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[Interview] Dr. Sven Scheuble: Warum Siemens mit Startups zusammenarbeitet

[Interview] Dr. Sven Scheuble: Warum Siemens Mit Startups Zusammenarbeitet

Siemens arbeitet bereits seit 15 Jahren mit Startups zusammen. Dr. Sven Scheuble erklärt uns in einem exklusiven Interview, welche Vorteile diese Zusammenarbeit sowohl für die Startups als auch für den großen Konzern aus München hat.

Dr. Sven Scheuble leitet die Technology-to-Business-Abteilung von Siemens. Die Zentralen liegen dabei in Berkeley, Shanghai und München. Ziel ist es, für Siemens die neusten Innovationen von Startups, individuellen Entwicklern, Universitäten und Forschungseinrichtungen zu finden.

Dr. Sven Scheuble startete seine Karriere als Berater der Boston Consulting Group in München. Seit 2005 hatte er mehrere Management-Positionen bei Siemens inne. Er hat Betriebswirtschaftslehre in Deutschland und in den USA studiert und erhielt seinen Doktor an der Münchner Universität.

Sven Scheuble

Dr. Sven Scheuble

Wie haben sich die Rahmenbedingungen insbesondere auch im Zuge der Digitalisierung für viele große Corporates in den vergangenen Jahren geändert und was macht langfristig sehr erfolgreiche Unternehmen aus?

In der Tat hat sich infolge der zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche vieles verändert: Die Innovationszyklen haben sich deutlich beschleunigt. Auch sind die Anzahl und die Reichweite disruptiver Innovationen deutlich gestiegen. Unternehmen, die langfristig erfolgreich sein wollen, müssen es deshalb schaffen, ihre Größe und die damit einhergehenden Möglichkeiten als Stärke einzusetzen. Und sie müssen sich gleichzeitig neue Wege erschließen, schneller, agiler und effizienter zu arbeiten. Neue Formen des Innovationsmanagements wie die Zusammenarbeit mit Startups spielen hier eine große Rolle.

Warum arbeitet Siemens mit Startups zusammen?

Startups und ihre revolutionären Ideen sind vor dem Hintergrund der oben genannten Rahmenbedingungen unerlässlich für den Erfolg von Siemens. Deshalb arbeiten wir seit nun mehr als 15 Jahren mit Startups zusammen. Vor allem drei Gründe sind hierfür ausschlaggebend:

1

Startups erlauben einen Blick in die Zukunft; sie sind ein wichtiger Indikator für neue Technologietrends, genauso wie für innovative Geschäftsmodelle. So konnten mit der Gründung des Startups „Caterva“ neue Erkenntnisse auf dem Feld der Dezentralisierung der Energielandschaft erschlossen werden. Die Investitionen in das Startup „Magazino“ wiederum bringen neues Wissen über autonome Systeme ein.

2

Startups öffnen uns den Zugang zu neuen Technologien und zu interessanten Menschen mit guten Ideen, die sonst eher nicht für Siemens arbeiten würden. Gemeinsam mit ihnen können wir unsere eigenen Geschäftsaktivitäten ausbauen.

3

Startups sind sehr flexibel, sie arbeiten schnell und kapitaleffizient – beste Bedingungen und eine hervorragende Ausgangslage, wenn es darum geht, neue Geschäftsmöglichkeiten außerhalb der Siemens-Organisation zu testen. Auch hierfür ist „Caterva“ ein exzellentes Beispiel.

Was haben die Startups davon?

 Siemens ist auf mehreren Gebieten attraktiv für Startups:

Als Investor: Siemens Venture Capital beteiligt sich mit Minderheitsinvestments an Startups, die interessant für Siemens werden könnten. Wenn es beiden Seiten nutzt, kann aus einer Investoren- oder Geschäftspartnerbeziehung auch eine Akquisition werden.

Als Kooperationspartner: Siemens verfügt über ein enormes Branchen-Know-how, hat Zugang zu allen Märkten der Welt und kann auf eine riesige Menge von Kundenkontakten zugreifen – alles Dinge, die einem einzelnen Startup verwehrt sind. Doch in Zusammenarbeit mit Siemens können einer jungen Firma diese Potenziale erschlossen werden.

Wie können effektive Veränderungsprozesse hin zu mehr Unternehmertum und Innovativität implementiert werden?

Siemens ist fest entschlossen, den Kulturwandel im Unternehmen konsequent vorantreiben – ganz im Sinne seiner übergeordneten Strategie Vision 2020. Einen Beitrag hierzu leistet die jüngst zwischen der Unternehmensleitung und dem Gesamtbetriebsrat beschlossene Betriebsvereinbarung zu einem Innovationsfonds. Hiernach stehen für die kommenden drei Jahre rund 100 Millionen Euro zur Verfügung. In der Vereinbarung geht es um drei Grundsätze: Innovationen fördern, den Mitarbeitern dafür den nötigen Rahmen geben und ihre Kompetenzen entsprechend weiterentwickeln. Jeder Siemens-Mitarbeiter in Deutschland ist aufgefordert, innovative Ideen und konkrete Umsetzungsvorschläge einzureichen.

Zudem entwickeln wir unter dem Arbeitstitel »Innovation AG« eine Einheit, die innovativen Ideen in einem Startup-Umfeld Freiraum zum Experimentieren und Wachsen bietet. Sie soll sich als Berater und Förderer sowie als eine Art Risikokapitalgeber für Geschäfts- oder Projektideen verstehen, die unabhängig vom Stammgeschäft arbeiten – eben unter Gründerbedingungen.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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