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Kontinuierliche Transformation – Weiterentwickeln bestehender Strukturen hin zu Industrie 4.0

Kontinuierliche Transformation – Weiterentwickeln Bestehender Strukturen Hin Zu Industrie 4.0

Industrie 4.0 ist ein Zukunftsprojekt zur umfassenden Digitalisierung der industriellen Produktion, mit enormen Potenzial, um bestehende Fertigungsstrukturen aufzubrechen und diese effizienter zu gestalten. Aber wie können die Strukturen weiterentwickelt werden ohne die Organisation, die Mitarbeiter oder die Systeme zu überfordern? Amrit Khanna und Dr. Holger Feldhege geben im folgenden Beitrag einen Überblick zum aktuellen Stand der kontinuierlichen Transformation bei dem Schweizer Maschinen- und Anlagenbau-Unternehmen Bühler AG und erläutert, wie der geplante weitere Ausbau der horizontalen und vertikalen Integration hin zur Industrie 4.0 gelingen kann.

Unsere bestehende Strukturen – mehr als 150 Jahre Geschichte

Milliarden Menschen kommen täglich mit Technologien von Bühler in Kontakt, um ihren Grundbedarf an Lebensmittel und Mobilität zu decken. Als Schweizer Familienunternehmen blicken wir dabei auf eine mehr als 150-jährige Firmengeschichte zurück.

Unsere Fertigungen haben dabei alle Facetten der Industrialisierung durchlebt und einen kontinuierlichen Wandel von einer Eisenmanufaktur hin zu einem global vernetzten Technologieunternehmen mit über 30 Fabriken weltweit vollzogen. Transformation und Wandel waren und sind schon immer notwendig gewesen und speziell mit der Historie von Bühler ein fester Bestandteil des Unternehmenserfolges. Die Digitalisierung mit dem Ziel der Industrie 4.0 ist ein weiterer Treiber für diesen kontinuierlichen Wandel.

Digitalisierung der Prozesse und Arbeitsabläufe mit ERP-Systemen

3D ModellMit dem Aufkommen der Enterprise Resource Planning Systemen (ERP-Systemen) zog die Digitalisierung in die Bühler-Fertigung ein. Von der Forschung & Entwicklung, über den Verkauf, der Produktion, bis hin zum prozessbegleitendem Controlling und Finanzbuchhaltung werden die Prozesse digital abgebildet und greifen nahtlos ineinander. Dieser Schritt der Digitalisierung geht in der Regel mit der Standardisierung von Funktionen, Verantwortlichkeiten und Daten einher und ist mit sehr großen Anstrengungen und Investitionen verbunden. Für die jeweilige Organisation und die Mitarbeiter bedeutet das einen Wandel in der Arbeitsweise und die intensive Betreuung dieses Wandels ist einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren.

Unternehmenszukäufe, Veränderungen des Supply Networks, der wachsende Anspruch auf kundenspezifische Lösungen, sowie das Streben nach Effizienz in den Prozessen machen das Thema für uns nach wie vor aktuell. Wobei wir hier auf gute Erfolge zurückblicken können. Ein Großteil unserer Unternehmensprozesse wird heute bereits in einem zentralen SAP-ERP-System abgebildet.

Horizontale Integration – wir sind nicht allein!

Wie bei vielen Unternehmen setzte sich bei uns früh der Gedanke durch, dass die reine Fokussierung auf interne Abläufe, innerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen, nicht weitreichend genug ist. Die gesamtheitliche Optimierung der Supply Chain beziehungsweise des Supply Networks mit aller beteiligten Partner und Unternehmen vom Kunden zum Kunden inklusive Produktion, Lieferanten und Logistik ist nach wie vor der richtige und gültige Ansatz für ein effizientes und agiles Liefernetzwerk.

VeränderungsprozessDiese horizontale Integration ist bei uns teilweise Realität und wird sich mit Industrie 4.0 weiter verstärken. Grundlage bilden auch hier die digitalisierten Prozesse, die wiederum Lieferantenkollaboration, Aufbau von 1st- und 2nd-Tier-Lieferanten, Einbinden von Logistikdienstleiter bis bin zur Integration unserer Kunden ermöglichen.

Für unsere Lieferantenkollaboration beispielsweise kommen neben dem ERP-System weitere, spezialisierte Systemlösungen zum Einsatz, die die Prozesse zwischen Bühler und ausgewählten Lieferanten vollständig digital abbilden. Von der Lieferantenerfassung, -bewertung und -weiterentwicklung bis hin zur vollständigen automatisierten Bestellabwicklung und Rechnungsverarbeitung werden die Prozesse über Unternehmensgrenzen hinweg integriert und gemeinsam mit den Partnern effizienter gestaltet.

Vertikale Integration – Daten direkt und unverzüglich sammeln

Bei allen Digitalisierungsanstrengungen der Vergangenheit besteht aber eine zentrale Herausforderung. Wie können die notwendigen Daten und Ereignisse schnell genug erfasst und in IT-Systeme übertragen werden? Die Datenaktualität ist umso wichtiger, je schneller Entscheidungen auf dieser Datengrundlage getroffen werden müssen.

Was in der Vergangenheit sehr aufwändig und kostenintensiv mit der Anbindung von Fertigungsmaschinen erfolgte, kann heute durch den rapiden Preisverfall von Sensortechnik kostengünstig realisiert werden. Sensoren und das Internet of Things ermöglichen es, Daten nahezu in Echtzeit an jedem beliebigen Ort zu erfassen und diese unmittelbar in verarbeitende IT-Systeme zu übertragen. Das vertikale Weiterverteilen der Daten von der Erfassung, hoch über die Unternehmensebenen hinweg bis hin zum gesamten horizontalen Netzwerk ist keine Utopie mehr. Hierdurch werden die eigenen Mitarbeiter aber auch die Mitarbeiter von vernetzten Partnern befähigt, Entscheidungen auf soliden Daten zu treffen und gemeinsam und schnell auf Veränderungen zu reagieren.

Smart ContractDie Integration von Fertigungsmaschinen in IT-Systeme hat bei Bühler die vertikale Integration vorangebracht. Aber leider ist es uns bis jetzt nicht gelungen, weitere Bereiche der Fertigung durchgängig zu vernetzen. Manuelle Fertigungsstellen, die interne Logistik oder indirekt produktive Bereiche arbeiten in den bestehenden Strukturen, leider mit allen Konsequenzen, die eine zeitverzögerte Datenerfassung mit sich bringt. Probleme wie Falschbuchungen, fehlende Buchungen, manuelle Suchprozesse gehören leider viel zu häufig zur Tagesordnung. Mit der konsequenten vertikalen Integration wollen wir den Wandeln hier vorantreiben und solche Fehler in den Prozessen nachhaltig lösen. Hierfür werden wir sowohl Sensorik und IoT-Elemente einführen, aber auch mobile Apps für Mitarbeiter in Anwendung bringen, um Ereignisse, einfach und mit einer geringen Hemmschwelle, direkt durch die Mitarbeiter zu erfassen.

Mit unserem Shop-Floor Management System können unsere Mitarbeiter in der Fertigung intuitiv Probleme mit einem mobilen Endgerät erfassen und den kontinuierlichen Verbesserungsprozess verbessern. Der alte, papierbasierte Verbesserungsprozess konnte so abgelöst werden mit dem Effekt, dass eine deutliche höhere Rate an Problemen erfasst und nachhaltige Lösungen transparent und zeitnah erstellt werden.

Digitale Weiterentwicklung für unser Produktionsnetzwerk

Close of hand holding cube figure as symbol of innovation. 3D renderingAus unserer Sicht setzt Industrie 4.0 die horizontale und vertikale Vernetzung voraus, wodurch die Transformation der bestehenden Strukturen hin zu vernetzten Strukturen umso wichtiger wird. Selbstlernende und -steuernde cyberphysische Systeme, die sich hoch dynamisch auf sich verändernde Ereignisse anpassen, liegen für uns noch in der Zukunft. Nichtsdestotrotz können wir bei Bühler dank der bereits bestehenden Prozessstandardisierung und der frühen flächendeckenden Einführung eines zentralen SAP-ERP-Systems, unsere Bemühungen auf die weitere Vernetzung in beide Richtungen legen. Unser Ziel ist es, flexibler auf sich veränderte Ereignisse zu reagieren und effizienter in der Durchführung zu werden. Die für uns selbstverständliche und notwendige kontinuierliche Transformation der bestehenden Strukturen und das behutsame Weiterentwickeln unserer Mitarbeiter auf die Veränderungen einer vernetzten, digitalen Welt stehen dabei für uns als Familienunternehmen an oberster Stelle.

Amrit Khanna studierte Wirtschaftsingenieurswesen an der Technischen Universität Karlsruhe. Er verfügt über mehrjährige Erfahrungen im Prozessdesign und Prozessimplementierungen im Bereich Supply Chain Management für Anlagen- und Maschinenbauer, sowie über 15 Jahre Erfahrungen im Projektmanagement zur Durchführung von internationalen SAP Einführungsprojekten.

2010 übernahm er die Managementfunktion bei Bühler zur Erstellung und Einführung des Manufacturing Prozesstemplate auf Basis SAP und ist seit 2018 verantwortlich für die Digitale Transformation im Bereich Manufacturing, Logistics and Supply Chain.

Amrit Khanna

Amrit Khanna

Dr. Holger Feldhege | Production Systems

Dr. Holger Feldhege

Dr. Holger Feldhege studierte Betriebswirtschaft und promovierte in Produktionsmanagement. Er verfügt über Erfahrung im Verkaufs- und Servicegeschäft sowie in den Bereichen Produktion, Engineering und Logistik. Er arbeitete in verschiedenen Managementfunktionen bei Mannesmann und ThyssenKrupp Elevator, davon über sieben Jahre in Asien. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 2010 übernahm Holger Feldhege die Position als CEO Manufacturing für Zentral-, Ost- und Nordeuropa sowie anschließend als Senior Vice President Manufacturing Elevator für die Gruppe weltweit. Holger Feldhege ist seit 2014 Leiter Manufacturing, Logistics and Supply Chain bei Bühler.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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