skip to Main Content

Günter Neumann über den langen Weg zur Digitalisierung

Günter Neumann über Den Langen Weg Zur Digitalisierung

Vor der Immobilienwirtschaft liegt noch ein langer Weg im Hinblick auf die Digitalisierung. Günter Neumann zeigt auf, warum ein „weiter so“ keine Option im digitalen Zeitalter mehr darstellen kann.

Wenn unter einem digitalen Immobilienmanagement eine „digitale Transformation, die das Fundament des Unternehmens in seiner Strategie, Struktur, Kultur und seinen Prozessen verändert“ verstanden wird, stehen wir in der Immobilienwirtschaft ganz sicher erst am Anfang.

Günter Neumann, CREIS Real Estate Solutions, Berlin

Günter Neumann ist Mitbegründer des genossenschaftlichen Unternehmens CREIS Real Estate Solutions eG, welches seine Mitglieder im Immobilienbereich durch das Entwickeln und Bereitstellen zentraler IT-Systeme zur Geschäftsprozessunterstützung und internationaler Standards für Kennzahlensysteme und Benchmarks unterstützt.

Günter Neumann ist Vorstand der CREIS Real Estate Solutions eG, geschäftsführender Gesellschafter der Neumann & Partner in Berlin sowie Lehrbeauftragter an der HTW Berlin. Darüber hinaus ist er Autor verschiedener Fachpublikationen.

Standards und Transparenz sind Voraussetzung für ein digitales Immobilienmanagement. Wie weit ist die Branche ihrer Meinung nach in diesem Feld entwickelt?

Um diese Frage besser beantworten zu können, halte ich es für notwendig, die Begriffe Standards, Transparenz und digitales Immobilienmanagement zu präzisieren.

Die Immobilienwirtschaft lebt in einem engen Korsett sich teilweise widersprechender Gesetze, Verordnungen, Richtlinien und sonstigen Regelungen, die dazu dienen sollten, Standards zu setzen. Trotzdem fehlen zum Beispiel für die längste und teuerste Lebenszyklusphase, die Nutzung, wesentliche Standards unter anderem zu Datenaustausch, Bestandsdokumentation, Kostengliederung und Reporting.

Was ist Transparenz? Beispiele dafür sind der BSI Performanceberichts-Standard, der Immobilien-Transparenz-Index von JLL oder die Forderung nach einer vergleichbaren Transparenz wie in anderen Assetklassen (z. B. Aktien) oder dem Kerngeschäft (z. B. Automotive). Dabei lässt sich feststellen: Je mehr ausländisches Kapital nach Deutschland kommt, umso größer werden die Transparenzanforderungen.

Bei beiden Begriffen – Standards und Transparenz – halte ich eine inhaltliche Auseinandersetzung und Harmonisierung für dringend notwendig.

Nun zu Ihrer Frage:

Wenn unter einem digitalen Immobilienmanagement das „Überführen analoger Größen in digitale Welten“ verstanden wird, sehe ich die Digitalisierung innerhalb der einzelnen Management-Disziplinen wie Asset-, Property- oder Facility Management recht weit fortgeschritten. Die Probleme beginnen hier bei managementübergreifenden Prozessen (z. B. der Kommunikation zwischen Asset- und Property Management). Fehlende Standards und mangelhafte Datenaustauschformate führen dabei zu Performanceverlusten und höheren Risiken.

Wenn aber unter einem digitalen Immobilienmanagement eine „digitale Transformation, die das Fundament des Unternehmens in seiner Strategie, Struktur, Kultur und seinen Prozessen verändert“ verstanden wird, stehen wir in der Immobilienwirtschaft – anders als z. B. im Verlagswesen – ganz sicher erst am Anfang.

Als einen ganzheitlichen, vielversprechenden und prozessorientierten Ansatz sehe ich BIM (Building Information Modeling). Dazu ist es aber notwendig, BIM nicht nur als technische Softwarelösung für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der an Planung und am Bau von Immobilien beteiligten Akteure, sondern als zentrales Datenmodell für alle technischen und kaufmännischen Prozesse im Lebenszyklus einer Immobilie zu verstehen. Die Digitalisierung der eigenen Prozesse und die Verknüpfung mit dem zentralen Datenmodell bieten allen Beteiligten vollkommen neue Möglichkeiten in der Planung, im Betrieb und bei der Vermarktung. Dabei müssen aber die Inhalte die Software bestimmen und nicht umgekehrt. Daran arbeiten wir.

Welche Grundlagen müssen geschaffen werden, damit die Digitalisierung in den Unternehmen Fahrt aufnimmt?

Lassen Sie mich mit der in Unternehmen vielfach vorgefundenen Situation beginnen: Viele Bestandshalter haben in den vergangenen Jahren Dienstleistungen sowohl intern als auch extern auf unterschiedliche Akteure verteilt, ohne einheitliche Dokumentationsvorgaben zu formulieren – wie es zum Beispiel bei der CAD-Planung üblich ist. Diese Dienstleister sammeln, dokumentieren und bearbeiten Informationen und Daten für ihren Aufgabenbereich oft auf verteilten Systemen in unterschiedlichen Formaten. Eine zentrale Plattform mit gemeinsamen Spielregeln ist eher die Ausnahme.

Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich „ohne Druck vom Markt“ wenig bewegt. Das können zum Beispiel Anteilseigner sein, die Auskunft über Risiken innerhalb des Portfolios erwarten, Bestandshalter, die einem Dienstleister das Mandat entziehen, weil sie die vertraglich vereinbarten Leistungen schlecht erfüllt sehen, oder gesetzliche Transparenzanforderungen, oder …

Um die Anforderungen des Marktes zu erfüllen, halte ich es für einen der Grundpfeiler guter Unternehmensführung – Stichwort: Corporate Governance Kodex – im Unternehmen das Verständnis für die Notwendigkeit einer zentralen, digitalen, aktuellen, vollständigen und redundanzfreien Bestandsdokumentation zu verankern und umzusetzen.

Darüber hinaus halte ich es für notwendig, die Geschäftsprozesse innerhalb der einzelnen Wertschöpfungsketten an die zukünftigen – digitalen – Anforderungen zum Beispiel im Vermarktungsprozess anzupassen.

Und natürlich spielt die Unternehmens-IT dabei eine zentrale Rolle. Ohne den Aufbau und das Management hybrider IT-Umgebungen zwischen der eigenen IT-Infrastruktur und externen Cloud-Services lassen sich Flexibilität, Geschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit großer Datenmengen nicht gewährleisten.

Fazit:

Zurzeit erlebe ich in der Immobilienwirtschaft noch Vorbehalte gegenüber einer Verknüpfung der eigenen IT-Infrastruktur mit externen Cloud-Services. Diese Bedenken müssen Ernst genommen werden – sie dürfen aber nicht als Vorwand herhalten, das eigene Leistungsspektrum nicht kontinuierlich auf mögliche digitale Einflüsse hin zu überprüfen.

Aus diesem Grund ist eine digitale Strategie erforderlich, die beim Unternehmensauftritt im Netz beginnt und mit der Identifikation möglicher digitaler Wertschöpfungsprozesse endet. Ein „weiter so“ ist keine Option.

immotech Rückblick

Wird die Immobilienbranche endlich digital?

Erfahren Sie, ob PropTechs dafür sorgen, dass die Immobilienwirtschaft endlich digital wird und welche Techniken für die Digitalisierung eingesetzt werden können.
Jetzt herunterladen!

Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top

Entdecken Sie die Entwicklungen der Zukunft!

Erhalten Sie in der zweiten Auflage des Immobilien Spektrums exklusive Beiträge führender Immobilien-Experten zu den Themen, welche die Branche bewegen: Quartiersentwicklung. bezhalbarer Wohnraum und Smart Buildings.

Jetzt herunterladen!

Immobilien Spektrum: Exklusive Beiträge zum Download