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15 Jahre ERA-Leistungsentgelt – Entwicklung und Perspektiven

15 Jahre ERA-Leistungsentgelt – Entwicklung Und Perspektiven

Entgeltrahmenabkommen haben sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Und auch regional gibt es, je nach Tarifzone, Unterschiede. Erfahren Sie von Eckhard Eyer, welche das sind.

Eckhard Eyer ist Inhaber der Perspektive Eyer Consulting, Ockenfels, mit dem Arbeitsschwerpunkt: Beratung bei der Gestaltung und Umsetzung von Führungs- und Entgeltsystemen, insbesondere von Leistungsentgeltsystemen. Er begleitet Unternehmen von der Problemstellung über die gemeinsame Projektgruppenarbeit von Management und Betriebsrat bis hin zum Abschluss der Betriebsvereinbarung und der Schulung von Führungskräften und Mitarbeitern.

Das erste Entgeltrahmenabkommen (ERA) in der Metall- und Elektroindustrie wurde durch die Modine Neuenkirchen GmbH in Westfalen am 1. April 2004 eingeführt. Dort wurde gleichzeitig ein neues Grund- und Leistungsentgelt für Arbeiter und Angestellte etabliert: Die Mitarbeiter in den Produktionsgruppen erhielten basierend auf einem Kennzahlenvergleich eine Arbeitsproduktivitätsprämie und die Instandhalter eine Teamprämie auf Basis der Arbeitsproduktivität aller fünf Produktionsteams. Die Dienstleister der Produktion – Produktionsplanung und -steuerung, Qualitätsmanagement, etc. erhielten ihr Leistungsentgelt ausgehend von Zielvereinbarungen bezogen auf Arbeitsproduktivität in den Produktionsteams, Fehlerkosten im Produktionsprozess, Reklamationen der Kunden und dem Umlaufvermögen im Arbeitsprozess.

Das Entgeltrahmenabkommen

Lean und DigitalisierungDas Entgeltrahmenabkommen, das die getrennten Lohn- und Gehaltssysteme von Arbeitern und Angestellten in der Metall- und Elektroindustrie ablöst und ein gemeinsames Entgeltsystem für Arbeiter und Angestellte ist, wird seit dem Jahr 2004 umgesetzt. Das Jahrhundertwerk, das die Tarifverträge in der Metall- und Elektro-Industrie aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ablöste, ist nun in praktisch allen tarifgebundenen Unternehmen der Branche seit mehr als zehn Jahren eingeführt.

Beim Leistungsentgelt wurden die tradierten Leistungsentgeltsysteme – anders als bei Modine – nicht von Grund auf neugestaltet, sondern von der „Währung“ Lohnrahmenabkommen auf die „Währung“ Entgeltrahmenabkommen umgerechnet. Schrittweise werden seitdem auch von Grund auf neue Leistungsentgeltsysteme etabliert. Im Kontext der Industrie 4.0 nimmt der Bedarf an innovativen Lösungen auf der Basis des ERA zu.

Grundentgelt aufgrund der Arbeitsaufgabe

In allen Tarifgebieten der Metall- und Elektroindustrie gibt es zusätzlich zum aufgabenbezogenen, personenunabhängigen Grundentgelt ein mitarbeiter- oder teambezogenes Leistungsentgelt.

Leistungsentgelt in verschiedenen Tarifzonen

Am Beispiel des Tarifvertrages für Baden-Württemberg soll das Leistungsentgelt erläutert werden. Dieses folgt in den anderen Tarifgebieten der gleichen Philosophie, hat jedoch zum Teil abweichende Ausführungsbestimmungen.

It-SchnittstellenZusätzlich zum Grundentgelt wird nach der Einarbeitungszeit des Mitarbeiters, spätestens nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit, ein Leistungsentgelt gezahlt. Dadurch wird eine über der tariflichen Bezugsbasis liegende Leistung abgegolten (siehe Abb. 1). Vergleichbare Ergebnisse müssen – unabhängig von den jeweils vereinbarten Methoden zur Ermittlung der Leistung beziehungsweise der Leistungsergebnisse – zu gleichen Verdienstchancen führen. Das heißt es gibt nicht wie in der Vergangenheit methodeninduzierte Unterschiede in der Höhe des Betrags, wie zum Beispiel mindestens 30 Prozent Leistungsentgelt im Akkordlohn beziehungsweise eine Prämie, bei durchschnittlich 16 Prozent Zulage aufgrund der individuellen Beurteilung.

Die Höhe des tariflichen Leistungsentgeltes beträgt in Baden-Württemberg methodenunabhängig im Betriebsdurchschnitt 15 Prozent. Die Höhe der Beträge variiert in den einzelnen Tarifgebieten von durchschnittlich 6 bis 15 Prozent.

Das individuelle Gehalt richtet sich letztlich nach der Leistung beziehungsweise dem Ergebnis des einzelnen Mitarbeiters und oder seines Teams.

§ 3 Bezugsbasis der Entgeltregelung

Bei der Bewertung der Höhe der Arbeitsanforderungen nach diesem Tarifvertrag ist ohne Beachtung von Geschlecht und Alter der Beschäftigten, die die jeweilige Arbeit ausführen, von Folgendem auszugehen:

Es wird eine Leistungsbasis unterstellt, die bei menschengerechter Gestaltung von Arbeitsplatz, Arbeitsablauf und Arbeitsumgebung von durchschnittlich geeigneten Beschäftigten ohne gesteigerte Anstrengung auf Dauer zu erreichen ist.

Abb. 1.: Tarifliche Bezugsbasis ERA-TV Baden-Württemberg

Methoden zur Ermittlung der Leistung

Das Leistungsentgelt beruht auf der methodisch ermittelten Leistung. Dazu ist als Ausgangsniveau die Bezugsbasis zu Grunde zu legen und mit dem erbrachten Ergebnis zu vergleichen. Zur Ermittlung können drei Methoden einzeln oder in Kombination angewendet werden:

  • Beurteilen (Leistungsbeurteilung)
  • Kennzahlenvergleich (Akkord und Prämie)
  • Feststellung der Zielerfüllung im Rahmen von Zielvereinbarungen (Zielentgelt)

Welche Leistungsentgeltmethode vereinbart und wie sie ausgestaltet wird, entscheiden grundsätzlich die Betriebsparteien. Dabei sind die Nachvollziehbarkeit und die betrieblichen Erfordernisse zu berücksichtigen. Neu ist, dass sich die Unternehmen bei der Gestaltung der Vergütung von den klassischen Leistungskennzahlen, im tariflichen Rahmen lösen können. An Stelle von Menge und Zeit können betriebswirtschaftliche Werte treten, wie zum Beispiel Wertschöpfung und Herstellungskosten.

InstandhaltungEinige ERA-Tarifverträge, zum Beispiel in Bayern, legen fest, dass bei Fließfertigung ein Akkordentgelt zu zahlen ist. Diese tarifliche Festlegung der Leistungsentgeltmethode steht modernen, ganzheitlichen Produktionsprozessen mit KVP im Weg und hat in der Praxis nicht selten zu Blockaden geführt.

In den meisten Tarifzonen ist eine freie Kombination der einzelnen Methoden möglich. Aber keine Regel ohne Ausnahme: In Hessen, Rheinland-Rheinhessen, Pfalz und Saarland muss sich ein Unternehmen beim tariflichen Leistungsentgelt zwingend für eine der drei Entgeltmethoden entscheiden. Eine Kombination verschiedener Entgeltmethoden beim tariflichen Leistungsentgelt ist in dieser Region Mitte untersagt.

Ein zusätzliches freiwilliges übertarifliches Leistungsentgelt kann jedoch immer auf einer anderen tariflichen Entgeltmethode beruhen. Nicht selten wird zum Beispiel eine individuelle tarifliche Zulage mit einer freiwilligen übertariflichen Gruppenprämie kombiniert. Oder die Unternehmen wählen eine freiwillige übertarifliche Erfolgsbeteiligung für Teams, bestehend aus direkten und indirekten Mitarbeitern.

Einführung des ERA-Leistungsentgelts

Arbeiter in der ProduktionDie Einführung des ERA-Leistungsentgeltes war grundsätzlich zeitgleich mit der Einführung des ERA-Grundentgelts möglich. In der Praxis zeigte sich die Mächtigkeit des Projektes der ERA-Grundentgelteinführung, die nicht zuletzt aufgrund der nicht selten konfliktreichen Einführung enorme Kapazitäten gebunden hat. Dieser Kontext war zum einen für die Einführung eines neuen Leistungsentgeltes nicht fruchtbar und zum anderen bestand für das neue ERA-Leistungsentgelt kein Zeitdruck. Bundesweit entschieden sich deshalb die meisten Unternehmen für die sukzessive Einführung des Leistungsentgelts. Dabei gab es regionale Unterschiede.

Für den Prozess der Einführung eines Leistungsentgeltes in der Betriebspraxis war in der Regel nicht allein der neue ERA ausschlaggebend, sondern die sowieso anstehende Änderung der Leistungsentgeltmethoden. Am häufigsten führten folgende Gründe zu neuen Systemen:

Anpassung der Leistungsentlohnung auf die neuen Produktionsstrukturen und -systeme
Umstellung vom Einzelakkord zur Teamprämie mit Kennzahlenvergleich, nicht selten unter Einbeziehung der indirekten Mitarbeiter
Neue Leistungskennzahlen, das heißt Arbeitsproduktivität (AP) und Overall Equipment Effectiveness (OEE) statt klassischem Akkord oder einer Mengenprämie
Integration der indirekten Bereiche der Produktion in die Leistungsentgeltsysteme, zum Beispiel Logistik, Instandhaltung und Auftragsplanung mittels Kennzahlenvergleich
Verknüpfen der Leistung der Dienstleister beziehungsweise Serviceabteilungen mit dem Ergebnis ihrer Kunden in der Produktion, beispielsweise mittels Zielvereinbarungen
Integration von KVP und Wertschöpfungssteigerungen in das Leistungsentgelt nach dem Winwin-Prinzip.

In den Unternehmen, in denen mit der Einführung des ERA-Grundentgeltes kein neues Leistungsentgelt eingeführt wurde, hat man die bestehenden Leistungsentgelt-Methoden beibehalten. Dort wo sich die Höhe der bisherigen tariflichen durchschnittlichen Leistungslöhne im Rahmenabkommen von denen im neuen ERA unterschied, wurden unter Zuhilfenahme des Dreisatzes oder tariflicher Faktoren die Leistungsentgelte umgerechnet. Dabei wurden stets die Kostenneutralität der Unternehmen und Besitzstandswahrung der Mitarbeiter gewährleistet.

ERA: Eine neue Zeitrechnung hat begonnen

Die IG Metall und die regionalen Tarifträgerverbände des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall haben ihren Mitgliedern mit dem ERA die Tür zu einer neuen Zeitrechnung geöffnet. Nach der Umsetzung des ERA-Grundentgeltes nutzen die Unternehmen zunehmend die neuen Chancen des ERA-Leistungsentgeltes, indem sie Arbeiter und Angestellte, die täglich Hand in Hand arbeiten, in Teams mit einem gemeinsamen Leistungsentgelt vergüten.

Die Leistungskennzahlen, die transparent, nachvollziehbar und beeinflussbar sein müssen, kommen zunehmend aus der Betriebswirtschaft. Anlass für neue Leistungsentgeltsysteme sind häufig technische und organisatorische Änderungen in den Unternehmen, bei denen die tradierten Verfahren zu einer Fehlsteuerung und falschen Anreizen führten. Es ist zu erwarten, dass Ungereimtheiten in den Tarifverträgen sowie – aus Sicht der Praxis – kontraproduktive Inhalte möglicherweise in den nächsten Jahren von den Tarifvertragsparteien eliminiert werden.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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