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Flüchtlinge & Ausbildung bei Feldbinder (Teil 1) – Erfahrungen mit Flüchtlingen

Flüchtlinge & Ausbildung Bei Feldbinder (Teil 1) – Erfahrungen Mit Flüchtlingen

Die Feldbinder Spezialfahrzeugwerke GmbH ist einer der deutschen Hidden Champions. Im B2B-Bereich stellt das Unternehmen aus Winsen (Luhe) dort und am Standort Lutherstadt Wittenberg Spezialfahrzeuge wie Silofahrzeuge oder Kesselwagen her, um diese auf dem europäischen Markt zu vertreiben. Ein klassischer industrieller Bereich, in dem Fachkräfte traditionell auch durch die Ausbildung gesichert werden.

Das ist bei Feldbinder nicht anders. Dort bietet man jedes Jahr an beiden Standorten 20 bis 25 Ausbildungsplätze im Ausbildungsberuf Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker an. Wie jedes Unternehmen hat auch Feldbinder derzeit damit zu kämpfen, diese Lehrstellen frühzeitig mit guten Bewerbern zu besetzen. Über die Idee, die offenen Stellen im Produktionsbereich versuchsweise Flüchtlingen anzubieten, die Probleme, Chancen und Erkenntnisse, die sich daraus ergaben, und über ein neues Ausbildungskonzept sprach ich mit Feldbinder Personalleiterin Dr. Nina Lorea Kley am Telefon.

Dr. Nina Lorea Kley ist seit 2009 Personalleiterin der Feldbinder Spezialfahrzeugwerke GmbH, einem der größten europäischen Hersteller für Nutzfahrzeuge in Winsen (Luhe). Seit August 2015 beschäftigt Feldbinder Flüchtlinge im Betrieb. Die Betriebsintegration der Flüchtlinge kann bei Feldbinder durch Praktika, das Modell „Lehre mit vorhergehender Einstiegsqualifizierung“ sowie über den Weg der betriebsinternen Ausbildung zum Schweißer oder Schlosser erfolgen. Zuvor arbeitete die promovierte Juristin in der Kanzlei Eversheds in Muenchen. Nina Lorea Kley ist Mitglied im Wirtschaftsbeirat des Landes Sachsen-Anhalt.

Der Anfang: Einfach mal machen!

„Die Grundidee war, Fachkräfte zu gewinnen.“ sagte Frau Kley auf meine Frage, wie man überhaupt darauf komme, mit so etwas anzufangen. Durch die aktuellen demographischen Bedingungen sowie die vielen Abiturienten und Studenten sei es nicht einfach, offene (Lehr-)stellen zu besetzen. Man habe im Hinblick auf Mitarbeitergewinnung langfristig somit nur die Wahl, ausreichend auszubilden, Mitarbeiter abzuwerben oder neue Quellen anzuzapfen.

Die fanden es gut, dass ein Unternehmen mal mit sowas anfängt.

Zufällig liegt nahe dem Winsener Werk des Unternehmens eine Erstaufnahmeeinrichtung. Von den ehrenamtlichen Helfern, die meistens über die Kirche dort aushalfen, wusste man, dass die meisten der Neuankömmlinge händeringend eine Beschäftigung oder eine sinnvolle Tätigkeit suchten. Also ging man einfach mal zur Kirche und fragte nach. Dort wurde das Engagement „sehr positiv aufgenommen. Die fanden es gut, dass ein Unternehmen mal mit sowas anfängt.“

Da die Eingliederung in den Arbeitsmarkt mittlerweile vereinfacht wurde und auch die Vorrangprüfung in der Praxis kein unüberwindbares Hindernis darstelle, war es schnell das Ziel, bis zu 12 Flüchtlinge in die betriebsinterne Ausbildung zu bringen. Acht wurden bisher für ein Praktikum ausgewählt, von denen einer noch immer im Betrieb ist und derzeit eine Einstiegsqualifizierung durchläuft.

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Ausbildung von Flüchtlingen bei Feldbinder

Die Reaktion der Belegschaft: von Skepsis zu Stolz

Anfangs ging Feldbinder mit der Hoffnung an das Projekt, möglichst alle neuen Praktikanten auch übernehmen zu können. Die in der Belegschaft geäußerten Reaktionen waren zu Beginn gemischt. Einige Mitarbeiter waren skeptisch und wussten nicht recht, wie sich der zukünftige betriebliche Alltag gestalten würde. In der Realität zeigte sich, dass viele der Flüchtlinge nicht die geeigneten Bewerber waren, eine extrem hohe Lernkurve und Sprachschwierigkeiten meistern mussten.

Die Chance auf einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz ist etwas Besonderes und sollte denjenigen Bewerbern zukommen, zu deren Vorbildung und Neigungen sie passt.

„Alles ging langsamer voran als erhofft.“ resümierte Frau Kley. „Wir haben erkannt, dass wir bereits am Anfang viel stärker auswählen müssen, um Bewerber mit geeigneten Vorkenntnissen zu finden. Die Chance auf einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz ist etwas Besonderes und sollte denjenigen Bewerbern zukommen, zu deren Vorbildung und Neigungen sie auch wirklich passt. So können die eingesetzten Energien auf beiden Seiten die besten Resultate hervorbringen.“

So ist von den acht Praktikanten erstmal nur noch einer im Betrieb. „Er ist Sudanese und macht bei uns eine einjährige Einstiegsqualifizierung.“ erzählt Frau Kley stolz. „Bei den Kollegen kommt er mittlerweile großartig an. Er ist motiviert, zuverlässig, fleißig und lernt toll deutsch bei einer Sprachlehrerin, die wir für ihn engagiert haben.“

Bildnachweis: Andreas Tamme / Feldbinder

Seine Einsatzfreude mache ihn auch bei den Kollegen beliebt, die mittlerweile sehr stolz darauf sind, jemandem zu helfen und ihn zu integrieren. Sie freuen sich über seine Fortschritte und darüber, dass er die „typischen deutschen“ Arbeitsregeln zu Pünktlichkeit und Pausenzeiten respektiere und einhalte. Auch da war die Skepsis zu Beginn groß.

An diesem Beispiel sehe man die Chancen, die der Arbeitsmarkt für die Integration biete. Und zwar nicht nur für die Geflüchteten selbst, sondern auch für die deutschen Kollegen, die die Menschen auf diese Art konkret kennenlernen und die sehen, dass Integration eine lösbare Aufgabe ist, vor der man keine Angst haben müsse.

Nur einer von acht. Schlechte Ausbeute oder wertvolle Erfahrung?

Nur insgesamt einer von den acht Flüchtlingen bei Feldbinder wird nun weiterqualifiziert. Woran lag das, wollte ich von Frau Kley wissen. Die Gründe dafür sind vielfältig und nachvollziehbar. Besonders lange sprachen wir diesbezüglich über den Kulturschock, dem die Menschen in einem neuen Land ausgesetzt sind.

Ausbildung und Flüchtlinge

Bildnachweis: Ingo Heine/DIHK Service GmbH

Deutschland sei hochindustrialisiert, sagte Frau Kley, und vieles, was für uns selbstverständlich sei, müsse bei der Integration von Flüchtlingen auf den Prüfstand. Es gebe bei uns eine andere Lebenswirklichkeit und eine neue Arbeitswelt, deren Gepflogenheiten für viele dieser Menschen völlig neu seien.

So sei es in erster Linie eine gesellschaftliche Aufgabe der Unternehmen, den Menschen eine erste Orientierung zu bieten. Praktika bieten hier eine gute Möglichkeit, Branchen und Berufsbilder in Deutschland kennenzulernen, zu sehen, wie Betriebe funktionieren und zu schauen, welche Art von Tätigkeit zu einem passe. So lassen sich auch Flüchtlinge, die noch nicht lange hier sind, langsam an die deutsche Arbeitskultur heranführen, betont Frau Kley.

Flüchtlinge werden in der Regel mehrere Praktika absolvieren, bevor sie gefunden haben, was zu ihnen passt. Eine solche Phase muss auch seitens der Betriebe drin sein, denn die Trefferwahrscheinlichkeit, in einem komplett neuen Land gleich beim ersten Versuch das Richtige zu finden, ist nicht hoch.

Einige der Flüchtlinge seien noch nicht soweit gewesen, bereits voll in den Erwerbsalltag einzusteigen. Sie brauchten noch mehr Zeit, im Land anzukommen und mussten sich zudem fast alle noch grundlegende Deutschkenntnisse aneignen. Gerade die Sprachkenntnisse seien das Allerwichtigste für eine erfolgreiche beruflichen Integration. Auch kleinste technische Zusammenhänge könnten ohne sie nicht vermittelt werden und die Lernkurve dauere zu lange. Dadurch werde es den Ausbildern erschwert, Praktikanten zu Erfolgserlebnissen zu führen, was mittelfristig Frustration hervorbringe.

Aber auch die traditionelle duale handwerkliche Ausbildung sei aus dem Stand weg zu anspruchsvoll für sie gewesen. So ist am Ende leider zunächst nur einer geblieben. Das Unternehmen bietet auch künftig interessierten und geeigneten Bewerbern die Möglichkeit, über ein Kennenlern-Praktikum erste Erfahrungen in einem handwerklichen Metallberuf zu sammeln.

Um in Zukunft auch die Ausbildung zugänglicher für neue Bedarfsgruppen zu machen, wird bei Feldbinder derzeit ein neues Ausbildungskonzept geplant, das ab dem nächsten Lehrjahr umgesetzt werden soll. Lesen Sie dazu mehr im zweiten Teil des Interviews, der in der kommenden Woche erscheint.

Sofern Sie Fragen haben, stellen Sie diese gerne per Mail, in den Kommentaren oder besuchen Sie uns auf dem Zukunftsgipfel Integration in Berlin.

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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