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Jan Berger über das Teilen und Besitzen in der Adaptive Economy

Jan Berger über Das Teilen Und Besitzen In Der Adaptive Economy

Während früher beinahe jeder ein Auto, Haus und weitere Produkte besitzen wollte, geht der Trend seit Jahren hin zum Teilen. Doch welche Auswirkungen wird dieser Trend auf die Wirtschafts haben und wird wirklich alles geteilt oder gibt es Ausnahmen?

Am Ende gewinnen Kunden!

Jan Berger, 2b AHEAD ThinkTank, Leipzig

Jan Berger leitet den 2b AHEAD ThinkTank, Deutschlands größtes Trendforschungsinstitut. Der Historiker und Slawist lebte viele Jahre in Russland sowie den USA und bekleidete eine Reihe von Führungspositionen in international agierenden Unternehmen, wo er Strategien zur Erschließung internationaler Märkte erarbeitete und umsetzte. Direkt vor seinem Wechsel zu 2b AHEAD entwickelte er in einem preisgekrönten IT-Startup eine Plattform zur Konfiguration und Vermittlung hochindividualisierter Finanzprodukte für ein großes deutsches Bankhaus.

Jan Berger

Jan Berger

Tauschen statt kaufen, leihen statt besitzen – sind wir auf dem Weg in eine neue Konsumkultur? Wird in Zukunft Besitz überhaupt noch eine Rolle spielen?

Die Einstellung der Menschen zu Besitz hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Früher war es ein großes Versprechen, ein eigenes Auto zu besitzen. Das wurde als Freiheit empfunden. Heute erleben wir das Gegenteil: Die Menschen wollen sich Möglichkeiten offenhalten, sich nicht mehr festlegen müssen. Das individuelle Freiheitsempfinden steht im Mittelpunkt. Daran werden sich Unternehmen messen müssen.

Mein Haus, mein Boot, mein Auto – was wird morgen geteilt und was besessen? Wie verändert sich unsere Wirtschaft, wenn Kunden nutzen anstatt zu besitzen?

Im Prinzip muss sich die Wirtschaft neu erfinden. Durch die Digitalisierung findet ein Wandel sämtlicher Geschäftsmodelle statt. Das, was der Begriff „Sharing Economy“ bezeichnet, ist dabei nur der Anfang. Der Fantasie sind theoretisch keine Grenzen gesetzt. Wir sind mitten auf dem Weg hin zu einer Wirtschaft, die ihre Produkte je nach Situation und Vorliebe des Kunden anpassen kann. Der Schlüssel dafür sind Daten, also die Auswertung des Kundenverhaltens. So entsteht eine Form des Wirtschaftens, dir wir „Adaptive Economy“ nennen: Variabel, situationsabhängig und auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten. „Teilen“ kann man dabei also alles, besitzen auch. Die Grenzen verlaufen fließend und je nach den Bedürfnissen der Nutzer.

Carsharing kennt mittlerweile jeder. Doch werden (jetzt oder in der Zukunft) auch Produkte geteilt, mit denen kaum jemand gerechnet hat?

Die Adaptive Economy wird sich ohne Zweifel ausbreiten. Einkaufen, Kochen, Lernen, Arbeiten, Mobilität – theoretisch funktioniert das Modell in allen Lebensbereichen. Die entscheidende Frage ist: Wo lassen sich Güter ohne hohe Transaktionskosten sharen? Welche passgenauen Produkte entsprechen den Vorlieben der Kunden? Ob „myways“ von DHL, eine simple Logistiklösung, oder die Parkplatz-App „Parkatmyhouse“ von BMW, Jobsharing-Modelle, auch in Führungspositionen, Bildungsangebote und Wissen oder Versuche von Unternehmen, sich zu vernetzen und Aufträge zu teilen – es wird mit unzähligen Ideen experimentiert. Durchsetzen werden sich die innovativsten unter ihnen. Am Ende gewinnen Kunden.

Welche Meinung haben Sie zu der Kritik, dass die Sharing Economy zu Dumping-Preisen führt, die unter anderem Sascha Lobo und Byung-Chul Han in den letzten Jahren äußerten?

Die Kritik klingt auf den ersten Blick einleuchtend. Einer genaueren Überprüfung hält sie allerdings nicht stand. Die Fahrdienst-App UBER beispielsweise berechnet seine Preise nach der jeweiligen Marktsituation, also nach Angebot und Nachfrage. Es kann also durchaus sein, dass ein UBER-Fahrer so einmal weniger verdient als sein festangestellter Kollege von der benachbarten Taxizentrale. In Stoßzeiten ist das aber genau umgekehrt. Der entscheidende Unterschied: Am Ende wird der Fahrer mehr verdienen, der die individuellen Wünsche der Kunden ernst nimmt. Dieses Beispiel lässt sich auf viele andere Bereiche übertragen. Die Zeit der Einheits-Preise für Einheits-Kunden ist vorbei.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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