Überspringen zu Hauptinhalt

Architekten 4.0 – Mehr Leistung für besseres Bauen

Architekten 4.0 – Mehr Leistung Für Besseres Bauen

Früher war der Architekt Erfüllungsgehilfe des Bauherrn. Der Bauherr legte seine Wünsche vor, der Architekt machte die Pläne dazu und nahm die fertigen Arbeiten der Bau- und Handwerksunternehmen ab. Heute dagegen sind Bauprojekte durch Regularien und technische Neuerungen weitaus komplexer. Zugleich ist der Bauherr als Einzelperson kaum noch präsent. Architekten müssen also ihr Leistungsspektrum ausweiten – als Generalplaner, Projektsteuerer oder Projektentwickler.

Jan-Oliver Meding hat als Vorstand der REVITALIS AG und Geschäftsführer des Architekturbüros MPP deutschlandweit Projekte in den Bereichen Kultur, Wohnen, Hotel, Pflege und Gewerbe realisiert. Die REVITALIS setzt Projekte inzwischen ausschließlich mit Hilfe von BIM um und investiert konsequent in Mitarbeiterschulungen und den Einsatz der Software.

Jan Oliver Meding

Jan-Oliver Meding

Die Kleinteiligkeit des deutschen Architektur- und Bausektors

QuartiersentwicklungÜber 130.000 Architekten und Stadtplaner gibt es in Deutschland. Sie sind in größeren Immobilienunternehmen, bei der Öffentlichen Hand, vornehmlich jedoch in kleinen und mittelständischen Architektur- und Planungsbüros beschäftigt. Tatsächlich ist die Kleinteiligkeit ein wesentliches Kennzeichen des deutschen Architektur- und Bausektors. Sie kontrastiert mit der zunehmenden Komplexität von Bauprojekten. Wachsende Regularien, technische Neuerungen und erhöhte ökologische Anforderungen an die Immobilie verlangen eine tiefgehende, interdisziplinäre Expertise.

Um als Bauherr nicht den Überblick zu verlieren, haben sich Vergabemodelle durchgesetzt, die gebündelte Kompetenzen auf Auftragnehmerseite zum Ziel haben.  Architekten sollten sich durch eine Ausweitung ihres Leistungsspektrums auf diese Entwicklung einstellen. Eine Umfrage der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ergab beispielsweise, dass es vordringliche Aufgabe sei, das Berufsbild des Architekten auszudehnen. 89 Prozent der befragten Architekten äußerten sich dementsprechend.

1

Der Generalplaner – Planung aus einer Hand

Die Funktion des Generalplaners ist hierbei wesentlich. So gab das Land Berlin beispielsweise zum Jahresbeginn bekannt, dass der Bau dringend benötigter neuer Schulen durch den Einsatz von Generalplanern beschleunigt werden soll. Für die gesamte Planungsphase ist der Generalplaner einziger Ansprech- und Vertragspartner für den Bauherrn, nachgeordnete Planer stehen als Subunternehmer in ausschließlicher Vertragsbeziehung zum Generalplaner.

Zum Kompetenzspektrum des Generalplaners zählen zunächst die übergeordneten Felder der Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung. Weitergehende Bereiche wie die Verkehrsplanung oder die Einbettung in die städtebauliche Gesamtplanung können die Leistung ergänzen. Für einen Generalplaner-Vertrag muss eine genau definierte Vereinbarung mit dem Bauherrn vorliegen, da diese Leistungsbündelung in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) nicht erwähnt wird.

BIM

2

Der Projektsteuerer – Koordination von Planung und Ausführung

Dies gilt auch für die Funktion des Projektsteuerers. Obwohl der Begriff bereits 1977 erstmalig in der HOAI erwähnt wurde, wurde er 2009 aufgrund unklarer Abgrenzungen wieder entfernt. Grundsätzlich verantwortet der Projektsteuerer das gesamte Vertrags-, Kosten- und Zeitmanagement vom Entwurf bis zur Fertigstellung. Hierzu zählen beispielsweise Ausschreibungen an Planer und Bauunternehmen, Mengenberechnungen und die vollständige Dokumentation des Bauprojekts. Architekten können durch wirtschaftliche und technische Kenntnisse Projektsteuerungskompetenzen wahrnehmen und somit dem Bauherrn als Hauptansprechpartner dienen.

3

Der Architekt als Projektentwickler

Gerade die Wirtschaftlichkeit eines Projekts muss im Sinne des „Design-to-Budget“-Ansatzes im Fokus des Architekten stehen. Wenn die Kostenoptimierung vom unbebauten Grundstück bis zur schlüsselfertigen Übergabe zum Leistungskatalog zählt, kann der Architekt auch als Projektentwickler fungieren. Dies umfasst zum Beispiel die passgenaue Nutzung des Grundstücks, ein optimiertes Verhältnis zwischen Bruttogeschoss- und Nutzungsfläche oder auch je nach Immobilientyp genaue Kenntnisse der Betriebsabläufe.

Dass Architekten konsequent die Bauherrenperspektive einnehmen, gehört zur notwendigen Ausweitung des beruflichen Selbstverständnisses. Denn Bauherren sind heute vielfach Fondsgesellschaften oder Asset Management-Unternehmen, die in ihren eigenen Reihen nicht zwangsläufig Bau- und Planungsexpertise abdecken. Die Effizienz in der Realisierung eines Projekts steigert sich mit der frühzeitigen Zusammenführung der verschiedenen Kompetenzen.

BIM – Motor für den Architekten 4.0

Ein wesentlicher Antreiber dieser Entwicklung ist das Building Information Modeling (BIM). Schon die Ablösung der analogen Pläne durch Planungssoftware wie AutoCAD war ein großer Schritt hin zu mehr Effizienz. Mit BIM ändern sich darüber hinaus Arbeits- und Kommunikationsprozesse. Allgemein gesprochen, liegt die Herausforderung in der frühzeitigen Sammlung der Projektinformationen. Durch von Beginn an eingegebene Materialmengen und Leistungsstände im digitalen Modell ergeben sich Effizienzsprünge, die bis in die Betriebsphase reichen. Algorithmen nehmen automatische Mengenberechnungen vor und ermöglichen Prognosen für den weiteren Projektverlauf.

Die Sammlung von Informationen verschiedener Projektparteien bedarf der Koordination. Die Rolle des BIM-Koordinators fällt dem Generalplaner zu: Er führt nicht nur die Angaben zusammen, sondern garantiert im Rahmen der Kollisionsprüfung auch die Einheitlichkeit im Planungsprozess. Da es im Gegensatz zu Großbritannien beispielsweise noch keinen nationalen BIM-Standard in Deutschland gibt, entwickeln Architekturbüros in ihrer Funktion als Generalplaner und BIM-Manager eigene Indizes für eine allgemein verbindliche Begrifflichkeit. So erfüllen sie ihre Rolle als digitale Antreiber der Branche und verantwortliche Projektsteuerer.

Digitale Strategien im Lebenszyklus von Immobilien

Das ImmoTech Forum 2018 bietet Ihnen die Gelegenheit, sich mit Entscheidern über die digitale Zukunft der Immobilienbranche auszutauschen. Erfahren Sie, wie Sie den Anforderungen in einer technologisierten Welt gerecht werden und treffen Sie Jan-Oliver Meding sowie weitere Experten aus der digitalen Immobilienwelt.
BIM

BIM – Building Information Modeling

Erfahren Sie, was Building Information Modeling ist, wie es das Bauen schneller und günstiger gestalten kann und warum Deutschland bei dieser Technologie dennoch hinterherhinkt.
Jetzt kostenlos herunterladen!

Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Da muss ich zustimmen, dank des Building Information Modeling (BIM) haben sich die Arbeits- und Kommunikationsprozesse deutlich erleichtert. Die Koordination ist eine Frage der Organisation aber sehr wohl machbar, wenn man ein bisschen Auge zum Detail beweist! Die meisten Berufe sind wohl nun Frage der Koordination.

  2. Mein Mann und ich sind gerade noch dabei, uns zu überlegen, was uns für unser Eigenheim am wichtigsten ist. Da muss man so viele Posten in der Budgetberechnung berücksichtigen! Dass es auch Architekten gibt, die die komplette Projektentwicklung übernehmen, wusste ich nicht. Ich werde mich noch weiter informieren – das könnte uns ja schon Geld sparen.

  3. Einen Projektsteuerer im Bauvorhaben einzusetzen, finde ich sehr effektiv. So gibt es einen direkten Ansprechpartner für Planer und Bauunternehmen. Außerdem scheint es sehr sinnvoll zu sein, dass ein Architekt für die vollständige Dokumentation verantwortlich ist.

  4. Ich bin damit einverstanden, dass heutzutage Bauprojekte immer mehr komplex sind. Deswegen hat sich der Beruf eines Architekten im Laufe der Zeit verändert. Digitalisierung spielt dabei auf jeden Fall eine wichtige Rolle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

An den Anfang scrollen

Zukunftsaussichten für den Immobilienstandort München

Zwischen Riesenpotenzial und Regulierung: Informieren Sie sich in diesem Whitepaper über die Chancen und Herausforderungen des Immobilienstandorts München.

Jetzt herunterladen!

Bleiben Sie up-to-date in Sachen Bau- und Immobilien-Recht