skip to Main Content

Informelles Lernen im Unternehmen

Informelles Lernen Im Unternehmen

In seinem Gastbeitrag gibt uns Personalexperte Professor Gernold Frank einen Überblick über die Prinzipien des informellen Lernens und zeigt uns, wie man das informelle Lernen im Unternehmen verankern kann.

Prof. Dr. Gernold Frank ist emeritierter Professor für BWL, insbesondere Personal und Organisation an der HTW in Berlin und war dort bis 2014 Direktor des Masters Arbeits- und Personal-Management. Neben diversen Forschungsprojekten ist der dort als Dozent weiterhin tätig und beschäftigt sich mit Themen wie eHR-Konzeptionen, E-Learning, Kompetenzmanagement und Learning Analytics. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt im Strategic Workforce Planning. Professer Frank leitete außerdem bis 1994 die strategische Personalentwicklung der Drestner Bank AG und war dort von 1999 bis 202 Leiter des Bereichs Personalführungs- und Steuerungssysteme“.

Informelles Lernen: Zum Hintergrund

Sicherlich haben viele von Ihnen schon einmal im Zusammenhang mit einem unerklärlichen Softwarefehler, mit einer Reparatur oder auch etwas neu zu Bauendem die Lösung bzw. Anleitung dazu auf YouTube angesehen. – Und denen, die noch nie diesen Weg verfolgt haben, sei er nahe gelegt, denn man findet wohl zu allen Fragen inzwischen einen passenden Clip.

Hier als Beispiel wie Jean Pütz Tipps zu Dübelproblemen gibt:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube-nocookie.com/watch?v=rQT-1Fyv4WY

Was wir beim Betrachten des Videos getan haben, ist informelles Lernen. Das geht in der Freizeit oder auch am Arbeitsplatz: Wir haben uns nicht zu einem Kurs angemeldet oder ein strukturiertes Lernangebot angenommen und auch kein Zertifikat angestrebt – wie beim formalen Lernen. (Letztlich unterscheiden wir das formale Lernen noch in formales und non-formales Lernen; der wesentliche Unterschied liegt in der Erlangung eines Zertifikates.)

Formales und informelles Lernen im Zusammenspiel

Unterschiedliche Lernformen und der fließende, bisweilen kaum trennbare Unterschied wird in der gelungenen Darstellung von Jane Hart und Jay Cross verdeutlicht.

Hatte man durch erste Untersuchungen der UNESCO und am BIBB, Bonn (Lauer-Ernst) bereits Ende der 1970er Jahre herausgefunden, dass unsere Kompetenz sich zu einem überwiegenden Teil aus informellen Lernprozessen ergibt (damals sprach man bereits von rd. 70 %!), so ist diesem Befund zunächst wenig Beachtung geschenkt worden. Erst als Jay Cross 2007 mit dem Buch „Informal Learning“ den Fokus so eindeutig darauf gelenkt hat und dabei auch erstmals die Rolle neuer Medien ansprach, findet sich ein zunehmend größer werdendes Interesse daran. Neuere Studien zeigen zudem einen Anstieg der Quote auf über 80 %, was nicht wundert, wenn wir uns gerade die Rolle der neuen Medien im nächsten Abschnitt näher betrachten.

Erst als Jay Cross 2007 mit dem Buch `Informal Learning´ den Fokus so eindeutig darauf gelenkt hat und dabei auch erstmals die Rolle neuer Medien ansprach, findet sich ein zunehmend größer werdendes Interesse daran.

Wenn also informelles Lernen alle nicht notwendigerweise intentionalen und nicht (fremd)gesteuerten Lernprozesse umfasst (und damit im schon Kindesalter mit dem Spielen beginnt), dann wird deutlich, dass jeder von uns durch Erziehung, durch Freunde und Eltern, am Arbeitsplatz und in der Freizeit beständig eigene Erfahrungen sammelt und sich daraus die persönliche Kompetenz z.B. im Sinne von Handlungs- oder Problemlösungskompetenz entwickelt. Diese Lernprozesse sind in der Regel von der eigenen Motivation abhängig und werden durch formale Prozesse (Kindergarten; Schule; Hochschule; Weiterbildungsträger etc.; in der Regel strukturiert – man denke an die `berühmten´ Lernziele in der betrieblichen Weiterbildung und oftmals auch zertifiziert) ergänzt.

Ellen Trude hat hier für ununi.tv eine gute Übersicht erarbeitet:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
http://www.youtube-nocookie.com/watch?v=wepFjM_J_cM

Zudem findet sich bei e-teaching.org ein sehr gute schriftliche Darstellung: https://www.e-teaching.org/didaktik/theorie/informelleslernen/Informelles_Lernen_Langtext.pdf

Die Rolle der – neuen – Medien

Welche Rolle spielen die neuen Medien? Und wie kann man informelles Lernen im Unternehmen verankern?

Diese Fragen werden im Hinblick

  1. auf die kommende Arbeitswelt 4.0 (hier lohnt erneut ein Abstecher zu flowcampus/ununi.tv: https://www.facebook.com/ununitv/ ; dort findet sich auch ein passender MOOC)
  2. auf den generationalen Wandel der Mitarbeiterschaft (Stichwort: Gen Y und Z)
  3. auf die kontinuierliche Weiterbildung (Stichwort: lebenslanges Lernen) und
  4. natürlich auch unter Kostenaspekten zunehmend bedeutsam.

Während viele insbesondere traditionelle Unternehmen noch die betriebliche Weiterbildung in der eher traditionellen Form mit Seminaren betreiben, so sprechen doch einige andere (z.B. adidas) und erst recht viele Start-ups ganz offen darüber, dass informelles Lernen um vieles wichtiger ist, und handeln auch danach. So werden dort Umsetzungen etabliert, die genau dies forcieren: Arbeiten mit mobilen Devices wie Smartphones oder Tablets, Lerninhalte via MOOCs mit freiwilliger Beteiligung, reale und virtuelle Kommunikationsräume oder bootcamp. David Sloan hat in seinem Blog sehr schön die Unterschiede zum – formalen – Workshop herausgearbeitet.

Moderne Führung

Perspektive und Herausforderung:  Der 70:20:10 – Ansatz

Aus Unternehmenssicht ergibt sich damit die Notwendigkeit, formales Lernen mit dem eigeninitiativ-getriebenen informellen Lernen zu verbinden. Genau das ist Anliegen einer Entwicklung, die unter der Formel 70:20:10 zunehmend populärer wird (z.B. thematisiert in der „Personalentwicklung 2017“ oder auch auf Konferenzen):

  • 10 % für das formale Lernen im traditionellen Verständnis
  • 20% für solche oftmals im Projektrahmen stattfinden Lernsettings, bei denen das Unternehmen z.B. Ziele vorgibt oder den Rahmen sichert, die Vorgehensweise jedoch gänzlich jedem Einzelnen oder einem Team überlassen bleibt, und schließlich
  • 70% für das selbstgetriebene Lernen, z.B. bei AXA winterthur oder auch bei SAP. Häufig finden sich auch unter dem Begriff „Lernen im Prozess der Arbeit“ vielfältige Umsetzungen.

Die zentrale Herausforderung besteht jedoch darin, solche Zusammenführungen zu gestalten. Dabei sind Motivation und Eigendynamik unabdingbare Voraussetzungen – und damit z.B. auch Betriebsklima und Teamstrukturen. Nicht zuletzt deshalb weist die Hochschule St. Gallen im scil-Arbeitsbericht # 24 (2013) auf „Informelles Lernen als Führungsaufgabe“ hin. Ein Beitrag der IMC AG skizziert in Checkpoint-eLearning die vielfältigen Aufgaben aus Unternehmenssicht.

Aber alles entscheidend ist: Ohne die Beachtung der internen Treiber – wir sprechen hier von der intrinsischen Motivation – wird eine erfolgreiche Umsetzung nicht gelingen.

SL Personalreferent/in Download

Leseprobe: Schriftlicher Lehrgang Personalreferent/in

Mit dem Schriftlichen Lehrgang Personalreferent/in lassen Sie sich zertifizieren und optimieren Ihre Personalarbeit. Fordern Sie unverbindlich eine kostenlose Leseprobe an.
Jetzt kostenlos herunterladen!

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top

Die digitale Ausbildung

Erfahren Sie in diesem Whitepaper, welche Folgen die Digitalisierung für die Berufsausbildung hat. Nutzen Sie die Interviews der Experten für Ihre Vorbereitung und lernen Sie, was Ausbilder jetzt wissen müssen, um den Trend zu meistern.

Jetzt herunterladen!