skip to Main Content

Kündigung bei Krankheit – ist das erlaubt?

Kündigung Bei Krankheit – Ist Das Erlaubt?

Herbstzeit, Grippezeit. Doch nicht nur im Herbst ist der Krankenstand in vielen Firmen hoch. Kein Wunder: Denn Krankfeiern scheint in Deutschland eine sehr verbreitete Angewohnheit zu sein. Für Arbeitgeber ist das ein Ärgernis, und viele glauben, dass sie nichts dagegen tun können. Aber ist das richtig? Wir zeigen, in welchen Fällen eine Kündigung bei Krankheit durch den Arbeitgeber erlaubt ist.

Vorweg: Blaumachen ist nicht erlaubt

Wenn das passiert, ist der Arbeitnehmer wirklich selbst schuld: Man nimmt sich ein paar Tage frei meldet sich ein paar Tage krank und lässt sich dann beim Einkaufsbummel, im Kino oder in der Kneipe sehen. Wenn man dort dem Chef oder einem entrüsteten Kollegen über den Weg läuft, stehen dem alle Möglichkeiten offen: von der Abmahnung bis zur fristlosen Kündigung. Denn Krankfeiern ist Betrug – und zur Not darf der Arbeitgeber in diesem Fall auch zur Strafanzeige greifen. Aber Vorsicht: für alle Maßnahmen bedarf es gerichtsfester Beweise. Und nicht alle Maßnahmen sind erlaubt. Denn, wenn man als Arbeitgeber nur ein „Bauchgefühl“ hat, der Mitarbeiter könnte simulieren, ist das absolut kein Grund zur Kündigung.

Nicht zuletzt ist zu konstatieren, dass im Betrieb wahrscheinlich etwas im Argen liegt, wenn wirklich häufig krankgefeiert wird. In dem Fall sollten Geschäftsführung und Personalabteilung sich überlegen, inwiefern sie die Arbeitsbedingungen verbessern könnten.

Entspannungsübungen

Aber was ist mit Leuten, die wirklich oft krank sind?

Oft wiederholt, aber dennoch falsch, ist die These, dass Krankheit vor Kündigung schützt. Hier geht es um richtige Krankheit – kein Simulieren. Im Gegenteil: eine Krankheit kann sogar ein Kündigungsgrund sein! In dem Fall ist das eine Kündigung aus Gründen in der Person des Arbeitnehmers. Allerdings müssen dafür mehrere Voraussetzungen erfüllt sein.

Negative Gesundheitsprognose: Es liegen Tatsachen vor, die darauf hindeuten, dass es auch in Zukunft zu weiteren Erkrankungen im gleichen Umfang kommen wird. Achtung: Die Prognose muss von einem Facharzt auf dem entsprechenden Gebiet diagnostiziert werden.

Beeinträchtigung der Interessen des Arbeitgebers: Die Fehlzeiten des Arbeitnehmers schaden den betrieblichen oder wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens. Zum Beispiel wird der Betriebsablauf gestört oder die Entgeltfortzahlungen durch den Arbeitgeber fallen sehr hoch aus.

Interessenabwägung: Es muss festgestellt werden, dass die festgestellte Beeinträchtigung dem Arbeitgeber nicht weiter zugemutet werden kann. Dazu sind Vergleiche mit den Fehlzeiten anderer Arbeitnehmer im selben Lebensalter und ähnlicher Position, die Krankheitsursachen und ähnliche Faktoren zu berücksichtigen.

Achtung: Für eine Kündigung müssen alle drei Voraussetzungen erfüllt sein!

Wann ist der Arbeitnehmer zu oft krank?

Man kann natürlich entsprechend niemandem kündigen, der mal für drei Wochen ausfällt, weil er eine schwere Erkrankung oder Verletzung hat. Das wäre ein Mittel, um schnell Leute loszuwerden, die einem nicht gefallen. Stattdessen gibt es unterschiedliche Fallkonstellationen, an denen man sich orientieren kann.

Stressmanagement, Power Nap

Ist der Arbeitnehmer beispielsweise sehr häufig, aber nur für kurze Zeiträume krank, kann beobachtet werden, wie lange er in den vergangenen Jahren durchschnittlich gefehlt hat. Liegen die Fehlzeiten über sechs Wochen, ist der Arbeitnehmer in der Pflicht – er muss dann beweisen, dass es keine chronischen Ursachen sind, die ihn immer wieder ausfallen lassen. Wenn der Arbeitnehmer länger ausfällt, ist die Sache etwas einfacher. Dann lässt sich meistens sehr genau prognostizieren, wie lange der Ausfall noch dauern wird (oder ob der Arbeitnehmer ggf. für immer ausfallen wird). Wie lange in diesem Fall jedoch „zu lange“ ist, wird durch die Rechtsprechung nicht klar beantwortet. Ein weiterer besonderer Fall übrigens: Einem Arbeitnehmer kann auch gekündigt werden, wenn er ständig krank ist, sich aber pflichtbewusst zum Arbeitsplatz schleppt. Das ist dann zulässig, wenn die Krankheit seine Leistung gravierend beeinträchtigt.

 

Kündigung bei Krankheit: Auch hier erst das letzte Mittel

Natürlich sind alle diese Fälle sehr schade – wahrscheinlich für beide Seiten. Nicht nur deshalb sollte der Arbeitgeber die Kündigung erst als letztes Mittel einsetzen. Denn er ist außerdem verpflichtet, auch im Vorhinein bereits Überbrückungsmaßnahmen durchzuführen, um den Krankheitsfall aufzufangen. Da geht es zum Beispiel um die Einstellung von Aushilfskräften. Die Kündigung darf erst in Betracht gezogen werden, wenn diese Maßnahmen nicht möglich oder nicht zumutbar sind.

Seminar Arbeitsrecht 2018

In unserer jährlichen Veranstaltung zum Arbeitsrecht erfahren Sie alles zu den neuesten Entwicklungen. Unter anderem mit BAG-Richter Malte Creutzfeldt, der sie über eine Einschätzung zur Kündigung und den aktuellen BAG- und EuGH-Entscheidungen informiert.

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top

Modernes Recruiting

Modernes Personalmarketing und Recruiting ist heute viel umfassender und wichtiger denn je. Bereiten Sie sich mit Hilfe dieses Whitepapers auf alle Trends und Besonderheiten vor.

Jetzt herunterladen!