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[Interview] Jochen Werne über die Digitalisierung eines Finanzinstituts

[Interview] Jochen Werne über Die Digitalisierung Eines Finanzinstituts

Das Finanzwesen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Digitalisierung und vor allem die FinTechs sorgen dafür, dass sich etablierte Banken transformieren müssen, um auch in den nächsten Jahren erfolgreich zu bleiben. Jochen Werne erklärt, was ein Finanzinstitut tun kann, um seine Kunden auch zukünftig zufrieden stellen zu können.

Banken müssen sich stärker denn je auf die Bedürfnisse und Ansprüche ihrer Kunden konzentrieren, um nachhaltig Erfolg zu haben.

Jochen Werne, Bankhaus August Lenz & Co. AG, München

Jochen Werne verantwortet als Prokurist die Bereiche Marketing, Business Development, Product Management, Training & Treasury bei der Bankhaus August Lenz & Co. AG. Nach seiner zweijährigen Tätigkeit als Navigator des Marine-Segelschulschiffes „Gorch Fock“ arbeitete Jochen Werne im europäischen und amerikanischen Ausland. Unter anderem war er als Client Coverage Analyst bei Bankers Trust Alex. Brown International und im Bereich Global Investment Banking bei der Deutschen Bank AG tätig.

Außerdem ist Jochen Werne ehrenamtlicher Botschafter der Peter Tamm sen. Stiftung des Internationalen Maritimen Museums Hamburg und Mitglied der German Association for Maritime & Naval History.

Können Sie uns kurz skizzieren, wie sich das Bankenwesen in den letzten 5 bis 10 Jahren verändert hat?

Die Bankenwelt befindet sich nach wie vor in einer massiven Umbruchphase. Nach der Lehman-Pleite 2008 standen viele Banken vor gravierenden Herausforderungen, die bis heute nachwirken. Die darauf folgenden Staatskrisen einiger europäischer Länder in 2011 und die bis heute andauernde Niedrigzinsphase macht Banken und Sparkassen noch immer zu schaffen. Sie müssen sich seitdem an noch stärkere Regulierungen halten, Stresstests bestehen und strenge Eigenkapitalvorschriften erfüllen. Neben dem ohnehin hohen Margendruck und neuen Marktteilnehmern, wie den FinTechs, kommt aufgrund der digitalen Revolution noch ein weiterer Veränderungsdruck hinzu: Banken müssen sich stärker denn je auf die Bedürfnisse und Ansprüche ihrer Kunden konzentrieren, um nachhaltig Erfolg zu haben. Die Veränderung des Nutzerverhaltens durch die Digitalisierung hat in den letzten Jahren bereits enorme Wandlungen in den Geschäftsmodellen der Banken ausgelöst. Dieser Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen und die Branche maßgeblich beeinflussen. Wer in diesen turbulenten Zeiten sein Geschäftsmodell nicht entsprechend verändert und keine Anpassungsfähigkeit besitzt, wird im zukünftigen Wettbewerb kaum bestehen.

Wie können FinTechs Kundenbedürfnisse besser erfüllen als traditionelle Banken?

Die digitale Transformation stellt traditionelle Banken vor schwierige Aufgaben. Insbesondere was die Anpassung an neue Kundenansprüche betrifft – so werden viele Banken aufgrund ihrer komplexen IT-Infrastruktur und der oftmals noch vorherrschenden unflexiblen bürokratischen Prozesslandschaften vor große Herausforderungen gestellt. FinTechs sind dafür prädestiniert, „Pain Points“, also Schmerzpunkte offenzulegen, die die klassische Bankenwelt mit ihren Prozessen beim Kunden verursacht. Aufgrund dessen, dass die meisten FinTechs Neugründungen sind und sie sich auf nur einen kleinen Teil der Prozesskette einer Bank spezialisieren sowie hochflexibel sind, zeigen sie den Banken auf, wo der Schuh drückt. Sie verfolgen den Anspruch, das Geschäft mit Finanzdienstleistungen durch eine höhere Kundenorientierung zu revolutionieren. Zudem nutzen sie die Möglichkeiten, die sich aus der Digitalisierung ergeben, kreativer als viele Institute dazu in der Lage sind. Folglich können sie sich durch innovative, neue Technologien und schlanke Strukturen bereits heute gut auf zukünftige Kundenansprüche konzentrieren. Traditionelle Banken müssen diese Schmerzpunkte wahrnehmen und klug handeln, um sich künftig am Markt behaupten zu können.

Was müssen Banken tun, wie müssen Sie sich transformieren, um in zehn Jahren noch Erfolg zu haben und konkurrenzfähig zu sein?

Generell ist es schwierig vorherzusehen, was in den nächsten zehn Jahren alles in der Branche passieren wird – gerade vor dem Hintergrund, dass sich die komplette Banken- und Finanzindustrie in einem disruptiven Umfeld befindet. Geschäftsmodelle müssen digitalisiert, innovative Services und intelligente Finanzlösungen angeboten werden. Und das ist erst der erste Schritt zur nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit. In Zukunft wird ein wesentlicher Fokus auf den Kundenbedürfnissen liegen müssen, da die Veränderungen des Kundenverhaltens die größte Herausforderung für die Banken darstellt. Denn schließlich sind es die Verbraucher, die sich durch die digitale Revolution in den letzten Jahren am meisten verändert haben. Sie wollen nutzerfreundliche Services, schnell informiert sein und keine Wartezeiten bei der Beratung haben. Auf diesen dynamischen Wandel müssen sich die Banken einstellen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Daneben gilt es individuellste und vertrauensvollste Beratung auf Augenhöhe anzubieten. All diese Punkte bedingen intern Veränderungen im Denken sowie im Handeln. Mitunter helfen dabei in Zukunft Kooperationen mit FinTechs und anderen IT-Dienstleistern, um nachhaltig erfolgreich zu bleiben.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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