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[Interview] Wolfgang Reichelt über die neue Funktion des Fuhrparkleiters

Wolfgang Reichelt

Auch die Fuhrparkbranche wird zunehmend digitalisiert. Durch die Möglichkeit der elektronischen Fahrerunterweisung hat sich die Funktion des Fuhrparkleiters stark gewandelt und wird sich auch in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich weiter ändern. Wird sich der Fuhrparkleiter deshalb zukünftig nur noch um administrative Tätigkeiten kümmern? Wir haben Wolfgang Reichelt, Experte im Bereich mediengestützter Bildung, zu diesem Thema befragt.

Der Fuhrparkleiter muss die Fahrerdaten pflegen und auf dem neuesten Stand halten sowie natürlich den aktuellen Unterweisungsstand im Blick behalten. Aber Administration wird auch in Zukunft nicht alles sein!

Wolfgang Reichelt, DEKRA Media GmbH, Mönchengladbach

Wolfgang Reichelt ist Diplom Sozial-Wissenschaftler aus dem Jahrgang 1956. Er ist langjährig anerkannter Experte im Bereich mediengestützter Bildung. Wolfgang Reichelt ist außerdem seit mehr als 30 Jahren im Aus- und Weiterbildungsbereich beruflich aktiv – davon 28 Jahre in leitender Position.

Seit 2011 ist er Geschäftsführer der DEKRA Media GmbH und Mitglied der Geschäftsleitung der DEKRA Akademie Gruppe.

Herr Reichelt, das Thema „Dienstwagenfahrerunterweisung“ ist in der Fuhrparkbranche viele Jahre lang stiefmütterlich behandelt worden. Derzeit ist es in aller Munde, insbesondere in Verbindung mit dem Schlagwort der „elektronischen Unterweisung“. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Die Unterweisungspflicht besteht seit vielen Jahren. Das zuletzt gestiegene Interesse mag daher zunächst überraschen. Die Unterweisung von Dienstwagenfahrern stellt Fuhrparkleiter jedoch vor eine ganze Reihe von Problemen: Von den hohen Kosten einmal abgesehen, ist diese sehr mobile, häufig geographisch verstreute Zielgruppe nur schwer zu einer Präsenzunterweisung zusammenzuführen. In der Vergangenheit haben viele Fuhrparkleiter schlichtweg kaum Möglichkeiten gesehen, in der Praxis ihrer Unterweisungspflicht nachzukommen. Seit einiger Zeit ist dies nun anders. Elektronische Fahrerunterweisungen bieten neue Lösungsansätze: Unabhängigkeit von Zeit und Ort, Flexibilität, Dokumentationssicherheit und Rechtssicherheit. Mit dieser Entwicklung ist das Thema „Unterweisung“ dann wieder verstärkt ins Blickfeld geraten. Man kann hierin eine Parallele zur Führerscheinkontrolle sehen: Auch diese setzen viele Unternehmen erst systematisch und flächendeckend um, seit es elektronische Systeme dafür gibt.

Die Vorteile elektronischer Unterweisungslösungen liegen auf der Hand. Dennoch gibt es dazu auch skeptische Stimmen, vor allem mit Blick auf die Rechtssicherheit. Können Sie diese Bedenken zerstreuen?

Flüchtlinge AzubisDies ist natürlich ein sensibles Thema, insbesondere, da Fuhrparkleiter persönlich mit in der Verantwortung stehen – Stichwort „Halterhaftung“. In der Tat muss die elektronische Unterweisung einige Voraussetzungen erfüllen, damit die Verantwortlichen im Falle des Falles keine unliebsame Überraschung erleben. Ich kann hier kurz am Beispiel unseres eigenen Systems DEKRA Safety Web erläutern, welche das sind und wie wir ihnen begegneten. Am wichtigsten ist natürlich der Inhalt: Er muss fachlich korrekt und stets auf dem neuesten Stand sein. Wir haben uns daher entschlossen, nicht nur auf unser eigenes Netzwerk an DEKRA Experten zu setzen, sondern unser Web Based Training auch einer externen Begutachtung zu unterziehen. Die DGUV, der Dachverband der Berufsgenossenschaften, hat im Rahmen einer sogenannten Baumusterprüfung DEKRA Safety Web als Unterweisungssystem sowie die Unterweisungsinhalte im Speziellen geprüft und zertifiziert. Diesen zertifizierten inhaltlichen Standard ergänzen wir auf Kundenwunsch um betriebsspezifische Gegebenheiten, etwa wenn die Mitarbeiter Gasflaschen im Kofferraum transportieren. Für die Fahrer ist der Ablauf der Unterweisung denkbar einfach: Sie erhalten per E-Mail persönliche Zugangsdaten, melden sich auf der Webseite des Portals an und absolvieren dort die Unterweisung in Form eines Web Based Trainings (WBT). Dieses WBT liegt auf einem Learning Management System, das Trackingdaten erhebt und somit den Nachweis ermöglicht, dass die Fahrer sich auch wirklich durch alle Inhalte durchgearbeitet haben. Der Fuhrparkleiter kann sich mit einem gesonderten Zugang anmelden und auf Knopfdruck den aktuellen Unterweisungsstand der eingebuchten Fahrer anzeigen lassen.

Das klingt nach einer sehr umfassenden Lösung, die dem Fuhrparkleiter viel Arbeit abnimmt. Beschränkt sich die Fahrerunterweisung für ihn damit in Zukunft vor allem auf administrative Tätigkeiten?

Der Fuhrparkleiter muss die Fahrerdaten pflegen und auf dem neuesten Stand halten sowie natürlich den aktuellen Unterweisungsstand im Blick behalten. Aber Administration wird auch in Zukunft nicht alles sein! Er muss auch selbst fachlich-inhaltlich fit sein und den Fahrern jederzeit persönlich für Auskünfte oder Rückfragen zu den Unterweisungsinhalten zur Verfügung stehen. Es ist ein Trugschluss, dass durch die Einführung eines elektronischen Systems die persönliche Verantwortung für das Thema „Unterweisung“ komplett an dieses delegierbar sei. Auch in anderer Hinsicht wäre diese sehr technische Betrachtungsweise zu kurz gedacht: Arbeitsschutz – und die Fahrerunterweisung ist ein Arbeitsschutzthema! – kann nur funktionieren, wenn im Unternehmen ein funktionierendes Arbeitsschutz-Gesamtkonzept aktiv gelebt und gefördert wird. Eine solche Arbeitsschutzkultur ist immer nur von den Menschen eines Unternehmens aus denkbar. Und sie muss alle Hierarchieebenen – inklusive Fuhrparkleiter – gleichermaßen umfassen. Nur wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, akzeptieren die Mitarbeiter ein elektronisches System für die Unterweisung und nur so kann ein solches System die Unterweisung für alle Beteiligten spürbar komfortabler gestalten. Nur dann lässt sich auch das letztliche Ziel der Unterweisung wirklich nachhaltig erreichen: Für die mit der Benutzung von Dienstwagen verbundene Gefährdungen sensibilisieren und zur Unfallvermeidung beitragen.

Soft Skills Entscheidung Verantwortung

 „Nachhaltigkeit“ ist ein gutes Stichwort, geht es doch nicht um eine einmalige, punktuell durchzuführende Aktion, sondern die in jährlichen Abständen zu wiederholende Unterweisung der Mitarbeiter.

In der Tat, und dazu sollten wir sogar noch ein wenig weiter denken als nur an den sich wiederholenden Unterweisungszyklus. Idealerweise lassen wir den Fahrer auch in der Zeit zwischen den Unterweisungen nicht allein. Warum bringen wir ihm nicht einzelne Themen – zum Beispiel Ladungssicherung im PKW oder korrektes Verhalten bei Pannen und Unfällen – durch gezielt eingesetzte inhaltliche Einzelbausteine näher? Man könnte eine am konkreten beruflichen Alltag der Mitarbeiter orientierte Aufmerksamkeitskampagne entwickeln, die sich innovativer medialer Vermittlungsformen wie zum Beispiel Erklärfilme bedient. Diese Bausteine könnten begleitend nach einem vorher festgelegten Zeitplan zur Verfügung gestellt werden oder aber auch auf Abruf – Stichwort „Learning on demand“. Die elektronische Fahrerunterweisung, wie wir sie heute kennen, dürfte also keineswegs das letzte Wort sein. Die fortschreitende Digitalisierung der Fuhrparks wird auch in diesem Bereich in den kommenden Jahren noch eine interessante Entwicklung nehmen.

Jetzt das Programm herunterladen und über Wolfgang Reichelt informieren!

Sie wollen noch mehr von der digitalen Entwicklung des Fuhrparks erfahren? Dann laden Sie sich jetzt das Programm unseres 8. Dialogforums für Fuhrpark- und Flottenmanagement herunter! Dort haben Sie die Möglichkeit Wolfgang Reichelt vor Ort zu treffen und sein DEKRA Safety Web kennenzulernen.

Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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