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Kommunen und die Energiewende: Ein Risiko für die Stadtwerke?

Kommunen Und Die Energiewende: Ein Risiko Für Die Stadtwerke?

Gera. Die kreisfreie Stadt ist mit ihren 96.000 Einwohnern die drittgrößte in Thüringen und – ohne den Einwohnern zu nahe treten zu wollen – im deutschen Städtesystem relativ unscheinbar. Dennoch machte die Stadt vor nicht allzu langer Zeit Schlagzeilen. Nämlich dann, als die Stadtwerke Gera am 27. Juni 2014 Insolvenz anmelden mussten. Etwas nie Dagewesenes, handelt es sich doch um wichtige Versorgungsunternehmen, die als kommunale Unternehmen ein Teil der Infrastruktur und Daseinsvorsorge sind. Zumal sie auch noch mehrheitlich im Besitz der Kommunen sind!

Eigentlich hatte der Status als kommunales Unternehmen mal bedeutet, dass die Kommune für den Fortbestand garantieren würde, wenn es Probleme gibt. Doch seit Jahrzehnten haben die Kommunen in Deutschland Haushaltsprobleme, sind teilweise hoch verschuldet. Auf der anderen Seite stellen sich den Stadtwerken durch die Öffnung des Strommarktes und die Dezentralisierung im Zuge der Energiewende neue Herausforderungen. In Gera wurden der Stadt 2014 durch das Thüringer Landesverwaltungsamt Kredite nicht mehr bewilligt, wonach sowohl die Stadtwerke als auch die Verkehrsbetriebe der Stadt Insolvenz anmelden mussten.

Viele Stadtwerke stehen vor dem Aus

Die Stadtwerke Gera sind mit ihrer Lage jedoch nicht alleine. Gemäß einer Untersuchung von Roland Berger im Nachgang der Insolvenz, steht jedes fünfte deutsche Stadtwerk vor dem Aus. Grund sind sinkende Gewinne aus der Stromerzeugung, Investitionsprojekte im Zuge der Energiewende sowie die hohen Ausschüttungen an die Kommunen. Auch die Anforderungen der Banken bei der Kreditvergabe sind gestiegen, wie aus einer PwC-Studie hervorgeht. Diese Studie besagt ebenfalls, dass die Finanzierungskennzahlen von ungefähr einem Viertel der Energieversorgungsunternehmen „im kritischen Bereich“ liegen, dass die Verschuldung zugenommen habe, da Ausschüttungen und Investitionen nicht aus den „operativen Cashflows gedeckt werden können“ und dass sich die Bilanzstrukturen allgemein „tendenziell weiter verschlechtert“ hatten.

Kein Wunder, dass Gera nicht alleine blieb: So mussten die Stadtwerke Duisburg einen Kredit von 200 Millionen Euro aufnehmen. Die Stadtwerke der Kleinstadt Wanzleben meldeten ebenfalls eine Insolvenz an und die Stadtwerke Völklingen mussten Ende 2014 ebenfalls mit einem 24-Millionen-Euro-Kredit gerettet werden.

Die Energiewende als neue Herausforderung

Die energiepolitischen Rahmenbedingungen der Energiewende haben besondere Folgen für die Kommunen, denn besonders die angestrebte dezentrale Energieerzeugung sorgt verstärkt dafür, dass auch die Stadtwerke mehr gefordert sind. Der Ausbau erneuerbarer Energien wird zwar vom Verband kommunaler Unternehmen mit neuem Wertschöpfungspotenzial in Verbindung gebracht. Doch die regionalen Lösungen, die erforderlich sind, stellen gleichzeitig auch eine finanzielle Herausforderung dar.

Zudem kam mit der Energiewende der Einspeisevorrang für erneuerbare Energien, der dafür sorgte, dass die konventionellen Kraftwerke, in die viele Stadtwerke in der Vergangenheit investierten, heute weniger Strom in das Netz einspeisen. Das führt dazu, dass Stadtwerke in Zukunft  nach meiner vieler Experten ein neues Rollenverständnis benötigen. Danach müssen sie zu einem umfassenden lokalen Dienstleister werden der neben seinem Kerngeschäft beim Ausbau dezentraler Erzeugung und intelligenter Verteilnetze mitmischt, als Dienstleister im Bereich Smart Grid und Smart Meter, im Bereich der Elektromobilität und mehr.

Die Hoffnung liegt darin, als Mitgestalter der lokalen Energiewende neue Geschäftsfelder zu erschließen, bei denen Sie entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Kooperation mit Partnern und Kunden neue Geschäftsmodelle entwickelt werden können.

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Bilder: Eisenhans | de.fotolia.com, Edler von Rabenstein | de.fotolia.com

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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