sind Mikro-Apartments?

Was ein Mikro-Apartment auszeichnet, ist in keiner Definition festgehalten. Meistens werden damit Wohnungen in bevölkerungsreichen Metropolen beschrieben, die 20 bis 40 Quadratmeter Wohnfläche besitzen. Außerdem befinden sich die kleinen Apartments in zentraler Lage, sodass der Weg zur Universität oder zum Arbeitsplatz in kürzester Zeit – am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – zurückgelegt werden kann. Mikro-Wohnungen sind gerade für diejenigen Mieter interessant, die nur temporär an einem Ort leben. Somit richtet sich das Angebot vor allem an Studenten, Pendler, Berufseinsteiger und Geschäftsleute, die oft reisen müssen. Bei den meisten Mikro-Apartments handelt es sich um möblierte Wohnungen, in die man sofort einziehen kann. Das lästige Renovieren und der teure Möbelkauf entfallen. Auch im täglichen Leben ist das Konzept des temporären Wohnens sehr praktisch. Oft werden zusätzliche Serviceleistungen wie ein Reinigungsdienst gleich mit angeboten.

Ein Mikro-Apartment in Paris (12qm).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube-nocookie.com/watch?v=vuLJLJZ69zI#t=278

Leben wir in Zukunft nur noch allein?

Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte in Deutschland steigt in den letzten Jahren stetig. Laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes werden bis 2030 fast 43 Prozent aller deutschen Haushalte von nur einer Person bewohnt sein. Das Angebot an Ein- bis Zwei-Zimmerwohnungen in großen Metropolen ist jedoch jetzt schon zu klein, um der großen Nachfrage gerecht werden zu können. So werden in Deutschland – nach New Yorker Vorbild – immer mehr Mikro-Apartments gebaut, um dieser Nachfrage begegnen zu können.

Die Einstellung zum Wohnen und Arbeiten hat sich in den letzten Jahren dramatisch geändert. Wo früher eine Wohnung mit großer Fläche von den vielen Mietern gesucht wurde, wird jetzt nach praktischen, schon eingerichteten Wohnungen gefahndet, um sich nicht mit großen Wohnflächen und hohen Mietpreisen belasten zu müssen. Im Vordergrund steht immer häufiger das attraktive Angebot des Stadtlebens. Immer mehr Menschen sind bereit für eine zentrale Lage auf große Wohnflächen zu verzichten. Der Preis spielt dabei natürlich auch eine Rolle, denn bei möblierten Mikro-Apartments wird in der Regel weniger auf die Miete pro Quadratmeter, sondern auf die absolute Warmmiete geachtet. So kostet die Miete in einem Mikro-Apartment – je nach Standort und Stadt – zwischen 300 und 700 Euro.

Als in Frankfurt 2011 die erste Apartmentanlage fertiggestellt wurde, waren nach einem Monat alle Wohnungen vermietet – und 100 weitere Interessenten haben sich auf eine Warteliste eintragen lassen. Doch anders als erwartet, zogen nicht nur Studenten in die kleinen Wohnungen, auch Berufspendler, Berufseinsteiger sowie Banker und Programmierer interessierten sich für die Mikro-Apartments in der Mainmetropole.

Mikro-Apartments als Investition

Auch für Investoren werden die Mikro-Wohnungen immer interessanter. Die Nachfrage nach zentralen Ein-Zimmer-Wohnungen steigt konstant und wird auch in den nächsten Jahren immer weiter steigen, da der Trend zur Urbanisierung immer weiter zunimmt. Obwohl ein Mikro-Apartment aufgrund der kürzeren Mietvertragslaufzeiten mit etwas höheren Risiken verbunden ist als das Investment in eine Eigentumswohnung, setzen immer mehr Investoren auf diese neue Wohnform. Noch handelt es sich um einen Nischenmarkt. Doch es könnte sich bald zu einer neuen Asset-Klasse entwickeln, da die zunehmende Mobilität der Gesellschaft und des Arbeitsmarktes scheinbar perfekt mit dem Konzept des Mikro-Apartements aufgefangen wird. Außerdem sind möblierte Wohnungen nicht von der Mietpreisbremse betroffen, denn es gibt keinen Mietpreisspiegel für diese Objekte. Die Kosten für ein Mikro-Apartment belaufen sich je nach Standort auf 130.000 bis 300.000 Euro.

Mikro-Apartments in Berlin

Düsseldorf und vor allem Frankfurt am Main sind als Pendlerstädte in Deutschland bekannt. So ist es nicht überraschend, dass in diesen Städten das Angebot an kleinen, flexiblen Unterkünften größer ist als in Berlin. Momentan haben Berliner rund 40 Quadratmeter Wohnfläche pro Kopf zur Verfügung und auch die durchschnittliche Fläche pro Wohnung beträgt um die 70 Quadratmeter. Damit liegen die Werte sehr hoch im Vergleich zu anderen Metropolen. Doch auch Berlin hat den neuen Trend erkannt und so sprießen immer mehr Mikro-Apartment-Projekte aus dem Boden. Berlins Wirtschaft befindet sich im Aufschwung und zieht damit auch immer mehr Arbeitskräfte aus In- und Ausland an. Gerade Menschen aus dem Ausland freuen sich über das neue Mikro-Apartment-Angebot, denn diese kennen das Konzept aus ihrer Heimatstadt.

Micro-apartment-moabit
Micro-apartment-moabit
Micro-apartment-moabit
Micro-apartment-moabit
Micro-apartment-moabit
Micro-apartment-moabit
Micro-apartment-moabit
Micro-apartment-moabit
Micro-apartment-moabit

Ein Mikro-Apartement in Berlin Moabit von Spamroom.

Ein weiterer Grund für die große Nachfrage in Berlin ist natürlich auch die Attraktivität und die quirlige Mentalität der deutschen Hauptstadt. Außerdem steigen die Mietpreise in der deutschen Hauptstadt weiter an, sodass Wohnungen in der Innenstadt für die meisten kaum noch erschwinglich sind.

Es ist also nicht überraschend, dass es mittlerweile über 80 Anbieter gibt, die sich auf Mikro-Wohnungen spezialisieren und deren Wohnungen in Rekordzeit vergeben sind. Die heutigen Mikro-Apartments in Berlin haben außerdem nichts mehr mit den spartanischen Studentenwohnungen von früher gemeinsam. Immer mehr Architekten in Berlin haben es sich zur Aufgabe gemacht, das größte Maß an Lebensqualität und Eleganz auf kleinstem Raum anzubieten.

Höchste Lebensqualität auf 21 Quadratmetern

So beweist zum Beispiel Paola Bagna mit ihrem Architektenbüro Spamroom, dass große Ideen auch auf kleinstem Raum umgesetzt werden können. Ihre Mikro-Apartments sind nicht nur nachhaltig, sondern auch stylish. Die katalanische Architektin setzt auf das Recyceln und Umfunktionieren von Dingen, die ihren bisherigen Zweck schon lange Zeit erfüllt zu haben scheinen. So nutzt sie beispielsweise den alten Parkettboden einer Wohnung, um daraus eine Badezimmertür zu erschaffen. Mit ihrem Minimalismus spiegelt Paola Bagna den Zeitgeist Berlins wieder. In Berlin Moabit verwandelte Spamroom zusammen mit Johnpaulcoss eine 21 Quadratmeter große Altbauwohnung in ein erstaunliches Studio. In dem Apartment befinden sich ein Hochbett, eine kompakte Küche sowie ein kleines aber luxuriöses Badezimmer. Durch versteckte Aufbewahrungsflächen wird der kleine Raum in allen Bereichen ideal genutzt.

Micro-apartment-moabit
Micro-apartment-moabit
Micro-apartment-moabit
Micro-apartment-moabit
Micro-apartment-moabit
Micro-apartment-moabit
Mikro-Appartements

Paola Bagna spiegelt mit ihrem Minimalismus den Zeitgeist Berlins wider.

Kritik am kompakten Wohnen

Doch es gibt auch kritische Stimmen zu diesem engen Wohnkonzept. So warnen Psychologen davor, lange Zeit auf engem Raum zu leben. Das Zuhause sollte nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag ein Rückzugsort sein, an dem man entspannen kann. Dies kann durch den kleinen Wohnraum erschwert werden. Doch Lebensqualität lässt sich nicht in Quadratmetern messen. Wenn man einige Punkte berücksichtigt, kann auch hohe Lebensqualität auf 20 Quadratmetern garantiert werden. In immer mehr Beiträgen wird daher diskutiert, wie man kleine Räume durch Tricks größer erscheinen lassen kann. Sie raten unter anderem zu hellen Farben, Spiegeln und flexiblen Möbeln, welche die Wohnbereiche voneinander abtrennen können.

Auch der Vergleich mit Gefängniszellen ist ein weiterer Kritikpunkt, der immer wieder in den Medien auftaucht. So verglich ein Referent auf dem Immobilienforum München 2016 einige Mikro-Apartments mit norwegischen Gefängnissen und kam zu dem Ergebnis, dass letztere größer und komfortabler seien als so manche Mikro-Wohnung. Auch in Berlin gibt es solche Beispiele: So verfügen beispielsweise Sicherungsverwahrte – das sind Wiederholungstäter, die nach Ende ihres Gefängnisaufenthaltes immer noch als gefährlich eingestuft werden – auf dem Gelände der JVA Tegel über Appartements mit bis zu 20 Quadratmetern.

Mikro-Apartment

Trends der Immobilienbranche: Mikro-Apartments

Erfahren Sie, welche Mikro-Apartment-Projekte Deutschland begeistern und warum diese Assetklasse bei Bewohnern und auch Investoren auf große Beliebtheit stößt.
Jetzt kostenlos herunterladen!

Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare
  1. Mikroapartments finde ich eine gute Lösung um kostengünstiger in zentralen Lagen zu wohnen! Allerdings ist so ein Mikroapartment natürlich nicht für jeden geeignet, mit einer Familie wird es das schon schwierig… Aber als Single kann es eine klasse Lösung sein!

  2. Vielen Dank für den Beitrag. Neulich habe ich eine Reportage über solche Appartements gesehen. Diese sehen sehr klein aus, doch machen einen gemütlichen Eindruck. Wenn sich die Chance ergeben würde, würde ich eines dieser Mini Appartements buchen.

  3. Ich bin der Meinung, dass es sich in großzügigen Apartments deutlich besser wohnt als auf sehr engem Raum – wenn es allerdings nur für einen kurzen Zeitraum ist, geht es natürlich auch, auf kleinem Raum zu leben. Solte aber keine Dauerlösung sein.

  4. Vielen Dank für diesen Artikel über Micro Apartments. Um ehrlich zu sein, ich denke, 40 Quadratmeter sind eigentlich ganz normal. Nun, ich bin auch aus der Großstadt. Sie haben Recht, dass mit Einfallsreichtum der Raum optimal genutzt werden kann, so dass er sich in einer solchen Wohnung viel weniger klein anfühlt.

  5. In Appartements zu investieren funktioniert aber nur, wenn sich der Investor auch über den Demografischen Wandel informiert. Es kann auch sein, dass plötzlich eine Reihe an Wohnungen leer steht, weil sich die Mieter auf dem Friedhof befinden. Gerade für die Pendlerstädte ist es aber sicher sinnvoll, wenn man sich nach kleinen, bezahlbaren Wohnungen umsieht.

  6. Das ist wirklich immer sehr viel Stress in eine neue Wohnung einzuziehen. Wenn ich an meinen letzten Einzug denke war ich auch froh das das alles gut geklappt hat. Jetzt wohne ich schon 10 Jahre ind der Wohnung und bin weiter Happy darüber.

  7. Das ist wirklich einen gute Lösung zur aktuellen Wohnungsnotlage. Ich habe zuhause auch ein sehr kleines Apartment was mir reicht. Am liebsten würde ich dort gar nicht wegziehen wollen. Denn die Lage ist auch wirklich sehr gut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top

4 rechtliche Themen, die Sie im Blick haben müssen

Erhalten Sie einen kompakten Überblick von sieben Experten zu den vier wichtigsten Rechtsthemen im Bau- und Immobilienbereich, angefangen von der BauGB-/BauNVO-Novelle 2017 bis hin zur Umsatzsteuer.

Jetzt herunterladen!

Bleiben Sie up-to-date in Sachen Bau- und Immobilien-Recht