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Prof. Dr. Harald Schmitz über die Veränderung und Finanzierung des Pflegemarkts

Prof. Dr. Harald Schmitz über Die Veränderung Und Finanzierung Des Pflegemarkts

Prof. Dr. Harald Schmitz berichtet über die Veränderungen auf dem Pflegemarkt und wie sich diese auf die Finanzierung auswirken können. Denn eines steht jetzt schon fest: Die Anzahl der Pflegebedürftigen steigt immer weiter. Wie können Gesundheitsimmobilien dieser Veränderung begegnen?

Je nach Region kann der Fachkräftemangel heute als einer der Haupt-Risikofaktoren für ein Pflege-Investment angesehen werden.

Prof. Dr. Harald Schmitz, Bank für Sozialwirtschaft, Köln

Prof. Dr. Harald Schmitz ist seit Juli 2014 Vorsitzender des Vorstandes der Bank für Sozialwirtschaft AG. Er ist gelernter Kaufmann im Groß- und Außenhandel, hat an der Universität zu Köln und Rotterdam School of Management Betriebswirtschaftslehre studiert und sein Promotionsstudium an der Universität zu Köln absolviert.

Prof. Dr. Harald Schmitz war in verschiedenen leitenden Positionen in der Gesundheitswirtschaft und in Beratungsgesellschaften tätig. Er ist Mitglied in mehreren Aufsichtsgremien und Organen von gemeinnützigen Trägergesellschaften der freien Wohlfahrtspflege und Honorarprofessor an der Universität zu Köln, Seminar für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Management im Gesundheitswesen.

Vor seiner Lehrtätigkeit an der Universität zu Köln war er Lehrbeauftragter an der RWTH Aachen, an der Fachhochschule im DRK in Göttingen und an der Hochschule Niederrhein in Krefeld.

Dr. Harald Schmitz, welchen Veränderungen unterliegt der Pflegemarkt Ihrer Meinung nach?

Seit Jahren ist der Pflegemarkt der am stärksten wachsende Teilbereich des Sozial- und Gesundheitswesens. In den Jahren 2009 und 2013 ist die Anzahl der stationären Pflegeeinrichtungen um ca. 12 Prozent auf insgesamt etwa 13.000 und die Zahl der verfügbaren Plätze um knapp 7 Prozent auf rund 900.000 gestiegen. Sehr dynamisch entwickeln sich auch Wohn- und Versorgungsangebote wie Betreutes Wohnen, teilstationäre Tages- und Nachtpflege, ambulant betreute Wohngemeinschaften und ambulante Pflegedienste.

Aufgrund demografischer und gesellschaftlicher Veränderungsprozesse ist auch künftig eine Ausweitung des Leistungsvolumens zu erwarten. Bis 2030 wird die Zahl der Pflegebedürftigen voraussichtlich auf 3,5 Millionen steigen. Vor dem Hintergrund eines tendenziell abnehmenden Unterstützungspotenzials durch Angehörige wird sich ein Großteil der zunehmenden Nachfrage auf professionelle Leistungserbringer und spezielle Wohnformen konzentrieren.

Allerdings trifft dieses Expansionspotenzial auf begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen. Insbesondere die Personalfrage ist für Betreiberimmobilien wie stationäre Pflegeeinrichtungen elementar. Hier wird die Vehemenz der künftigen Herausforderung immer noch unterschätzt. Je nach Region kann der Fachkräftemangel heute als einer der Haupt-Risikofaktoren für ein Pflege-Investment angesehen werden. Hinzu kommen die sich verändernde Betreuungsbedarfe – unter anderem durch Demenz und Multimorbidität – und Lebensvorstellungen künftiger Seniorengenerationen. All dies übt einen enormen Veränderungsdruck auf die bestehenden Versorgungsstrukturen aus.

Es ist zu erwarten, dass sich die Pflegebedürftigen künftig auf ein stärker differenziertes Angebot an stationären und ambulanten Formen des Wohnens und der Pflege verteilen werden. Betreutes Wohnen, Tagespflege, ambulant betreute Wohngemeinschaften et cetera rücken verstärkt in den Fokus. Nicht zuletzt aufgrund der Neugestaltung der Leistungsansprüche gegenüber der Pflegeversicherung gewinnen ambulante Versorgungsformen insbesondere für Personen mit geringeren Unterstützungsbedarfen unter finanziellen Gesichtspunkten nochmals an Attraktivität gegenüber der Heimunterbringung. Für die stationären Pflegeeinrichtungen deutet sich mittelfristig eine weitere Schwerpunktbildung auf Bewohner mit höheren Pflegegraden ab. Hierfür sind fachlich-konzeptionelle Voraussetzungen zu schaffen.

Pflege

Bildnachweis: Fotolia/Robert Kneschke

Wie kann ein Finanzinstitut die Betreiber und Investoren bei der Bewältigung dieser Veränderungen unterstützen?

Unter anderem aufgrund der notwendigen Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle besteht für zahlreiche Träger ein erheblicher Sanierungs- und damit Investitionsbedarf. Hier setzen unsere passgenauen Finanzierungsinstrumente an, unter anderem Kredite, Factoring und Leasing. Für eine erfolgreiche Gestaltung der Veränderungsprozesse benötigen die Träger aber mehr. Auf Basis unserer langjährigen Branchenerfahrung und unserer kontinuierlichen Marktbeobachtung unterstützen wir unsere Kunden mit einer breiten Palette an Dienstleistungen bei ihren strategischen und operativen Herausforderungen. Analysen zu Standort- und Wettbewerbsbedingungen, rechtlichen Betriebsvoraussetzungen, Angebotsqualität und Wirtschaftlichkeit klären die Erfolgsaussichten von Projekten voll- und teilstationärer Pflege, Betreuten Wohnens oder ambulant betreuter Wohngemeinschaften. Im Rahmen einer aktiven Beratung und Begleitung statten wir Betreiber und Investoren mit dem notwendigen Know-how für komplexe Bauherrenaufgaben beziehungsweise Investments aus. Darüber hinaus veröffentlichen wir die Ergebnisse unserer Marktbeobachtungen in Kundenzeitschriften, Reports und Arbeitshilfen.

Wir verstehen uns nicht nur als kreditgebendes Institut, sondern als partnerschaftlicher Finanzierungsstratege.

Wie beurteilen Sie die Wirtschaftlichkeit von Gesundheitsimmobilien und wie hat sich diese in den letzten Jahren verändert?

Man muss zwischen den verschiedenen Gesundheitsimmobilien – zum Beispiel Krankenhaus, Pflegeheim, Rehaklinik – unterscheiden, da jeweils verschiedene Rahmenbedingungen gelten und die Wirtschaftlichkeit in unterschiedlicher Intensität beeinflussen. Auch zwischen den Bundesländern unterscheiden sich die Rahmenbedingungen teilweise erheblich (zum Beispiel im Bereich der Pflege), so dass sich auch hier große Unterschiede ergeben können.

Generell ist der wirtschaftliche Druck in den letzten Jahren in allen Bereichen des Sozial- und Gesundheitswesens gestiegen. Kostensenkungspotenziale, insbesondere im Hauptkostenblock Personal, sind von vielen Einrichtungen bzw. Betreibern bereits mehr als ausgeschöpft. Laut den aktuellen Rating-Reports des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung schrieben 30 Prozent der Krankenhäuser und 19 Prozent der Pflegeheime in 2013 einen Verlust.

Wie stellen Sie sich die Zukunft von Gesundheitsimmobilien in der Branche vor?

Stationäre Pflegeeinrichtungen entwickeln sich weiter zu multifunktionalen Wohn- und Dienstleistungszentren für ihr lokales Umfeld. Hierzu bedarf es unter anderem pluralisierter Immobilienstrukturen. Darüber hinaus wird die sektorübergreifende Kooperation bzw. Vernetzung unterschiedlicher Leistungserbringer – unter anderem Arztpraxen, Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Angebote des Wohnens und Pflege von Senioren et cetera – auf regionaler Ebene zunehmen.

Ärzte

Bildnachweis: Fotolia/WavebreakmediaMicro

Neben Effizienz- und Qualitätssteigerungen in der Patientenversorgung besteht für die einzelnen Akteure der Anreiz, durch Synergiegewinne und die Erweiterung der Wertschöpfungskette das Ertragspotenzial zu vergrößern. Auch für den personalwirtschaftlichen Bereich können Versortungsnetze positive Effekte haben, beispielsweise durch das Teilen von Ausbildern, die Einrichtung von Qualifizierungsnetzwerken und gemeinsame Fortbildungsmaßnahmen.

Für Einrichtungen und Dienste, die sich erfolgreich in diesen lokalen und regionalen Versorgungsnetzen positionieren und sich vorausschauend auf die dynamischen Veränderungen in den rechtlichen Rahmenbedingungen und in den Bedarfslagen ihrer Kunden und Patienten ausrichten, bieten die nach wie vor wachstumsorientierten und stabilen Branchen des Gesundheits- und Sozialwesens sehr gute Geschäftsperspektiven.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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