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MaRisk-Novelle und Banken: Outsourcing wird zur Auslagerung – und schwieriger

MaRisk-Novelle Und Banken: Outsourcing Wird Zur Auslagerung – Und Schwieriger

Unter den vielen Änderungen im Aufsichtsrecht, die derzeit für Banken relevant sind, ist auch die MaRisk-Novelle, die die BaFin im Februar 2016 als Konsultationsentwurf veröffentlichte. Damit wird eine Konkretisierung der Anforderungen an das Risikomanagement angestrebt, wozu auch gehört, dass die Anforderungen an Auslagerungen und das Auslagerungsmanagement erhöht werden. Wir blicken auf die Eckpunkte der MaRisk-Novelle, die Auslagerungen bei Banken betreffen und diskutieren mögliche Konsequenzen.

Schwerpunkte der 5. MaRisk-Novelle

Im Wesentlichen sollen durch die Novelle die Prinzipien des BCBS 239 in nationales Recht überführt werden. Ziel der BCBS 239 ist es, Banken zum Aufbau einer zeitgemäßen IT-Infrastruktur anzuhalten, damit sie schnell und genau Risikodaten erheben und liefern können. Das war in der Vergangenheit nicht immer möglich.

Bild: Hammer und Gesetzestexte

Bei der 5. MaRisk-Novelle geht es damit vor allem um Risikodatenaggregation und die Risikoberichterstattung. So sollen Daten vollständig und verlässlich generiert und nach definierten Kriterien ausgewertet werden, die Anforderungen an die Berichterstattung werden erhöht; sie sollen auf vollständigen, genauen und aktuellen Daten beruhen sowie nicht nur historische Fakten abbilden, sondern Prognosen für die Zukunft liefern. Zudem sind Banken angehalten, interne Kontrollverfahren zu etablieren, die ein wirksames Risikomanagement gewährleisten. Da es ausgesprochenes Ziel ist, alle Banken zur Entwicklung einer „angemessenen Risikokultur“ anzuhalten, sind weite Teile der Institute von den neuen Standards betroffen.

MaRisk und Auslagerungen

Zudem merkt die BaFin an, dass in der Vergangenheit die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an das Outsourcing bei Banken teilweise mangelhaft angewandt wurden. Deshalb werden zum Thema Auslagerungen die Anforderungen im Zuge der Novelle ergänzt und konkretisiert.

Wichtige Punkte der MaRisk-Novelle umfassen unter anderem:


Zunächst wird der Begriff der Auslagerung neu definiert. Wichtig dabei: Der Einkauf von Software von Drittfirmen wird in Zukunft als Auslagerung eingestuft, sofern diese bzw. Dienstleistungen der Drittfirma wie deren Wartung für das Risikomanagement eingesetzt werden.


Die Auslagerung von Kontrollbereichen wie Interner Revision, Controlling oder Compliance wird künftig besonderen Anforderungen unterliegen. Kompetenzen zu diesen Themen müssen zwingend im Institut behalten werden, so dass eine Beendigung der Auslagerung jederzeit möglich wird. Eine vollständige Auslagerung dieser Funktionen wird verboten, mit einigen Ausnahmen für kleinere Institute.


Alle Banken werden verpflichtet, ein zentrales Auslagerungsmanagement einzurichten, das jährlich an die Geschäftsführung berichtet. Zudem soll für die Auslagerung von Kontrollfunktionen ein Beauftragter ernannt werden.

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Recht

Zu hohe Anforderungen für kleinere Banken?

Das erklärte Ziel der BaFin ist nun einerseits, dass Institute ihre Steuerungsinstrumente nicht vollständige in die Hände Dritter geben. Dafür sollen Institute ein zentrales Auslagerungsmanagement einführen und Kompetenzen im Haus behalten. Aber genau das könnte kleineren Instituten zum Problem gereichen. Beispielsweise kritisieren Genossenschaftsbanken, der Aufwand stehe nicht in einem guten Verhältnis zu den damit verbundenen Zielen. Für kleinere Banken würden die Regelungen nämlich bedeuten, Personal für Aufgaben vorzuhalten, die man aus Ressourcenmangel ja eigentlich gerade nach außen geben möchte. Dadurch fehlt dann wieder Zeit für Bereiche des Kerngeschäfts, wie Vertrieb oder Kundenbetreuung.

Dieser Kritikpunkt ist nicht von der Hand zu weisen, denn auf die Institute kommen diverse ganz praktische Problemstellungen zu:

  • Alle bestehenden Auslagerungen müssen erfasst und auf ihre Zulässigkeit überprüft werden. Verträge müssen gegebenenfalls auf die neuen Regeln angepasst werden.
  • Die Software der Banken muss überprüft werden: Liegt nach der neuen Definition eine Auslagerung vor – und ist diese wiederum zulässig?
  • Es muss geprüft werden, ob alle notwendigen Kompetenzen in der Bank vorhanden sind. Diese müssen zudem nachgewiesen werden.
  • Es braucht ein Konzept für das geforderte zentrale Auslagerungsmanagement sowie jemanden, der zum Auslagerungsbeauftragten bestellt werden kann.

Das alles sind Herausforderungen, die nicht für jedes Institut so einfach zu meistern sein dürften, vor allem, da sich nach den neuen Regeln, bisher „normale“ organisatorische Vorgänge oder Vertragsverhältnisse plötzlich als Auslagerungen entpuppen könnten.

Wie geht es weiter mit MaRisk?

Bisher gibt es zu der angekündigten Novelle noch keine Endfassung, jedoch dürfte es bis zu deren Erscheinen nicht mehr lange dauern. Wie viel Zeit dann den Instituten für die genaue Umsetzung gegeben wird, ist ebenfalls noch nicht klar; allerdings steht zu befürchten, dass die Fristen nicht allzu lange ausfallen werden, da nach Ansicht der Aufsicht mit der Novelle „nur“ bereits existierende Anforderungen genauer definiert werden.

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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