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[Interview] Claudia Lang über die digitale Versicherung

[Interview] Claudia Lang über Die Digitale Versicherung

Dr. Claudia Lang hat mit ihrem Startup Community Life die Versicherungsbranche auf den Kopf gestellt. Es ist das erste Unternehmen in der Lebensversicherungsbrache, welches komplett digital agiert. Dabei steht der Community Gedanke im Vordergrund. Die Sätze der Vertragstexte von Community Life haben nie mehr als 15 Wörter und sie kommen komplett ohne die gewohnte Juristensprache aus.

Ob und welche traditionellen Versicherer in 30 Jahren noch bestehen, hängt von ihrer Anpassungsfähigkeit ab.

Dr. Claudia Lang, Community Life, Kelkheim

Claudia Lang wurde in Kanada geboren. Sie studierte und promovierte an der University of Toronto Law School. Sie war sowohl in Kanada als auch in England und Wales als Rechtsanwältin zugelassen.

Vor der Startup-Gründung bekleidete Dr. Claudia Lang diverse Positionen im gehobenen Management der internationalen Lebensversicherungsbranche. Sie war Vorstandsmitglied von Canada Life Europe und trat 2000 mit dieser in den deutschen Markt ein. Weitere Positionen waren unter anderem Head of International Development von Prudential in Großbritannien und Vorsitzende der Association of International Life Offices. Durch diese Tätigkeit ist Claudia Lang mit den politischen Diskussionen rund um das Thema Lebensversicherung vertraut.

Claudia Lang

Dr. Claudia Lang

Welchen Vorteil bietet eine digitale/online Versicherung im Vergleich zu traditionellen Modellen und Verträgen?

Der große Vorteil ist die digitale Bequemlichkeit. Sie können zu Hause auf der Couch Ihren Versicherungsschutz bei Community Life erhalten – online und ganz ohne Papierkram. Das entspricht der Erwartung von Menschen, die online ihren Urlaub buchen oder sonst etwas bestellen.

Die anonyme online Gesundheitsprüfung der Community Life bietet auch einen wichtigen Vorteil. Man erfährt zuerst, ob und zu welchem Preis man versichert wird. Erst dann klickt man auf Antrag stellen und gibt somit die eigenen Daten weiter. Bei einem Papierantrag beantwortet man die Gesundheitsfragen und reicht den Antrag ein, ohne das Ergebnis zu kennen. Vielleicht bekommt man ein Gegenangebot mit Zuschlag. Dann muss man diese Risikobewertung später mitteilen, wenn man bei anderen Versicherern einen Antrag stellt.

Daneben ermöglicht eine online Versicherung eine hohe Transparenz. Man kann Informationen digital ganz anders zur Verfügung stellen. Über ein gesichertes Online-Portal speichern wir alles transparent für den Kunden. Seine Vertragsunterlagen sowie auch Beratungsgespräche oder Chats kann er dort alle chronologisch geordnet einsehen.

Nicht zuletzt bietet die digitale Versicherungsplattform eine ganz andere Möglichkeit der Interaktion mit anderen Versicherten. Man kann sich durch Bewertungen und Kommentare anderer Kunden informieren und sich mit ihnen austauschen.

Warum ist es so schwierig für traditionelle Versicherungsunternehmen, auf digital umzustellen bzw. die gewohnten Abläufe zu transformieren?

Traditionelle Unternehmen haben schon vor vielen Jahren ihre Prozesse automatisiert. Das war sinnvoll für die Bestandsverwaltung, aber nun sitzen die Bestände auf alten Technologien. Sie kennen meist kein Web Front End oder direkte Interaktion mit dem Kunden. Der Aufwand der Umstellung ist enorm.

Noch dazu ist die Finanzkrise dazwischen gekommen. Sie hat eine Regulierungswelle ausgelöst, die Unternehmen von der Digitalisierung abgelenkt hat. Es ging erstmal darum, sich auf Solvency II vorzubereiten und viele andere neue Vorschriften umzusetzen.

Nicht zuletzt stehen traditionelle Unternehmen vor dem Problem des Kanalkonflikts. Wie reagiert mein Vertrieb darauf, wenn ich es Kunden ermögliche, sich direkt online zu versichern? Eine solche Veränderung ist oft mit Befürchtungen verbunden, dass ein Aufgabenbereich wegfällt. Dadurch ist der Mut zur Veränderung entsprechend gedämpft.

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https://www.youtube.com/watch?v=FkBMCjs5oas

Sind es vor allem junge Menschen, die sich bei Community Life versichern, da sie weniger kritisch gegenüber dem digitalen Wandel sind?

Das würde man vermuten, es ist aber nicht der Fall. Wir haben Kunden in der gesamten Altersbandbreite von 18 bis 64 Jahre. Ob man dem digitalen Wandel offen gegenüber steht, ist eher eine Sache der Einstellung. Unsere Kunden sind Menschen, die ein hohes Maß an Selbstbestimmung aufzeigen. Sie informieren sich selbst und entscheiden dann, ob sie weitere Informationen von uns brauchen. Wenn sie sich per Telefon oder Chat mit Fragen melden, helfen wir ihnen weiter. Mit vielen Kunden haben wir aber zuerst Kontakt, wenn sie sich zum Beispiel zur Web Video Identifizierung melden.

Sie haben eine Infografik, die besagt, dass sich Versicherungsunternehmen an Unternehmen wie Aldi und Ikea orientieren sollen. Warum glauben Sie, dass gerade diese Unternehmen als Vorbild dienen sollen?

Diese Unternehmen sind in einer TNS-Infratest Umfrage aus 2014 am Häufigsten benannt worden. Die Frage an die insgesamt 1000 Teilnehmer lautete: „An welchen Unternehmen sollten Versicherungsunternehmen sich ein Vorbild nehmen?“

Ich leite davon ab, dass Menschen sich vor allem ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis wünschen. Es sind aber auch andere Unternehmen benannt worden. Apple, Facebook und Amazon sind insbesondere durch jüngere Menschen als Vorbilder zitiert worden.

Insgesamt zeigen diese Vergleiche auf, dass Menschen die Branche als verbesserungswürdig wahrnehmen. Darauf sind wir durch die Gründung von Community Life eingegangen.

Wird es Ihrer Meinung nach in 30 Jahren noch traditionelle Versicherer geben oder werden diese komplett vom Markt verdrängt werden?

Ob und welche traditionellen Versicherer in 30 Jahren noch bestehen, hängt von ihrer Anpassungsfähigkeit ab. Wenn jemand anderes bequemer und einfacher den Versicherungsschutz bietet, werden sie Marktanteile verlieren.

Andererseits schützt die Regulierung das Geschäftsmodell der traditionellen Versicherer. Für das Versicherungsgeschäft braucht man Kapital, Kompetenz in der Risikoverwaltung und eine entsprechende Zulassung. Diese Hürden sind recht hoch. Wenn Versicherer diesen Teil der Wertschöpfungskette effektiv erfüllen, wird man ihnen diesen Teil auch überlassen.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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