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Kann der Finanzplatz Frankfurt den Brexit verkraften?

Kommen 20.000 neue Banker nach Frankfurt?

Die Briten haben abgestimmt und der Brexit ist beschlossene Sache. Sobald Großbritannien bereit ist, die Austrittsverhandlungen zu beginnen, wird es zwei Jahre dauern und zumindest England wird die EU verlassen. Und mit England wird auch London gehen – die Stadt, die bisher der Finanzplatz der EU war. In London arbeiten ungefähr 700.000 Menschen aus der Finanzbranche und neben der europäischen Bankenaufsicht sind insbesondere viele Banken dort angesiedelt. Ob der Brexit für sie Konsequenzen hat, hängt vom Ausgang der Verhandlungen ab.

Noch ist unklar, wie groß die Konsequenzen sein werden. Denn erst müssen wir abwarten, ob Großbritannien weiterhin Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums bleibt. Wenn die Briten dessen sogenanntes Passport nicht behalten, werden viele Banken eine neue rechtliche Niederlassung innerhalb der EU benötigen. Denn ohne das Passport können sie nicht mehr uneingeschränkte Geschäfte mit der EU tätigen. Zwar wäre ein Szenario, in dem London die EU verlässt, aber das Passport behält, kein Einzelfall. Selbiges gilt auf für Norwegen. Jedoch lassen die politischen Töne der EU und der Brexit-Befürworter dies als fraglich erscheinen.

Bild: London Tower Bridge

Mit dem Brexit wird damit gerechnet, dass 20.000 Jobs aus Londoner Finanzbranche in die EU verlegt werden. Mögliche Standorte sind unter anderem Paris, Dublin, Luxemburg, Amsterdam und Frankfurt. Letztere Stadt gilt dabei als ein sehr wahrscheinlicher Kandidat. Das wird von vielen zu Recht als Chance für die Mainmetropole betrachtet. Schauen wir uns also an, was ein solcher Zuzug für den Finanzplatz Frankfurt bedeuten würde.

Enormer Anstieg der Zahl an Bankbeschäftigen. (Oder?)

Die Hessische Landesbank geht davon aus, dass Ende 2013 62.500 Bankangestellte in Frankfurt am Main gearbeitet haben. Damit würde ein Zuzug von 20.000 weiteren Bankern einen enormen Anstieg bedeuten. Viele sehen darin eine große Herausforderung für den Frankfurter Immobilienmarkt und auch für die Stadtentwicklungsplanung. Denn die Bankangestellten kommen nicht ohne Anhang und haben einen gehobenen Lebensstandard, den sie auch in Deutschland gerne halten möchten. Bei einem Blick auf die Zahlen der vergangenen Jahre wird jedoch deutlich, dass der Anstieg gar nicht so dramatisch ist, wie angenommen. Denn nach Angaben der Stadt Frankfurt haben noch im Jahr 2009 haben 73.800 Angestellte in der Frankfurter Finanzbranche gearbeitet. Vor diesem Hintergrund wirkt die Zahl weit weniger besorgniserregend.

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https://www.youtube.com/watch?v=QTyB0IxRd6M

Kompakter HR-Bericht zur Zukunft von Frankfurt nach dem Brexit

Bevölkerungsentwicklung in Frankfurt insgesamt

Schauen wir uns die Bevölkerungsentwicklung der Stadt Frankfurt insgesamt an, sehen wir seit 2010 einen Anstieg 656.427 auf 724.486. Das ist ein Plus von 13.612 Einwohnern pro Jahr. Im drastischsten Fall hieße das: die Stadt würde in einem einzigen Jahr ungefähr dreimal so stark wachsen, wie sonst. Betrachtet man jedoch die gesamte Metropolregion, ist das Bild schon etwas gemäßigter: Denn diese verzeichnete von 2012 bis 2014 einen Wanderungssaldo von jährlich über 40.000 neuen Einwohnern. (Damit setzt sich jedoch ein Trend fort, nach dem die Region seit ungefähr fünf Jahren einem sehr starken Bevölkerungszuwachs ausgesetzt ist.)

 

Gibt es genug Immobilien?

Diese Frage mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten müssen wir den Experten überlassen. Es gibt aber einige Statistiken zum Wohnungs- und Büromarkt in Frankfurt. Diese beantworten allerdings nur ungenügend, was aus planerischer Sicht auf die Stadt am Main zukommt.

Bild eines modernen Gebäudes mit Eigentumswohnungen

Bildnachweis: Tiberius Gracchus | de.fotolia.com

Wohnungsmarkt

Die Wohnungsnot in Frankfurt lässt sich schwer wegdiskutieren. Bis zum Jahr 2030 sollen insgesamt 155.000 Wohnungen fehlen. Das prognostiziert zumindest die Allianz-Versicherung. Im statistischen Jahrbuch der Stadt Frankfurt heißt es, der Wohnungsversorgungsgrad habe 2013 bei 93,7 Prozent gelegen. Leerstände gibt es wenige. Auf der anderen Seite gibt es in Frankfurt derzeit viele Bauprojekte für neuen Wohnraum, die wohl alle sehr gut auf die neue Zielgruppe aus London zugeschnitten wären. Für die Briten wäre in der Stadt also sicher Platz. Da die Stadt allerdings eben hauptsächlich für reichere Leute baut und die Mietpreise schon seit Jahren kontinuierlich steigen, wie mit der wahrscheinlichen Verdrängung von Normal- und Geringverdienern umgegangen werden soll.

Bild eines modernen Bürogebäudes

Bildnachweis: Paul Hill | de.fotolia.com

Büroimmobilien

Die Preise für Gewerbeflächen sind in Frankfurt deutlich niedriger als in den anderen Städten. Mit bis zu 38 Euro pro Quadratmeter liegt die Stadt deutlich unter Dublin (49 €/m²), Paris (67 €/m²) und London (160 €/m²). Allerdings ist davon auszugehen, dass der Markt auch ohne den Brexit in Zukunft anziehen wird. Es habe im ersten Halbjahr 2016 eine große Nachfrage gegeben, berichtet Oliver Barth von der BNP Paribas Real Estate. (Die meisten Kunden von BNP Paribas kommen aus der Finanzbranche.) In Frankfurt gibt es bei den Büroflächen derzeit einen Leerstand von 11,8 Prozent, ein leichter Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr. Weitere Bauprojekte wie der Bau des OMNITURM im Gallus und die Revitalisierung des Westend Sky werden ebenfalls durchgeführt.

Chance für den Finanzplatz Frankfurt

Für den Finanzplatz Frankfurt könnte der Brexit eine große Chance sein. Experten rechnen mit mindestens 10.000 neuen Arbeitsplätzen in der Region. Ein Teil der Leerstände auf dem Büromarkt könnten vermittelt werden und die Verkehrsanbindung sowie die vielen dort beheimateten internationalen Banken dürften ein Argument für Frankfurt sein.

Welche Chancen und Herausforderungen mit dem Brexit verbunden sind, diskutieren wir im September im Detail auf unserer Konferenz zum Thema.

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Hallo auch wenn es eh jeder weiß, hier die Kurzform dann dauert ein Seminar nicht all zu lang :)

    Selbst wenn nur 5000 – 10.000 Bänker kommen wären die Auswirkungen deutlich.
    Die Immobilienpreise sind nach dem Brexit eh direkt gestiegen. Nach 2-3 Wochen Informationsverdauung hat jeder Verkäufer im Frankfurter Raum den Brexit mit einem 5-10% Aufschlag versehen.

    Alle wollen in die Städte und jeder trägt seinen Teil zu dieser Entwicklung bei, bis runter zu Konzernen wie der Telekom welche nur in Städten oder in deren Umland noch ausbaut.
    Die Entwicklung wurde künstlich erzeugt und gesteuert, die Menschen sollen konzentriert/gesammelt leben, nah der Arbeit. So kann man auf einem Vergleisweise kleinem Raum viele Menschen effektiv überwachen/steuern/manipulieren und Konzerne können ihre Gewinne maximieren. Selbst die kleinen Pokemons sammeln sich in dicht besiedelten Gebieten besser also auf dem Land, sowas aber auch. Der Trend ist also kein Zufall sondern gesteuert und daher ist es auch kein Zufall, dass bestimmte Leute damit auch sehr viel Geld verdienen. ( nicht nur hier in FFM oder Germany )
    Der Brexit beschleunigt nur was eh im Raum Frankfurt geschehen wird weil es eben gesteuert wird und nicht aus einer Eigendynamik heraus geschieht! ( damit steht und fällt alles, es ist keine Eigendynamik und damit ist es eine systematische Entwicklung => also klar berechen und kalkulierbar )
    Am Ende ist der Brexit also eh nur die Kirsche auf der Torte im Franfurter Raum ;)

    Das ganze herumspekulieren um die Entwicklung ( wie hier am FFM Immobilienmarkt ) ist doch völlig absurd wenn man sich die Geldpolitik der Hochfinanz anschaut. Dort werden die Fakten geschaffen und diese zeigen ganz klar und eindeutig in eine Richtung und dorthin wird es gehen.
    Die Geldmenge/Schuldmenge inflationiert also was passiert wohl am Immobilienmarkt in FFM oder München etc…
    EIn wirklich schwere Frage.

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