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[Interview] Jakob Przybylo über die Einführung von BIM

[Interview] Jakob Przybylo über Die Einführung Von BIM

Das digitale Planen, Bauen und Betreiben von Immobilien wurde zum Jahresende 2015 von der Bundesregierung nochmals priorisiert: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat einen Stufenplan zur Einführung von BIM vorgestellt. Demnach soll BIM ab Ende 2020 für Projekte im Zuständigkeitsbereich des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) regelmäßig zum Einsatz kommen. Wir haben Jakob Przybylo gefragt, welche Auswirkungen das auf die Immobilienbranche hat.

Die konkrete BIM-Anwendung, ist überall ähnlich. Der Unterschied liegt vor allem in der Herangehensweise der jeweiligen Umsetzer.

Jakob Przybylo, BIM Experte

Als Architekt und Projektleiter in international renommierten Architekturbüros, unter anderem bei Coop Himmelb(l)au, Future Systems oder Behnisch Architekten verfügt Jakob Przybylo über jahrelange Erfahrung und BIM-Expertise. Während seines Studiums an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich zum Master of Advanced Studies CAAD eignete er sich umfassendes Know-how im Bereich digitaler Strategien sowie BIM im Bauwesen an. Zuletzt war er bei Obermeyer Planen + Beraten für die strategische Einführung von BIM-Methoden sowie für das externe BIM-Management verantwortlich.

Heute ist er als Head of Building Information Modeling (BIM) bei Allplan für die strategische BIM-Ausrichtung des Softwareunternehmens zuständig und ist zusätzlich stellvertretender Vorsitzender des buildingSMART e.V. Zudem ist Jakob Przybylo Autor vieler Publikationen zu Building Information Modeling.

Herr Przybylo, welche Bedeutung hat die beschriebene Änderung der Bundesregierung aus Ihrer Sicht  für die Immobilienwirtschaft?

Eine sehr hohe. Die Baubranche befindet sich seit etwa 20 Jahren in einer stagnierenden Produktivität bei einer gleichzeitig wachsenden Komplexität der Objekte. Der Optimierungsdruck bei der Projektabwicklung ist somit sehr, sehr hoch. BIM als eine Arbeitsmethode, die unter anderem die Informationsdurchgängigkeit erzielt und eine verlässliche Informationsqualität für Entscheidungen bildet, bietet eine Grundlage für Entlastung.

Der Auftraggeber profitiert zunächst durch eine höhere Risikominimierung. Langfristig werden das Bauen und Betreiben zudem günstiger und kürzer. Die gewünschte Datenqualität für eine optimale Betriebsphase kann beispielsweise nun von Beginn des Projektes  aufgesetzt und erzielt werden. Perspektivisch gesehen, ist hier sehr viel möglich.

Warum stehen Auftraggeber den Möglichkeiten skeptisch gegenüber?

BIM wird von den einzelnen Beteiligten unterschiedlich interpretiert. Zudem funktioniert BIM wie jede Disruption, sie ist Bestandteil von einem Veränderungsprozess im Unternehmen. Das eröffnet neue Potentiale, neue Geschäftsmodelle. Dabei genügt es jedoch nicht, eine andere Software zu kaufen oder vorzuschreiben. Man muss mehr tun, um den Veränderungsprozess optimal durchzusetzen und zu nutzen.

Kurz: Es ist nicht ganz einfach. Aber ich bin optimistisch. Ich spreche mittlerweile mit vielen Bauherren, die diesen Weg auf sich genommen haben. Dabei stellen sie fest, dass der Bauherr der erste Gewinner ist. Der Stufenplan von Bundesverkehrsminister Dobrindt ist ein gutes Hilfsmittel und fördert die Diskussion.

Wie sehen Sie die Entwicklung von BIM in Deutschland? Welche internationalen Unterschiede gibt es Ihrer Meinung nach in Bezug auf dieses Modell?

Wie BIM angewendet wird, ist überall ähnlich. Der Unterschied liegt vor allem in der Mentalität der Menschen und wie sie mit Veränderungen umgehen, beziehungsweise auch den vorliegenden Rahmenbedingungen wie der Ausbildung, den Gesetzen und so weiter.

Weitere Auswirkungen entstehen natürlich durch den Zeitpunkt des Einstieges in BIM in dem jeweiligen Land. Frühe Einsteiger wie Norwegen mit entsprechend Erfahrungen bieten dem Auftraggeber Mehrwerte, die nicht viele Unternehmen zum Beispiel in Deutschland aus dem Stand erbringen können.

Das beeinflusst natürlich den Wettbewerb mittel- und vor allem langfristig. Das sehen wir zum Beispiel an den Softwareunternehmen, die aus den Skandinavischen Ländern nach Deutschland kommen.

Welche Unterschiede gibt es bei der BIM Umsetzung in den verschiedenen Branchen?

Wie auch bei der traditionellen Arbeitsweise wird BIM von den jeweiligen Parteien unterschiedlich genutzt. Während der Architekt Modelle erstellt und daraus direkt Listen extrahiert, verkürzt beispielsweise der Betreiber den Aufwand für die Objektpflege. Der Investor nutzt hingegen präzise Objektinformationen für seine Planung.  BIM ist also ein gutes Mittel, um das jeweilige Geschäftsmodell gewinnbringend zu optimieren. Hierfür sind jedoch grundlegende, strategische Überlegungen notwendig.

BIM auf einen Blick

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Bildnachweis: Wilhelm Zedler Fotograf 

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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