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Flüchtlinge & Ausbildung bei Feldbinder (Teil 2) – Theorieverkürzte Ausbildung

Flüchtlinge & Ausbildung Bei Feldbinder (Teil 2) – Theorieverkürzte Ausbildung

Im ersten Teil unseres Interviews mit Frau Kley sprachen wir über die bisherigen Erfahrungen, die die Feldbinder Spezialfahrzeugwerke GmbH bei der Praktika-Durchführung mit Flüchtlingen machte. Über die Erfolge, aber auch über die Schwierigkeiten, die durch den Kulturschock und die hohen Ansprüche der deutschen Ausbildung entstehen. Was für die Flüchtlinge gilt, ist dabei auch auf die Ausbildung von anderen jungen Menschen übertragbar, die in ihrem bisherigen Schulleben Schwierigkeiten beim Lernen hatten und in der Berufsschule deshalb aller Voraussicht nach nicht mitkommen würden.

Aus den Erkenntnissen, die bei Feldbinder mit den Flüchtlingen gesammelt wurden, plant man jetzt entsprechend ein Konzept, das mehrere Zielgruppen für eine zweijährige verkürzte und theoriereduzierte Ausbildung ansprechen soll. Damit sollen die Chancen aller jungen Menschen gesteigert und gleichzeitig dem Fachkräftemangel entgegen getreten werden.

Dr. Nina Lorea Kley ist seit 2009 Personalleiterin der Feldbinder Spezialfahrzeugwerke GmbH, einem der größten europäischen Hersteller für Nutzfahrzeuge in Winsen (Luhe). Seit August 2015 beschäftigt Feldbinder Flüchtlinge im Betrieb. Die Betriebsintegration der Flüchtlinge kann bei Feldbinder durch Praktika, das Modell „Lehre mit vorhergehender Einstiegsqualifizierung“ sowie über den Weg der betriebsinternen Ausbildung zum Schweißer oder Schlosser erfolgen. Zuvor arbeitete die promovierte Juristin in der Kanzlei Eversheds in Muenchen. Nina Lorea Kley ist Mitglied im Wirtschaftsbeirat des Landes Sachsen-Anhalt.

Ausbildung umkrempeln für neue Zielgruppen

Aus den Erfahrungen bei der Betriebsintegration von Flüchtlingen konnten auch Rückschlüsse auf die Ausbildung insgesamt gezogen werden, erklärte die Personalleiterin. Es sei bekannt, dass auch einige deutsche Jugendliche Schwierigkeiten mit den 3,5-jährigen dualen Ausbildungsberufen hätten. Diejenigen, die sich in der Schule schwertaten, kämen in der anspruchsvollen Ausbildung teilweise nicht mit. Und die könne man nicht einfach dreieinhalb Jahre zum Lernen zwingen, sondern müsse sie dort abholen, wo sie stehen. Deshalb ist es nun das Ziel von Feldbinder, zusätzlich einen neuen Ausbildungsgang zu etablieren, der die klassische Ausbildung zum Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker ergänze.

Jugendliche ohne Berufsausbildung sind mit aller Wahrscheinlichkeit die Langzeitarbeitslosen von morgen. Das darf nicht passieren.

In zwei Jahren zur „Fachkraft Metall“

Diesen Bedarfsgruppen müsse man begegnen, indem man bei der Ausbildung ansetze. Viele Institutionen trauen sich das nicht, sagen, man dürfe das Niveau nicht senken. Aber damit schaffe man nur eine Situation, in der die Jugendlichen am Ende ganz ohne Ausbildung dastehen. Und das dürfe nicht passieren.

Bildnachweis: Ausbildung bei Feldbinder – Foto: Malte Goy

Als Antwort darauf engagiert sich das Unternehmen für die Schaffung einer sogenannten theorieverkürzte Ausbildung. Die Idee ist, den Ausbildungsgang zur „Fachkraft Metall“ neben der klassischen 3,5-jährigen Ausbildung zum Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker im Betrieb anzubieten. Der Ausbildungsgang ist inhaltlich auf Grundlagenwissen ausgerichtet, dauere nur zwei Jahre und konzentriere sich auf die berufliche Praxis. Danach verfügt der Auszubildende über eine anerkannte berufliche Erstausbildung. Diejenigen, die durch den Erfolg über den erreichten Abschluss motiviert und hoffnungsvoll sind, trauten sich möglicherweise danach noch, auf diese Ausbildung mit Weiterqualifikationen aufzubauen.

In der Berufsschule könnte das dann so aussehen, dass in einem „10 + 2 Modell“ bei Feldbinder zehn Azubis aus dem Lehrberuf Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker und zwei für die Fachkraft Metall ausgebildet werden. Den Berufsschulunterricht könnte man splitten, in einen Tag Grundlagenausbildung, an dem alle Azubis teilnehmen, und einen Tag Unterricht für die Leute im längeren Ausbildungsgang. Die genaue Umsetzung müsse durch die jeweilige Berufsschule gestaltet werden.

Bildnachweis: Ausbildung bei Feldbinder – Foto: Heike Vosberg

Kammern, Unternehmen und Berufsschule müssten mitziehen

Es sein nicht einfach, einen neuen Ausbildungsgang in einem Gebiet zu etablieren. Die Zahl Zwölf (aus dem 10 + 2 Modell) komme nicht von Ungefähr. Sie sei eine Richtzahl für ein Minimum an Auszubildenden, die für eine Klasse gebraucht würden, damit eine Rückfinanzierung durch das Bundesland zustande käme, wurde dem Unternehmen mitgeteilt. An dieser Stelle entsteht nun ein Zirkelschluss, denn die Berufsschule startet einen Ausbildungsgang erst dann, wenn sie die zwölf Leute zusammen hat, während die Unternehmen erst einstellen, wenn sie wissen, dass der Ausbildungsgang in einer lokal erreichbaren Berufsschule auch angeboten wird.

Generell halte ich das Thema Qualität für extrem wichtig. Eine Führerschaft in Qualitätsfragen ist besser als eine Führerschaft in Preisfragen.

Hier brauche es die Kammern, um zu vermitteln und mehr Öffentlichkeit zu schaffen, damit das Konzept dann auch die zuständigen Entscheider in den Unternehmen erreiche. Viele Ausbilder kennen die theoriereduzierten Ausbildungen noch nicht und fordern deshalb die Umsetzung der neuen Ausbildungsinhalte durch die Berufsschulen vor Ort nicht aktiv ein. Dabei bietet gerade ein solch verkürzter Ausbildungsgang für die Unternehmen die Möglichkeit, auch diejenigen Bewerber in den Arbeitsmarkt mitzunehmen, die zwar handwerklich sehr talentiert seien, aber im schulischen Umfeld bisher wenige Erfolge für sich verbuchen konnten.

Neue Ausbildungsberufe hätten es anfangs immer schwer, Fuß zu fassen, erzählt Frau Kley. Jedoch gebe es durchaus Beispiele, die sich durchsetzen konnten, wie die Logistik-Ausbildung, bei der man auf ähnliche Art und Weise nach Abschluss der Ausbildung zur zweijährigen Fachkraft für Lagerlogistik „draufsatteln“ könne. Oder die Ergotherapie-Ausbildung aus dem Gesundheitsbereich, schloss Frau Kley optimistisch, die anfangs auch niemandem etwas sagte, die aber heute absolut anerkannt und üblich sei – schließlich finde man eine entsprechende Praxis jetzt bundesweit in nahezu jeder Stadt.

Der neue Ausbildungsgang zur Fachkraft Metall wird bei Feldbinder derzeit geplant und soll ab dem nächsten Lehrjahr umgesetzt werden. Wir bedanken uns bei Frau Kley für das ausführliche Interview und wünschen Feldbinder viel Erfolg bei der Einführung.

Sofern Sie Fragen haben, stellen Sie diese gerne per Mail, in den Kommentaren oder besuchen Sie uns auf dem Zukunftsgipfel Integration in Berlin.

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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