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Prof. Dr. Walter Brenner über Design Thinking und Innovationen von Menschen für Menschen

Prof. Dr. Walter Brenner über Design Thinking Und Innovationen Von Menschen Für Menschen

Prof. Dr. Walter Brenner erklärt in diesem Interview, wie sich die IT im digitalen Zeitalter verändern muss und wie das Design Thinking dabei hilft, Innovationen im Unternehmen zu entwickeln. Denn nur so bleiben Unternehmen langfristig erfolgreich.

Was früher Prozessinnovation war, ist heute Produkte- und Geschäftsmodellinnovation und Innovation an der Kundenschnittstelle.

Prof. Dr. Walter Brenner, Universität St. Gallen

Prof. Dr. Walter Brenner ist seit April 2001 Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen und geschäftsführender Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik. Zudem war er zwei Jahre Dekan der Betriebswirtschaftlichen Abteilung der Universität St. Gallen.

Vor seiner Tätigkeit als Professor war Prof. Dr. Walter Brenner Mitarbeiter der Alusuisse-Lonza AG in Basel – zuletzt als Leiter der Anwendungsentwicklung. Insgesamt beschäftigt er sich seit über 30 Jahren mit dem Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnik auf Geschäftsleitungsebene.

Walter Brenner

Prof. Dr. W. Brenner

Welche neue Rolle muss die IT-Abteilung im digitalen Zeitalter einnehmen? Wo liegen die Schwierigkeiten?

In der Vergangenheit wurde Informations- und Kommunikationstechnik auf der einen Seite zur Automatisierung und Effizienzsteigerung von Prozessen in Organisationen und auf der anderen Seite als sogenannte Embedded Systems zur Steuerung von Produkten und Maschinen eingesetzt. Die vergangenen zehn Jahre haben die Einsatzgebiete der Informations- und Kommunikationstechnik stark geändert. Im Rahmen der sogenannten Digitalisierung sind neue Schnittstellen zwischen betrieblichen Prozessen und Kundinnen und Kunden entstanden (User Experience) und auf der anderen Seite sind zahlreiche traditionelle Produkte weit über den traditionellen Einsatz von Embedded Systems digitalisiert worden. Digitale Dienstleistungen werden zu einem wichtigen Bestandteil von Unternehmen. Zudem hat die Konsumerisierung der Informations- und Kommunikationstechnik ausgehend vom iPhone Benutzerfreundlichkeit in den Vordergrund gestellt. Vor diesem Hintergrund hat sich die Informations- und Kommunikationstechnik von der traditionellen IT-Abteilung und dem CIO emanzipiert. Fast alle Bereiche des Unternehmens beschäftigen sich mit Innovation durch Informations- und Kommunikationstechnik. Was früher Prozessinnovation war, ist heute Produkte- und Geschäftsmodellinnovation und Innovation an der Kundenschnittstelle.

Bild: Datenbaum wächst über Datenträgern, symbolisiert künstliche Intelligenz.

In St. Gallen haben wir, um dieser neuen Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnik gerecht zu werden, das House of Digital Business geschaffen. Die traditionelle IT-Abteilung muss sich auf der einen Seite als valabler Partner in den Innovationsprozessen positionieren und auf der anderen Seite, wie schon immer, die IT-Infrastruktur effizient und sicher betreiben. Diese Aufgabe erweist sich als dramatische Herausforderung, denn viele Vertreter des Geschäfts sprechen den IT-Abteilungen die Fähigkeit zur Innovation ab. Es gilt sich intensiv, prospektiv und vorurteilsfrei mit neuen Entwicklungen der Informations- und Kommunikationstechnik zu beschäftigen und gleichzeitig Kompetenz in neuen Methoden, wie zum Beispiel Design Thinking oder Crowd Sourcing, aufzubauen. Basis der Anstrengungen muss eine realistische und nüchterne Einschätzung der Stärken und Schwächen einer IT-Abteilung sein und nicht Selbsttäuschung durch zu optimistische Sicht der eigenen Fähigkeiten.

Warum fällt es gerade deutschen Unternehmen schwer, sich mit dem Cloud Computing anzufreunden? Wie schätzen Sie die Situation im Jahr 2016 ein?

Cloud Computing ist ein sehr gutes Bespiel für eine Entwicklung bei der viele IT-Abteilungen den frühzeitigen Einstieg verpasst haben. Jahrelang wurden Gründe gesucht, warum Cloud Computing im eigenen Unternehmen keine Zukunft hat, obwohl es viele Führungskräfte der IT schon im privaten Umfeld eingesetzt haben. Die Gründe für die zögerliche Beschäftigung sind vielfältig: Kontroll­verlust, mangelnde Kenntnis der Technologie, verstärktes Gefühl der Abhängigkeit von Internetgiganten, Datenschutz und Sicherheitsbedenken und Skepsis gegenüber den Antwortzeiten. Und natürlich kann auch das „Not-invented-here“-Phänomen aufgeführt werden. Die Liste der Argumente lässt sich verlängern. Aber das ist Vergangenheit. Heute sind viele Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen dabei, sich intensiv mit Cloud-Technologien zu beschäftigen und erkennen Vorteile und Chancen. Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren komplett gewandelt. Big Data sowie der Trend zu digitalen Dienstleistungen wird diese Entwicklung aus meiner Sicht noch verstärken und beschleunigen.

Was ist das Besondere an Design Thinking?

Design ThinkingDesign Thinking ist eine Methode, die nach meiner Erfahrung hervorragend geeignet ist, um erfolgreich die digitale Transformation zu bewerkstelligen. Es ist eine Methode, die auf den drei Säulen Kundenorientierung, Bau von Prototypen und Testen von Prototypen aufbaut und die iterativ abläuft. Die professionelle Anwendung von Design Thinking zwingt Unternehmen, sich intensiv mit offensichtlichen und latenten Bedürfnissen von Kunden auseinanderzusetzen. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen werden konkrete, testbare Prototypen entwickelt. Im dritten Schritt werden diese Prototypen mit Endkundinnen und Endkunden getestet. Dieser Prozess wird mehrfach durchlaufen, bis ein Prototyp entwickelt wurde, der die Kundenbedürfnisse befriedigt. Dieses Vorgehen scheint einfach und vernünftig zu sein. Die Erfahrung aus zehn Jahren Beschäftigung mit Design Thinking und mehr als 50 Projekten zeigt, dass es eine dramatische Herausforderung ist, Design Thinking in einem Unternehmen zu verankern und eine Kultur des konstruktiven Scheiterns zu etablieren, die beim Testen von Prototypen mit Endkundinnen und Endkunden dazu gehört. Nur durch Fehler lernt man und kann die Produkte und Dienstleistungen kundenorientiert verbessern. Ich warne in diesem Zusammenhang vor vielen Design-Thinking-Scharlatanen oder selbsternannten Innovationsexperten, die irgendwo ausgebildet wurden, zum Beispiel in Crash-Kursen an Wochenenden oder in sogenannten Innovationskursen an Fachhochschulen, und auf dem Markt ihre Leistungen anbieten. Es gilt der Satz: „Nicht jeder, der weiß, wie man Design Thinking schreibt, aber jeder, der Post-Its an ein Fenster kleben kann, ist ein Design-Thinking-Experte“. Es braucht solide Methodenkenntnisse und viel Erfahrung im Umgang mit Menschen. Innovation ist aus meiner Sicht eine der schwierigsten Managementaufgaben, an die man nur Profis mit der notwendigen Demut vor der Herausforderung lassen sollte.

Was brauchen Unternehmen Ihrer Meinung nach, um Erfolg im digitalen Zeitalter zu haben?

Diese Frage ist sehr schwer generalisiert zu beantworten und ich kann auch nur ein paar Hinweise aus meiner Sicht geben. Erfolgreiches Unternehmertum im digitalen Wandel ist eine große Herausforderung. Auf Aspekte der methodischen Herausforderung bin ich ja schon bei der Beantwortung der vorherigen Frage eingegangen.

Innovation is made by people for people

Für mich ist eine offene, zukunftsorientierte, ausprobierende und fehlertolerante Kultur, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den notwendigen Spielraum gibt, neue „Dinge“ auszuprobieren, ein entscheidender Punkt. An der Stanford University in Palo Alto habe ich den Satz „Innovation is made by people for people“ gelernt. Nur wenn es gelingt frühzeitig auf offensichtliche und latente Bedürfnisse von Kundinnen und Kunden zu reagieren und wer eine Mannschaft hat, die diese Ideen umsetzt und auf dem Markt hält, kann ein Unternehmen erfolgreich sein. Aus dem Satz aus Palo Alto können leicht zahlreiche Erfolgsfaktoren abgeleitet werden. Es braucht eine zukunftsorientierte Strategie, die auf den Stärken eines Unternehmens aufbaut und Chancen, die entstehen, nutzen kann. Daneben gilt es, sich an Recht und Gesetz zu halten. Nur dann ist nachhaltiger Erfolg möglich. Wie schon gesagt: Dies sind nur einige generalisierte Bemerkungen. Am Ende muss man das in Innovations- und Strategieprojekten für jedes Unternehmen individuell herausfinden und -arbeiten. Dazu stehen meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ich gerne zur Verfügung.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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