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Zukunftsforscher Lars Thomsen über die Energiewirtschaft von morgen

Zukunftsforscher Lars Thomsen über Die Energiewirtschaft Von Morgen

Lars Thomsen, Gründer der future matters AG in Zürich, gehört zu den weltweit führenden Zukunftsforschern und gilt als einflussreicher Experte für die Zukunft der Energie, Mobilität und Smart Networks.

Das Thema „Innovation“ wird DIE Kernkompetenz von Energieunternehmen für die Zukunft. Das erfordert ganz neue Prioritäten, Talente, Strategien und Führung.

Lars Thomsen, future matters AG, Zürich

Lars Thomsen ist Gründer und Chief Futurist von future matters, Innovation und Zukunftsforschung (Zürich). Er gilt als einer der einflussreichsten Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. Der ebenso kreative wie provokante Vor- und Querdenker blickt wie kein Zweiter chancenorientiert in die Zukunft und berät führende Unternehmen und Institutionen zu Trends, Veränderungen in der Arbeitswelt und zur Entwicklung von Zukunftsmärkten. Er studierte Informationswissenschaften und ist neben seiner unternehmerischen Tätigkeit unter anderem Dozent an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing (BAW) und Mitglied der World Future Society in Washington D.C.

Lars Thomsen

Herr Thomsen, Deutschland befindet sich zumindest in der Außendarstellung auf dem Weg zur Energiewende. Welches sind die wichtigsten Trends und Entwicklungen, die unser Energiesystem derzeit beeinflussen?

Zum einen die zunehmende Digitalisierung fast aller Lebens- und Geschäftsbereiche: Für das Energiesystem bedeutet das, dass es Teil des Internets der Dinge wird. Zum anderen haben wir es mit einem ganz neuen Paradigma zu tun: Dezentrale Erzeugung, Regelung und Speicherung wird günstiger und „smarter“ als das vorherrschende Paradigma einer zentralen Erzeugung mit ihren Skaleneffekten.

Daneben wird das Thema „Innovation“ DIE Kernkompetenz von Energieunternehmen für die Zukunft. Das erfordert ganz neue Prioritäten, Talente, Strategien und Führung.

 

Werden sich in Zukunft neue Geschäftsmodelle oder Märkte auf dem Energiesektor entwickeln? Sehen wir diese bereits in Ansätzen?

Ja. Vor allem kommen die „Spieler der vierten Ebene“ immer näher: Wenn zukünftig ein Teil der Wertschöpfung mit Energie dezentral bzw. lokal stattfindet, dann können Anbieter die Erzeugung, Vermarktung, Speicherung und das Management von Energie anbieten, ohne dass sie dazu ein Netz oder einer Lizenz benötigen. Sie brauchen lediglich einen WLAN-Router. Wir beobachten derzeit mehr als 200 Firmen, die anfangen, auf dieser vierten Ebene (also oberhalb der bekannten und regulierten Ebenen Erzeugung, Netz und Vertrieb anfangen zu agieren.

 

Bei alldem spielt die Digitalisierung eine große Rolle. Lässt sich denn schon abschätzen, welches der nächste Megatrend sein wird, bzw. wie es auf dem Energiesektor nach der Digitalisierung weitergeht?

Das Internet der Dinge in Verbindung mit künstlicher Intelligenz bildet die nächste Evolutionsstufe von „Smart Energy“: Energieeffizienz wird dabei nicht durch eine schwierig zu bewerkstelligende Verhaltensänderung bei den Konsumenten erreicht, sondern durch die Nutzung von Smartness, Algorithmen und kollektiv lernende Systeme.

Hier treten die Energieversoger gegen die Spieler aus der IT, dem Internet und Consumer Electronics an. Mit wesentlich anderen Innovationszyklen, Kundeninterkationen und Kapitalausstattungen. Es stellt sich zunehmend die Frage, ob man diese neuen Mitbewerber konfrontiert oder mit ihnen kooperiert.

 

Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen. Das wirkt momentan nicht besonders realistisch. Hat die Elektromobilität in Deutschland eine Zukunft?

Umbrüche folgen in der Regel keiner linearen Entwicklung: Als Beispiel nehmen wir einfach mal Smartphones: im Jahr 2008 hatten sie einen Marktanteil von weniger als 1% bei Mobiltelefonen. 2011 waren es bereits 17%, 2015 rund 73%.

Deutschland hinkt leider derzeit bei der Elektromobilität anderen Märkten stark hinterher (Anteile an Neuwagenverkäufen 10-mal weniger als in der Schweiz, 20-mal weniger als in den Niederlanden, 80-mal weniger als in Norwegen), aber noch ist das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 sogar noch schaffbar. Allerdings müssen die Hersteller endlich anfangen, konkurrenzfähige und attraktive Produkte zu entwickeln und anzubieten – sonst werden wir weiter abgehängt.

Wenn der Anteil elektrischer Neuzulassungen im Jahr 2018 auf 2%, im Jahr 2019 auf 7% und im Jahr 2020 auf 21% steigt (so unsere Prognose), dann sind wir bei einer Million.

 

Vielen Dank für das Interview!

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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