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Konfliktlösung und Teambuilding: Was Sie beim Führen ohne Vorgesetzten-Funktion beachten sollten

Konfliktlösung Und Teambuilding: Was Sie Beim Führen Ohne Vorgesetzten-Funktion Beachten Sollten

In einem ersten Interview mit Lara Keromosemito hat die Expertin bereits erläutert, warum die Führung von Teams ohne Vorgesetzten-Funktion heute so relevant ist, wie Verantwortliche mit dieser Situation richtig umgehen und warum Anerkennung der beste Motivator ist.

Nun haben wir die Expertin erneut befragt und mit ihr das Thema Konfliktlösung und Teambuilding genauer unter die Lupe genommen. Lesen Sie jetzt, wie eine gute Zusammenarbeit im Team funktioniert, wie Missverständnisse aus der Welt geräumt werden können und wie Sie selbst in Krisensituationen gelassen agieren.

Lara Keromosemito ist selbstständige Trainerin, Managementberaterin und Coach in Köln. Vor ihrer Selbstständigkeit war sie Bereichsleiterin im Human Resources Management der Kienbaum Management Consultants GmbH sowie als Change Management Beraterin bei Andersen Consulting (heute accenture) tätig. Aufgrund ihrer Aufgabe als Projektleiterin verfügt sie über umfangreiche Erfahrungen bzgl. des Führens ohne Vorgesetzten-Funktion.

Den Fokus ihrer aktuellen Tätigkeit bilden Trainings, Potenzialanalysen und Coachings für Führungskräfte. Weiterhin setzt sie in Konfliktmoderationen und Teambuildingmaßnahmen ihr Erfahrungswissen und ihr psychologisches Know-how praxisnah ein.

Fehlstarts erfolgreich vermeiden

Frau Keromosemito, gerade ohne die direkte Vorgesetzten-Funktion ist es wichtig, dass die Zusammenarbeit im Team funktioniert und Missverständnisse vermieden werden. Was sollte der erste Schritt sein, wenn ein Verantwortlicher auf sein Team trifft. Wie sieht ein guter Start aus?

Für einen guten Start in eine Beziehung empfehle ich, dass Sie offen und neugierig auf den anderen zugehen. Sie können davon ausgehen, dass Ihr Teammitglied auch ein Interesse daran hat, dass die Zusammenarbeit gut funktioniert. Jeder von uns arbeitet lieber in einer angenehmen Arbeitsatmosphäre statt in einem Team, in dem die Stimmung vergiftet ist.

Weiterhin hat jeder Mitarbeiter eines Unternehmens ein Interesse daran, dass das Unternehmen erfolgreich ist. Es mag durchaus sein, dass Sie und Ihre Teammitglieder unterschiedliche Vorstellungen haben, was für den Erfolg des Unternehmens das Richtige ist und die Prioritäten anders setzen. Aber die gerade genannte gemeinsame Basis gibt es in der Regel immer.

Sie mögen vielleicht ein Herrscher ohne Reich sein, aber Sie sind im Auftrag des Herren, das heißt Ihres Auftraggebers, unterwegs.

Lara Keromosemito, Beraterin, Trainerin und Coach, Köln

Wichtig ist in Ihrer nicht disziplinarischen Führungsrolle, dass Sie diese klar beschreiben. Welchen Auftrag haben Sie? Und von wem? Was ist das Ziel Ihrer Rolle? Was bringt diese dem Unternehmen? Sie mögen vielleicht ein Herrscher ohne Reich sein, aber Sie sind im Auftrag des Herren, das heißt Ihres Auftraggebers, unterwegs. Sollte Ihr Auftraggeber Ihre Rolle und Ihre Verantwortlichkeiten nicht kommuniziert haben, ist es ratsam ihn aufzufordern, dies zu tun. Das erleichtert Ihnen Ihre Positionierung.

Missverständnisse schnellstmöglich aus der Welt schaffen

Nicht immer können Missverständnisse vermieden werden. Was ist die beste Vorgehensweise, um diese schnell auszuräumen, ohne dass nachtragende Gefühle zurückbleiben?

Wenn Missverständnisse auftreten, sollten Sie zum Äußersten greifen: Suchen Sie ein Gespräch. Das ist ein wenig scherzhaft aber auch zugleich ernst gemeint. In meinem Seminar Teams führen ohne Vorgesetzten-Funktion bearbeiten wir viele Praxisfälle. Dabei gibt es eine Reihe von Praxisbeispielen, bei denen sich Teilnehmer vehement über Kollegen beschweren, die sich aus ihrer Sicht vollkommen inakzeptabel verhalten oder Arbeitsergebnisse liefern, die überhaupt nicht dem entsprechen, was aus Sicht des Teilnehmers vereinbart war.

Dies läuft manchmal über Monate, wenn nicht sogar über Jahre so. Wenn ich dann die Teilnehmer frage: „Wie reagiert der Kollege, wenn Sie ihn darauf ansprechen?“ ernte ich in JEDER Veranstaltung mindestens von einem Teilnehmer die Antwort, dass er das noch nicht getan hat.

Konflikt im Büro

Ich gebe zu, selbst nach 14 Jahren „Teams führen ohne Vorgesetzten-Funktion“ macht mich dies immer noch ein wenig fassungslos.

Es gibt gute Gründe, warum die Themen nicht angesprochen werden. Gerade in Matrixstrukturen oder Projekten führt man als nichtdisziplinarische Führungskraft häufig Menschen, die (deutlich) über der eigenen Hierarchiestufe stehen. Es ist verständlich, dass man dann eine gewisse Scheu oder gar Angst hat, ein „Fehlverhalten“ anzusprechen oder Kritik zu äußern. Viele haben unbewusst die Sorge, dass dies ihrer Karriere schaden oder sogar zu einer Kündigung führen kann. Manchmal ist der Kollege, um den es geht, berühmt berüchtigt für seine unangenehmen Reaktionen.

Ich mache aber meinen Teilnehmern gerne Mut, trotz dieser gut nachvollziehbaren Angst, das Gespräch zu suchen. Wie wollen Sie denn sonst dem anderen eine Chance geben, sein Verhalten zu ändern? So lange Sie wertschätzend und sachlich agieren, ist oft die Reaktion auf der anderen Seite gar nicht so schlimm wie befürchtet. Ich kenne keinen Fall, bei der ein wertschätzendes und klares Gespräch zur sofortigen Kündigung geführt hat. Unser Leben besteht ja zu 90 Prozent aus Dramen, die nie stattgefunden haben, außer in unserem Kopf. Dass der ein oder andere in einem Gespräch heftig reagiert, gibt es natürlich auch. Das ist unangenehm. Man stirbt aber nicht daran und ist vielleicht sogar froh, das Thema endlich auf den Tisch gebracht zu haben.

Konflikte entschärfen – auch wenn es schon brennt

Werden Missverständnisse nicht erkannt, können größere Konflikte entstehen. Wie bekommt man diese in den Griff? Sie sagten im letzten Interview bereits, dass es wichtig ist zu verstehen, warum sich jemand so verhält, wie er sich in dem Moment verhält. Wie geht es dann weiter?

Offene Konflikte sind dadurch gekennzeichnet, dass man schnell, impulsiv und emotional handelt. Das gilt für beide Seiten. Wenn Sie glauben: Der andere ist emotional und ich ganz sachlich, liegen Sie mit großer Wahrscheinlichkeit falsch. Gerade, wenn es sich um einen Konflikt handelt, der schon länger schwelt. Meine Empfehlung ist hierbei: Kümmern Sie sich zuerst um sich.

Emotionen, Körpersprache, Gesichtsausdruck

Versetzen Sie sich in einen Zustand, in dem Sie wieder handlungsfähig sind. Wenn die Flugbegleiter im Flugzeug die Sicherheitshinweise geben, sagen Sie immer: „Ziehen Sie sich erst selbst die Sauerstoffmaske über Mund und Nase und helfen Sie dann anderen Mitreisenden“.

Emotionen im Griff behalten

Das alles funktioniert nur, wenn man selbst ruhig bleibt und den Konflikt nicht selbst befeuert. Haben Sie drei Tipps für Projektleiter oder Themenverantwortliche, wie sie sachlich bleiben?

Meine Erfahrung ist, Emotionen sind wie Wasser, die suchen sich ihren Weg. Deswegen funktioniert es langfristig nicht, sie zurückzuhalten. Leider sind wir oft nicht geübt im Umgang mit Emotionen. Entweder wir drücken sie weg, dass heißt wir tun so, als wären sie nicht da. Das ist dann der Fall, wenn wir von uns behaupten, wir seien ganz sachlich und ruhig und unser Partner zu Hause merkt schon an der Art und Weise, wie wir unsere Schuhe in die Ecke pfeffern, dass wir einen schlechten Tag im Büro hatten. Oder wir agieren unsere Emotionen, die wir teilweise lange unterdrückt haben, aus. Das ist der cholerische Ausbruch gegenüber Personen, bei denen wir denken, wir könnten es uns leisten. Im schlimmsten Fall trifft es dann die Lieben zu Hause, die am allerwenigsten dafür können.

Alternativ äußert sich Ausagieren in Form von Zynismus oder Sarkasmus, wenn wir uns unterlegen fühlen. Beides ist in der Regel nicht förderlich für das eigene Wohlbefinden und eine konstruktive Zusammenarbeit im Unternehmen. Ich praktiziere seit sieben Jahren Achtsamkeit, was auch immer mehr in meinem Seminar einfließt.

Probieren Sie es aus – das bedeutet:

1

Stoppen:
Gerade wenn es emotional wird, halten Sie inne und nehmen ein paar Atemzüge, um wieder zu Sinnen zu kommen.

2

Wahrnehmen:
Schauen Sie sich ihre Emotionen und Gedanken ruhig und mit etwas Distanz an. Das Erstaunliche ist, in dem Moment, wo Sie zum Beispiel Ihren Ärger ruhig betrachten, statt ihn zu schlucken, verändert er sich schon ein wenig. In der Regel verringert er sich. Die Energie, die Sie bislang genutzt haben, um den Ärger in Schach zu halten, steht Ihnen nun zur Verfügung, um sich dem Anderen zuzuwenden. Das ist der erste Schritt in Richtung Lösungsfindung.

3

Akzeptieren:
Üben Sie sich darin, das zu akzeptieren, was nicht zu ändern ist. Meiner Erfahrung nach übernehmen viele Projektleiter und Themenverantwortliche viel zu viel Verantwortung und werden über die Zeit hin zunehmend frustrierter über ihre Rolle. Sich ab und zu vergegenwärtigen, dass man nicht für die ganze Firma verantwortlich ist und die Welt definitiv nicht untergeht, wenn ein Konzept eine Woche zu spät abgegeben wird, kann genau die Form von Akzeptanz sein, die es dem nicht disziplinarischen Vorgesetzten wieder ermöglicht, ohne Aggression oder Frustration auf den anderen zuzugehen.

4

Neu entscheiden:
Fragen Sie sich: Was wollen Sie – Krieg oder Kooperation? Beides ist möglich. Es ist Ihre Entscheidung. Meine Erfahrung ist: Echte Kooperation zahlt sich am Ende immer aus, für das Unternehmen und den eigenen Seelenfrieden. Und glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche. Ich trug früher den Namen Kalaschinkova. Es gibt noch eine ganze Menge Menschen, bei denen ich mich für mein zu toughes Auftreten in der Vergangenheit entschuldigen sollte. Auch heute werde ich immer mal wieder ungehalten oder verärgert. Aber es ist schon viel besser geworden.

Lösungen finden ist angesagt

Heißt das, dass man als nicht disziplinarische Führungskraft alles akzeptieren muss? Ist man dann nicht am Ende immer der Dumme?

Selbstverständlich nicht. Missverständnisse und Konflikte sind per Definition nicht einseitig, sondern es gehören immer zwei dazu. Es ist aber durchaus möglich, dass Sie nicht die geeignete Person sind, um den Konflikt zu lösen. Seien Sie bitte ehrlich zu sich und fragen Sie sich: Habe ich wirklich die notwendige Offenheit, auf den Kollegen zuzugehen oder will ich vielleicht am liebsten gar nicht mehr mit ihm sprechen, weil es aus meiner Sicht ohnehin sinnlos ist.

Wenn die Offenheit nicht mehr da ist, kann es sinnvoll sein, einen neutralen Moderator zur Hilfe zu holen. Wenn ein Mitarbeiter trotz mehrfacher Gespräche mit Ihnen sein Verhalten nicht ändert, gilt es eine Lösung zu finden. Wenn er nicht für die Aufgabe geeignet ist oder zu viel Arbeit hat, sollten Sie auf Ersatz oder Verstärkung des Teams drängen. Alles andere ist verschwendete Liebesmüh. Hier geht es darum, erfolgreich nach oben zu eskalieren. Das ist aus meiner Sicht kein Versagen, sondern ein ehrlicher Umgang mit sich und den Grenzen, welche die Rolle als nicht-disziplinarisch Vorgesetzter mit sich bringt.

Führungskompetenz vom ersten Tag an

Was ist Ihre Rolle als Herrscher ohne Reich, also ohne direkte Vorgesetzten-Funktion? In unserem Seminar Teams führen ohne Vorgesetzten-Funktion klären Lara Keromosemito und Peter Krumbach-Mollenhauer mit Ihnen, welche Entscheidungen Sie treffen und wie Sie mit Ihrer Position, Kompetenz und Persönlichkeit punkten.

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Martina Große Bley

Ich bin bei Management Circle Teamleiterin für das Content Marketing und unter anderem für die Themen-Blogs Soft Skills, Projektmanagement und Handel verantwortlich. Mit abwechslungsreichen Artikeln, Interviews und Gastbeiträgen unserer Referenten informiere ich Sie über die neusten Entwicklungen und gebe Ihnen Tipps, um die eigenen Kompetenzen verbessern zu können. Ich freue mich auf den Wissensaustausch mit Ihnen!

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